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"Kämpfen, Ackern, Fußballspielen": ATSV Erlangen zwischen Umbruch und Aufbruch

kicker

So langsam zählt der ATSV Erlangen schon zum Inventar der Bayernliga Nord. Mit Würzburg, Gebenbach und Hof gibt es nur noch drei Vereine, die der Liga länger angehören als die 2018 aufgestiegenen Mittelfranken. Damals schon dabei und seit 2024 nach drei Jahren Pause wieder: Trainer Shqipran Skeraj. Dessen Rückholaktion sorgte für Aufsehen, erwies sich jedoch zweifelsfrei als Glücksgriff. Denn der ATSV schloss die vergangene Spielzeit auf einem "überraschenden, aber auch gerechtfertigten" vierten Platz ab und sicherte sich so das zweitbeste Ergebnis seiner Bayernligahistorie. Insbesondere in der Hinrunde zeigten die Erlanger ein außerordentliches Niveau auf dem grünen Rasen und überwinterten sogar als Tabellenführer.

Zu viele Hoffnungen auf eine Wiederholung des glanzvollen Halbjahres hatten die Mittelfranken vor der aktuellen Saison allerdings nicht: "Wir hatten einen großen Umbruch und mussten uns neu formieren. Für uns geht es daher ums Punktesammeln, sodass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben", erklärt der 39-Jährige die neue Realität. Stolze 14 Abgänge zählt die Liste, darunter Leistungsträger wie Valantis Floros und Geremi Perera, die beide zum Lokalrivalen nach Eltersdorf wechselten.

Schwacher Vorbereitung folgt Top-Start

Vor allem die Vorbereitung verlief folglich "nicht gut", da der Kader noch nicht feststand und oftmals U-19-Akteure aushelfen mussten. "Zudem waren einige der Neuzugänge noch nicht spielberechtigt - wir hatten somit eine schwierige Saison erwartet", berichtet Skeraj von eher düsteren Aussichten im Sommer. Doch jene Befürchtungen erwiesen sich rasch als unbegründet - schon zum Auftakt drehte die Truppe ein frühes 1:4 in Neudrossenfeld in einen 5:4-Sieg und schlug anschließend sogar den Top-Favoriten aus Eltersdorf auf dessen eigenen Platz (1:0). Fünf Partien blieb die Mannschaft anfangs ungeschlagen - ein Auftakt, der "viel Mut" brachte. Eventuell auch ein bisschen zu viel, denn ab Mitte September setzte es drei Niederlagen in Serie. "Das hat uns ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", gibt Skeraj zu.

"Ich bin grundsätzlich dennoch zufrieden. Wir zeigen eine enorme Kompaktheit und schaffen eine gute Mischung aus Kämpfen und Ackern sowie Fußballspielen. Zudem fühlen sich die Jungs in unseren beiden Systemen wohl und kommen gut klar." Jene Flexibilität ermöglicht dem Trainerteam situativ den Wechsel von Vierer- auf Dreierkette und umgekehrt. Dass jene Anpassungen schon seit Beginn der Spielzeit trotz des großen Umbruchs funktionieren, spricht für die Qualität der Mannschaft. Und doch warnt der Trainer: "Zufriedenheit ist für mich eine gefährliche Komfortzone. Wir dürfen uns nicht ausruhen, sondern wissen, dass in der Bayernliga alles passieren kann. Wichtig ist daher, dass wir weitermachen wie bisher." Schließlich kann sich dieses "bisher" sehen lassen: Mit 25 Punkten liegt der ATSV im breiten Mittelfeld zwischen Platz drei und zwölf.

Torjäger neben dem Brüderpaar gesucht

Tendenziell wäre sogar noch mehr möglich gewesen, doch vor allem auf fremden Plätzen stotterte der Motor gewaltig: Vier Niederlagen setzte es auswärts zuletzt in Serie, abgesehen vom fulminanten Auftakt in Neudrossenfeld trafen die Mittelfranken nur noch fünfmal in ihren Gastspielen. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich die Antwort weiß", gibt Skeraj auf die Frage nach den Gründen zu, versucht sich dann allerdings trotzdem an einer Erklärung, "letztendlich haben wir auswärts nur in Cham und in Coburg keine guten Leistungen gezeigt - ansonsten hätten wir kein Spiel verlieren müssen." Vor allem die Chancenverwertung war, insbesondere in jenen Partien, letztendlich aber über die komplette Halbserie hinweg ausbaufähig - das Fehlen des letztjährigen Top-Torjägers Geremi Perera (14 Tore) macht sich da deutlich bemerkbar.

"Wir brauchen hier noch mehr Entlastung und müssen das Toreschießen auf mehrere Schultern verteilen. Bisher treffen in dieser Saison nur Markert eins und Markert zwei regelmäßig", bilanziert der Coach mit einem Augenzwinkern hinsichtlich des Brüderpaars Lucas (acht Tore) und Florian (drei). Fast die Hälfte der eigenen Treffer wurde somit von den Markerts erzielt - ein Problem ist das nicht: Schließlich ist eine gewisse Abhängigkeit von Führungsspielern ganz normal.

Zudem leben die beiden Markerts gemeinsam mit Abteilungsleiter und Vater Jörg dem Verein große Loyalität vor - und verdienen sich folglich wohl ebenso das Prädikat des Inventars beim ATSV Erlangen. Der hat seinerseits die Grundlagen für ein weiteres Jahr in der Bayernliga gelegt - ausruhen ist jedoch selbst als Inventar keine Option.