Zehn Punkte nach neun Spieltagen, mit einem Torverhältnis von -1 und dem zwölften Tabellenplatz. Das ist nicht die aktuelle Bilanz, sondern die der vergangenen Saison zu dem Zeitpunkt, als Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi und Cheftrainer Alexander Zorniger freigestellt wurden.
Die aktuelle Bilanz sieht noch etwas düsterer aus. Zehn Punkte sind es wieder, allerdings bereits nach elf Spieltagen. Das Torverhältnis von -13 und 30 Gegentore sind ein Beleg für die eklatanten Abwehrschwächen, der 16. Platz besorgniserregend.
Die Statistiken sind schlechter geworden
Warum reagiert diesmal niemand? Diese Frage bekam Geschäftsführer Holger Schwiewagner, seit Azzouzis Aus der einzig starke Mann der SpVgg, in einem Interview mit den Fürther Nachrichten und NN.de gestellt.
Zwar träfe man die Entscheidungen in Fürth gemeinsam, doch der sportliche Bereich läge in den Händen des Sportdirektors, den Schwiewagner damit in den Fokus nahm. Jetzt wird also die Verantwortung für das Sportliche an den Sportdirektor delegiert.
Ein wenig ehrbar ist es, dass der oberste Entscheider seinem Sportdirektor Stephan Fürstner nicht in der Öffentlichkeit in dessen Bereich hineinreden will, allerdings macht es sich der Baumeister der sportlichen Neuausrichtung damit auch zu leicht.
Denn im vergangenen Jahr, als die sportliche Situation zwar nicht rosig, aber noch besser war, hatte der Geschäftsführer noch eine andere Auffassung seiner Rolle und sorgte im Verbund mit dem Aufsichtsrat für die Demission von Co-Geschäftsführer Rachid Azzouzi und Trainer Alexander Zorniger. Bis auf die handelnden Personen hat sich seitdem wenig verändert.
Stephan Fürstner wurde nach einer kurzen Interimszeit schnell zum Sportdirektor ernannt und steht damit unter der Geschäftsführer-Ebene. Nach Interimstrainer Leonhard Haas und dem glücklosen Jan Siewert rettete sich die SpVgg unter Thomas Kleine am 34. Spieltag auch aus eigener Kraft. Seitdem gab es zwar kurze spielerische Hochs mit starken offensiven Individualleistungen, aber eben auch empfindliche Niederlagen und Auftritte ohne umgesetzte Spielidee.
Zudem ist das Kleeblatt neben der nach Gegentoren schwächsten Abwehr auch das Team mit den wenigsten gelaufenen Kilometern und wenigsten Sprints der 2. Liga. Ein Problem, das man in der Saisonanalyse im Sommer erkannt hat, seitdem aber nicht in den Griff bekommt. Die Vision von der "Neuausrichtung" ist mehr auf dem Organigramm als auf dem Rasen zu sehen.
Kleine, der um seinen Job kämpft, und sein früherer Mitspieler Fürstner strahlen weiter den Glauben an den Turnaround aus. Für Schwiewagner ist es "kein Zweckoptimismus, sondern dass sie der Mannschaft damit auch Halt geben". Ohne Sieg gegen Preußen Münster werden vor der Länderspielpause allerdings wohl die üblichen Prozesse laufen und der nächste Trainerwechsel vollzogen.
Nächste ungemütliche JHV droht
Angesprochen auf die Jahreshauptversammlung am 17. November und die dort zu präsentierenden Zahlen, sagte Schwiewagner: "In diesem Jahr ist einiges passiert. Wie in den letzten Jahren haben wir auch keine Transfererlöse in dem Ausmaß generieren können, wie es schon mal der Fall war. Deswegen sind das keine guten Zahlen. Auch sportlich wird die Lage immer schwieriger".
Mit "einiges passiert" sind auch die Kosten durch Lohnfortzahlungen und Abfindungen gemeint, die die "sportliche Neuausrichtung" verschlungen haben. Was die Zahlen für das Geschäftsjahr 2024/25 sogar noch etwas schönt, ist der Transfer von Armindo Sieb, der noch in Azzouzis Zeit fiel. Dessen Ertrag von 1,5 Millionen Euro wurde bewusst erst zur abgelaufenen Saison gebucht.
Die Mitgliederversammlung im Herbst 2024 wurde für Fürther Verhältnisse bereits ungewöhnlich hitzig und lautstark geführt. Auf Fragen und Redebeiträge der um die Entwicklung ihres Vereins besorgten Mitglieder müssen sich die Verantwortlichen um Schwiewagner, Präsident Heißmann und Aufsichtsratsvorsitzender Köhr schon einstellen.