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Kolbe: Spätstarter im Angriffsmodus

kicker

Beim 1:2 auf Schalke vor acht Tagen kam er zur Pause rein, als es 0:2 und damit nicht gut stand um Hertha BSC. Es wurde im zweiten Durchgang kollektiv besser, wenn auch nie richtig gut, und Niklas Kolbe hatte daran durchaus einen Anteil. Der erste Pflichtspiel-Arbeitsnachweis für seinen neuen Klub war ein Dokument der Solidität. Mit dem 1,96-Meter-Hünen, der in der Dreierkette den sportlich wenig überzeugenden und muskulär leicht angeschlagenen Marton Dardai ablöste, stand Hertha stabiler.

Kompromisslose, konzentrierte Zweikampfführung, sauberes Aufbauspiel: Kolbe sammelte Argumente in eigener Sache - freilich in einer Phase, als die Schalker den Fuß vom Gas nahmen. "Individuell war's okay", sagt Kolbe über sein Debüt. "Im Endeffekt hat's für uns trotzdem nicht gereicht." Am Sonntag gastiert der Karlsruher SC, für den Kolbe zweieinhalb Jahre in der Jugend spielte, im Berliner Olympiastadion. Ob er startet, "habe ich nicht zu entscheiden", sagt der Innenverteidiger. Aber bereit, so viel ist klar, wäre er.

Der Abschluss des Studiums hatte für ihn Priorität

Herthas Kader ist gespickt mit einer Menge unterschiedlicher Profile und Karriereverläufe. Wie weit es Spätstarter Kolbe noch bringt, ist eine der vielen spannenden Fragen. Vom KSC ging es für ihn 2011 zum FC Nöttingen und 2020 zu den Stuttgarter Kickers. Im Sommer 2024 wechselte der Abwehrspieler von der Viert- in die Zweitklassigkeit: vom Regionalligisten Stuttgarter Kickers zum Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 Fußball. Nach dem Ulmer Abstieg nutzte Hertha eine Ausstiegsklausel und lotste Kolbe für 100 000 Euro Ablöse in die Hauptstadt - zum Aufstiegskandidaten. "Bei mir ging es zuletzt schon recht rasant zu", hat Kolbe nach seiner Ankunft in Berlin treffend gesagt, aber den Eindruck, dass ihn das eigene Karrieretempo überfordern könnte, macht er nicht.

Parallel zum Fußball schloss er in seiner Zeit bei den Kickers ein Studium in Einkauf & Logistik ab. Das hatte für ihn damals Priorität. Als er den Abschluss in der Tasche hatte und Angebote anderer Klubs kamen, trieb Kolbe seine Profi-Karriere voran: "Ich hab' mir gesagt: Wenn ich die Möglichkeit habe, es auszureizen und zu schauen, wo es enden kann, probier' ich's. Und jetzt bin ich hier. Und ich hoffe, dass es mit Hertha nochmal eins nach oben geht." Wo für ihn, der erst mit 27 in der 2. Liga aufschlug, das Limit ist? "Schauen wir mal." Aber eines steht für ihn fest: "Ich bin nicht einfach hier, um nur auf der Bank zu sitzen."

"Wir müssen giftiger am Mann sein"

Konkurrent Dardai hat seine Blessur ausgestanden und trainiert seit Mittwoch wieder voll mit, Herausforderer Kolbe kämpft um seinen Platz. Den fußballerischen, aktiven Ansatz, den Trainer Stefan Leitl vorgibt, hat er so ähnlich auch in Ulm unter Thomas Wörle und Robert Lechleiter erfahren. "Wir hatten in Ulm auch eine hohe Intensität im Spiel und haben auch versucht, vieles spielerisch zu lösen", sagt Kolbe. Der Unterschied: "Defensiv war es in Ulm Mann-gegen-Mann, bei Hertha verteidigen wir eher im Raum."

Der verkorkste Start auf Schalke ist abgehakt. "Wir sind nicht so gestartet, wie wir uns das vorgenommen hatten", erklärt der Neu-Berliner. "Schalke kam gut rein, nahm gleich das ganze Stadion mit und hatte in manchen Aktionen 110 Prozent. Wir haben uns am Anfang nicht so richtig gewehrt und kamen in einen Trott, aus dem wir nicht mehr rauskamen." Gegen den KSC, der in Kolbes Heimatort viele Fans hat, soll sich das nicht wiederholen. "Es liegt in unserer Hand, dass es reicht", sagt der Abwehrspieler. Was er als Rezept für die Standards empfiehlt, bei denen die Berliner auf Schalke große Probleme hatten, gilt eigentlich fürs gesamte Spiel: "Wir müssen giftiger am Mann sein." Kein Zweifel: Der Spätstarter ist schon früh in dieser Saison bereit für mehr.