Immerhin drei gute Chancen erspielte sich Schalke vor eigenem Publikum gegen Absteiger Holstein Kiel (0:1) in der ersten Hälfte, ernüchternd nur, dass keine zum Torerfolg führte. Einmal scheiterte Sommerzugang Christian Gomis bei seinem weitgehend unauffälligen Debüt aus spitzem Winkel; zweimal zeigte Moussa Sylla, dass er weder ein Distanzschuss-Experte ist noch der geeignete Mann für lange Bälle in die Tiefe, wenn dann noch ein weiter Weg vor dem Strafraumstürmer liegt.
Keine Torchance nach der Pause
Geradezu erschreckend war die Bilanz im zweiten Durchgang. Mit 0:1 zurückliegend, gelang es Schalke kein einziges Mal mehr, wirklich gefährlich vor dem Kieler Tor aufzutauchen. "Ich muss zugeben, dass wir da nicht mehr so zwingend waren", sagte Timo Becker, der das Positive hervorhob: "Ich glaube, man hat wieder gesehen, dass wir uns nicht aufgegeben haben."
Dass die Attacke-Abteilung weiterhin lahmt, hat natürlich Gründe. Becker, dem kein Vorwurf zu machen war, nachdem er den Ball beim Klärungsversuch zum 0:1 gegen Kiel ins eigene Tor gelenkt hatte, sagte: "Wir haben in den vergangenen Jahren viele Tore kassiert, daher lag unser Fokus in den zurückliegenden Wochen erst einmal auf der Defensive." Man könne "nicht von uns erwarten, dass wir jetzt Traumfußball spielen".
Alle Standards verpufften
Allerdings: Auch Standards verpufften. Freistöße, vor allem aber die acht Ecken führten zu nichts außer Verdruss darüber, dass Schalke offensiv deutlich zu harmlos agiert. "Eigentlich zählen Standards zu unseren Waffen, diesmal waren wir darin aber nicht so gut", bekannte Becker.
Sportdirektor Youri Mulder kam bei der Gesamtbetrachtung zu dem Schluss, dass "ein wenig der letzte Pass gefehlt" habe. "Wir sind oft auf den Außen gut durchgekommen", auch Pässe in den Strafraum habe die Mannschaft zustande gebracht. Ein Abnehmer fand sich aber kaum.
Sylla etwa steckt, seitdem er beim 2:1-Sieg gegen Hertha BSC das erste Tor dieser Zweitliga-Saison erzielte, in einem Formtief. Zudem muss sich die Harmonie zwischen ihm und Gomis im Angriff erst noch entwickeln.
Obendrein hat mit Kenan Karaman die wichtigste offensive Schlüsselfigur der jüngeren Vergangenheit nach einer verpassten Saisonvorbereitung (Meniskus-Operation) weiter Schwierigkeiten, wieder in den gewohnten Rhythmus zu kommen.
Weiterhin kein Trainer-Plan B erkennbar
Außerdem problematisch: Ein Plan B ist bei Muslic weiter nicht erkennbar. Führt sein bevorzugter Stil - hohes Pressing, vorzugsweise lange Bälle nach vorne - nicht wie erhofft zum Erfolg, lehnt er den Versuch, mit entsprechendem Personal verstärkt auf spielerische Elemente zu setzen, weiter ab. Auch gegen Kiel gehörte Ex-Nationalspieler Amin Younes als einer der begnadetsten Techniker dieses Kaders noch nicht einmal zum Aufgebot.
Im Team genießt Younes ein hohes Ansehen. "Ich persönlich schätze Amin und seine fußballerischen Qualitäten", betonte Kapitän Karaman. "Am Ende ist es eine Entscheidung des Trainers. Das muss man respektieren, und das macht Amin. Und vielleicht kann sich das auch noch ändern."
Younes-Nominierung würde Möglichkeiten erhöhen
Eine Rückkehr in den Spieltagskader scheint also nicht ausgeschlossen. Den international erfahrenen früheren Erstliga-Profi (Eintracht Frankfurt, SSC Neapel, Ajax Amsterdam) zumindest wieder für das erweiterte Ensemble zu berücksichtigen, würde dem Trainer zumindest die Option ermöglichen, im Verlauf einer zweiten Hälfte spielerisch nachzulegen. Nächste Möglichkeit: Am Samstag gastiert Schalke 04 beim 1. FC Magdeburg.