Die Auslosung des Pokal-Achtelfinals hätte für Vincent Kompany im Nachhinein viel besser kaum laufen können. In London hatte sich der Trainer des FC Bayern in der Vorwoche gewünscht, am besten direkt auf das 1:3 beim FC Arsenal reagieren und nochmal spielen zu können. An diesem Mittwoch darf er immerhin gleich nochmal gegen Union Berlin ran und das 2:2 aus der Liga vor wenigen Wochen korrigieren.
Die Bayern reisen nach elf Siegen aus zwölf Ligaspielen natürlich als haushoher Favorit in die Hauptstadt, und trotzdem sind sie gleich doppelt gewarnt: Weil Union einerseits das einzige Team neben Premier-League-Spitzenreiter Arsenal ist, das der Rekordmeister nicht besiegen konnte. Und weil dieser andererseits endlich wieder abliefern will und muss im DFB-Pokal.
Fünfmal in Folge mussten Uli Hoeneß und Co. im Mai den Fernseher einschalten, statt selbst beim Finale in Berlin zu sein und dem eigenen Team die Daumen zu drücken. Der Titelhunger ist dementsprechend größer als je zuvor, was allein aber nicht für ein Weiterkommen genügt.
„Es gehört Arbeit dazu, es gehört eine Einstellung dazu.“ (Trainer Vincent Kompany über die Finalträume der Bayern)
"Ich kann uns nicht ins Finale reden", bekräftigt Kompany. "Man kann immer sagen, man möchte alles gewinnen. Finale, Finale, Finale. Aber es gehört Arbeit dazu, es gehört eine Einstellung dazu. Wenn wir morgen zeigen, wie hungrig wir sind auf dieses Finale, weiß ich, dass wir das können."
Genauso wie er weiß, dass das Erreichen des Pokalfinals beim FC Bayern Jahr für Jahr und trotz der jüngsten Misserfolge weiterhin Pflicht ist. "Es gibt nichts anderes, das spüren wir auch", sagt Kompany. "Aber man muss es erstmal vorleben. Und ich hoffe, dass wir morgen zeigen können, wie gerne wir dahin kommen wollen."
Ein Unentschieden in Berlin als Warnung für die Bayern
Personell wird sich im Vergleich zum jüngsten 3:1 gegen St. Pauli nichts ändern, sehr wohl darf sich dagegen die Ausgangslage im Spiel verändern. Viermal gerieten die Bayern in den jüngsten vier Pflichtspielen in Rückstand, angefangen mit dem Auswärtsspiel an der Alten Försterei in Berlin-Köpenick. "Man hat diese besondere Stimmung gespürt", erklärt Sportvorstand Max Eberl und zieht etwas Positives aus dem ersten nicht gewonnenen Spiel der Saison: "Nach diesem Spiel braucht Vinnie den Finger nicht heben."
Weil jeder Spieler wissen sollte, was ihn auch am Mittwoch wieder im engen Berliner Stadion erwarten wird. Gegen eine, wie Kompany es sagt, "große, körperlich starke Mannschaft". Besonderen Druck verspürt der Trainer vor dem K.-o.-Spiel nicht, im Gegenteil: "Es ist ein guter Druck, der kann gerne noch größer werden." Also in den kommenden Runden. "Wir sind auf alles vorbereitet. Aber dieser Druck ist meistens positiv für uns."