Ein bisschen Zeit hatte der neue Bochumer Coach, der am Montag vor einer Woche vorgestellt wurde, in den ersten Trainingseinheiten und einem Testspiel gegen Aachen (3:3) seine Belegschaft kennenzulernen. Abzüglich natürlich der Nationalspieler, die im Laufe der Woche erst wieder an der Castroper Straße eintrudeln werden.
Logisch, dass bei einem neuen Trainer die Karten neu gemischt werden und vor allem Spieler auf eine neue Chance erhoffen, die zuvor Randfiguren geblieben waren. Und tatsächlich gab es nach den ersten Einheiten einige überraschende Gewinner, die nun auf mehr Spielzeit hoffen dürfen.
Kaum einer dürfte zum Beispiel Niklas Jahn auf der Liste gehabt haben, der vor einem Jahr vom 1. FC Nürnberg nach Bochum kam und seitdem unter dem Radar blieb. Weder unter Dieter Hecking, noch zuletzt unter Interimstrainer David Siebers spielte der Mittelfeldmann eine Rolle, er war nur in der Bochumer U-21 unter Heiko Butscher fest eingeplant.
Beim Test gegen Aachen aber fand Uwe Rösler durchaus Gefallen an der Spielweise des 1,72 Meter kleinen Wirblers, der zwar neu in diesem Kreis dabei war, Rösler aber auch mit seiner Kommunikation überzeugte. Dem Trainer ist es deutlich zu still auf dem Platz; Jahn aber sprach eine Menge mit seinen Nebenleuten, sehr zum Gefallen des Trainers.
„Er hat sich mit seiner Dynamik und seinem Engagement in den Vordergrund gespielt.“ (Uwe Rösler)
Kommt hinzu, dass der 21-Jährige auch fußballerisch überzeugte. "Er hat sich mit seiner Dynamik und seinem Engagement in den Vordergrund gespielt", lobte Rösler. Bekommt Jahn nun tatsächlich eine Chance und rückt in den Spieltagskader am Samstag gegen Hertha?
Gerade im Mittelfeld tobt ein sehr intensiver Konkurrenzkampf, "dort", so Rösler, "sind wir im Grunde genommen sehr gut aufgestellt". Gegen Hertha allerdings fehlt zum Beispiel der bisher überzeugende Cajetan Lenz nach seiner fünften Gelben Karte; auch Abräumer Ibrahima Sissoko ist noch längst nicht bereit für einen Einsatz. Öffnet sich also die Tür für Jahn?
Rösler ist von Kwarteng angetan
Hoffnungen macht sich überdies Moritz-Broni Kwarteng, 2023 für satte 1,1 Millionen vom 1. FC Magdeburg nach Bochum gekommen, seitdem allerdings immer wieder länger verletzt, zwischendurch auch mal ausgeliehen an Fortuna Düsseldorf. Nun also der x-te Neubeginn für den vielseitigen Mittelfeldspieler, und dessen Spielweise hat es Rösler sichtlich angetan.
30 Minuten nur war Kwarteng beim Test gegen Aachen auf dem Platz, doch sein Trainer war gleich voll des Lobes. "Er ist ein sehr guter Fußballer, das sah sehr dynamisch aus. Mo hat es ordentlich gemacht und meine Erwartungen vollauf erfüllt", lobte Rösler. Hört sich zumindest so an, als dürfe der Rückkehrer auf einen Platz im Spieltagskader gegen Hertha hoffen, auch wenn er körperlich natürlich noch großen Nachholbedarf hat.
Im Kader wird Philipp Hofmann natürlich zu finden sein, dessen vom Klub zunächst nicht öffentlich gemachte Vertragsverlängerung bis 2028 zuletzt hohe Wellen schlug. Der Mittelstürmer ist grundsätzlich ein äußerst wichtiger Spieler für den VfL, auch wenn es im Abschluss bei ihm nur ganz selten klappt.
Allerdings bindet der wuchtige Angreifer natürlich auch schon mal zwei oder drei Gegenspieler und schafft Räume für seine Nebenleute; auch deshalb war er stets gesetzt beim VfL. Und wird dies gewiss auch unter Rösler bleiben.
Hofmann wird wohl in der Startelf stehen
Der frühere Stürmer, der es mit seiner engagierten Spielweise als Torjäger sogar in die Hall of Fame bei Manchester City brachte, schaut natürlich mit besonderer Expertise auf seine Angreifer. Und nicht zuletzt wegen der Herangehensweise des Trainers darf sich Hofmann aktuell sicher sein, in der Startelf zu stehen.
Er habe auf allen seinen Stationen, falls möglich, stets mit einem sehr robusten und kopfballstarken Spieler im Zentrum angreifen lassen, erzählte Rösler. Und in diesem Punkt ist Hofmann aktuell nahezu konkurrenzlos. Ibrahim Sissoko, ebenfalls äußerst robust, kommt nicht richtig in die Gänge, weitere Spieler, die als Brecher im Zentrum infrage kämen, gibt es nicht im Bochumer Kader.
Ein bisschen lange Erprobtes also, ein paar neue Ideen, viel Aggressivität und Dynamik auf dem Platz: Die Rezeptur von Rösler, in Bochum die Trendwende herbeizuführen, wird immer deutlicher.
Ob die ersten Maßnahmen des neuen Trainers fruchten, wird sich am Samstagabend zeigen. Dann tritt der VfL Bochum an der Castroper Straße gegen Hertha BSC an - und setzt alles daran, sich nach zuletzt sechs Niederlagen in Folge unter dem neuen Trainer wieder aufzurappeln.