Von einem Angstgegner ist Vincent Kompany als Trainer des FC Bayern noch genauso weit entfernt wie Borussia Dortmund derzeit vom FC Bayern. Insgesamt zehnmal musste sich der Belgier an der Münchner Seitenlinie geschlagen geben, einmal öfter gegen Bochum oder Benfica als gegen den BVB - nämlich genau einmal.
Eine besondere Rolle spielt deshalb der kommende Gegner der Bayern, Union Saint-Gilloise. Als Trainer des RSC Anderlecht gewann Kompany das erste Aufeinandertreffen mit jenem Team, in dem damals noch Deniz Undav stürmte, weil der eigene Stürmer Lukas Nmecha zweimal zum 5:0-Sieg im Pokal traf. Danach trafen Anderlecht und Kompany noch viermal in der Liga und den Play-offs auf Saint-Gilloise und verloren alle vier Begegnungen.
"Das waren andere Zeiten", sagt der 39-Jährige heute, er kann schließlich etwas Gutes aus der Misere mitnehmen und wie immer glaubhaft versichern, dass der belgische Meister keineswegs zu unterschätzen ist. Zumal Saint-Gilloise von bisher drei Auswärtsspielen in der Königsklasse zwei (in Eindhoven und in Istanbul) gewinnen konnte.
„Es ist eine komplett andere Mannschaft als damals, aber sie spielen immer noch gleich.“ (Kompany über Saint-Gilloise)
"Die machen sehr, sehr gute Arbeit", lobt Kompany. "Sie kennen die Underdog-Story seit Jahren, deshalb weiß ich, dass sie gefährlich sind. Sie treffen fantastische Entscheidungen, haben ein super Scouting." Und die Mannschaft scheint auch trotz wechselnder Trainer, die von "größeren Klubs" gelockt werden, weiter zu funktionieren.
Saint-Gilloise, Bayerns zweiter belgischer Gegner in dieser Ligaphase, ist auch jetzt wieder Tabellenführer in der Jupiler Pro League. "Es ist eine komplett andere Mannschaft als damals, aber sie spielen immer noch gleich", was Landsmann Kompany natürlich als Kompliment verstanden haben will. "Sie haben keinen großen Druck von den Medien. Sie machen ihr eigenes Ding, und das ist schön zu sehen."
Dennoch ist es eine Pflichtaufgabe für die Bayern, gerade im Hinblick auf die Ausgangslage als Tabellenzweiter. Bei einem Sieg umgeht der deutsche Rekordmeister dieses Mal die Play-offs und zieht direkt ins Achtelfinale ein. Außerdem lukrativ: Beenden die Bayern die Ligaphase unter den ersten Vier, hätten sie auch in einem potenziellen Viertelfinale das Heimrecht im Rückspiel.
Fehlen werden Nicolas Jackson, der mit der senegalesischen Nationalmannschaft den Triumph beim Afrika-Cup feiern darf, Konrad Laimer (Muskelfaserriss in der Wade), Josip Stanisic (Sprunggelenk) und Sacha Boey (krank). Heißt auch, dass erneut kein klassischer Rechtsverteidiger zur Verfügung steht und neben Joshua Kimmich sowohl Raphael Guerreiro als auch der in Leipzig etwas überforderte Tom Bischof infrage kommen.