Die Schnelllebigkeit des Fußballs spiegelt sich oft in der Halbwertszeit der Trainer wider. Selbst im gehobenen Amateurfußball sind Trennungen nach wenigen Monaten der Zusammenarbeit keine Seltenheit. Umso bemerkenswerter ist es dann, wenn es die Verantwortlichen schaffen, über Jahre in der gleichen Konstellation erfolgreich zu bleiben - wie beim SC Eltersdorf. Dort geht Coach Bernd Eigner im Sommer in seine zehnte Saison als Übungsleiter des Bayernligisten und weist somit die längste Amtszeit in Bayerns fünften Ligen auf.
Bayern helfen nach Enttäuschung
Wirklich schwierig fiel dem 53-Jährigen die Entscheidung derzeit nicht, denn der SCE bietet "das perfekte Umfeld, in dem ich in Ruhe arbeiten kann". Viel eher hatte der Ex-Profi im Sommer am knapp verpassten Aufstieg zu knabbern: "Wir waren nur einen Wimpernschlag entfernt von der Regionalliga. Trotz ansonsten geiler Saison war das schon eine Enttäuschung", lässt Eigner das Aus im Elfmeterschießen inklusive Last-Minute-Gegentor in der regulären Spielzeit in Aschaffenburg nochmals Revue passieren. "Da braucht man schon ein bisschen Zeit, um die Motivation wiederzufinden und noch mal anzugreifen. In der Zeit habe ich unter anderem an den FC Bayern gedacht, der nach Rückschlägen immer stärker zurückkommt. Und so hat sich die Motivation wiedergefunden", berichtet der Coach, der in den Wochen nach Saisonende auch mit seinen langjährigen Führungsspielern Max Göbhardt, Tobias Herzner und Manuel Stark in Austausch stand. Letztlich war für alle klar: Wir wollen noch mal angreifen. Vor allem, weil die Herausforderung, erneut erfolgreich zu sein, durch die verkürzte Sommerpause aufgrund der Relegation nicht kleiner wurde.
Ohne Gier zum Fehlstart
Wie groß die Herausforderung werden würde, bekam die Truppe dann gleich zum Auftakt zu spüren: Im Eröffnungsspiel der Bayernliga Nord setzte es zu Hause im Derby gegen einen hoch motivierten Aufsteiger aus Stadeln eine 0:2-Niederlage. Wenige Wochen später ging daheim auch das zweite Derby gegen den ATSV Erlangen verloren (0:1) - nach vier Partien hatten die Quecken drei Niederlagen gesammelt und damit genauso viele wie in der Vorsaison. "Zu dem Zeitpunkt waren wir gegen motivierte Gegner noch nicht zu 100 Prozent bereit. Den Jungs fehlende Einstellung vorzuwerfen, wäre übertrieben, allerdings hatten wir nicht die notwendige Gier, um unsere fußballerische Qualität durchsetzen zu können", urteilt der 53-Jährige. Just, als die Saison schon frühzeitig in die falsche Richtung zu laufen drohte, bekamen die Mittelfranken jedoch die Kurve: Vier Siege in Serie ließen den SCE ins erste Tabellendrittel klettern, zur Winterpause stehen zwölf Dreier in der Statistik.
Zuwachs an Souveränität und Reife
"Mit einem Kontrahenten wie Eichstätt oder uns im letzten Jahr würde es mit Platz 1 nun schwierig werden", gibt Eigner mit Blick auf die bereits sechs Niederlagen zu Bedenken, doch weil sich die Liga "ausgeglichener denn je" präsentiert, liegt die Elf um Kapitän Max Göbhardt mit nur einem Zähler Rückstand und einem Nachholspiel in der Hinterhand auf Rang 2. Dementsprechend positiv fällt das Fazit des Coaches aus: "Nach dem schwachen Start bin ich komplett zufrieden. Wir wirken sogar reifer als letztes Jahr und haben zum Beispiel bei unserem Angstgegner aus Regensburg gewonnen. In den Wochen davor waren wir ebenso mit Souveränität und Reife unterwegs. Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass wir unsere Lehren aus der Enttäuschung der letzten Saison gezogen haben."
Meisterschaft zur Vollendung des Jahrzehnts?
Nach anfänglichen Problemen scheinen die Quecken somit ihrer Favoritenrolle in der Liga gerecht zu werden. Vielleicht ist sogar die zweite Meisterschaft inklusive Aufstieg in die Regionalliga in der Amtszeit Eigners möglich. "Ich hoffe jedenfalls, dass wir bis zum Ende vorn dabei bleiben", gibt sich der Erfolgstrainer optimistisch, ohne die Konkurrenz zu vernachlässigen. "Cham ist seit zwei Jahren daheim ungeschlagen, zudem sehe ich den FC Eintracht Bamberg als hartnäckigen Verfolger an. Von daher gehe ich von einer engen Kiste aus." Erfahrung und Qualität sprechen grundsätzlich aber für die Eltersdorfer. Und vielleicht hat auch der Fußballgott ein Einsehen: Was gäbe es schon Schöneres als das zehnjährige Trainerjubiläum mit einer Meisterschaft zu vollenden?