Angesichts der Wucht der Krise lohnt der Blick in die Historie. Ein Sieg und zwei Unentschieden nach sechs Spielen - derart desaströs startete Hertha BSC in seiner Zweitliga-Geschichte nur 1985/86 und 1988/89 in eine Saison. 1986 stieg Hertha in die seinerzeit drittklassige Oberliga Berlin ab. 1989 gelang dem damaligen Aufsteiger mit Platz 13 unter dem im Oktober 1988 für Jürgen Sundermann verpflichteten Werner Fuchs der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Die aktuelle Torausbeute - vier Treffer nach sechs Spielen - markiert einen Negativrekord in Herthas Historie im Unterhaus.
"Man kann nicht immer mit der ersten Aktion etwas starten"
Die vermeintlich hochkarätig besetzte Offensive kommt nicht auf Touren, in fünf der bisherigen sieben Pflichtspiele gelang kein Tor. Soll sich die Situation nicht noch weiter zuspitzen, muss sich das am Sonntag im Auswärtsspiel beim Tabellen-Nachbarn 1. FC Nürnberg ändern. Was dafür notwendig ist, hat Trainer Stefan Leitl klar umrissen. "Wir brauchen mehr Vertikalität in unserem Spiel, mehr Personal in der gegnerischen Hälfte, um Wellen aufbauen zu können - das haben wir den Jungs auch im Video gezeigt", sagt der Coach und benennt damit das aktuell größte Manko. Hertha fehlt in Ballbesitz die Balance, heißt: eine sinnvolle Mischung aus Ballbesitzphasen, in denen man das Spiel kontrolliert, und Momenten, in denen die Tiefe attackiert wird. "Man braucht auch eine Ballsicherheit, um sich den Gegner zurechtzulegen und Chancen zu kreieren", sagt Leitl. "Man kann nicht immer gleich mit der ersten Aktion etwas starten. Das sind Themen, die wir schon mal deutlich besser gemacht haben, da müssen wir wieder hinkommen."
Auswärts läuft es besser - ein bisschen
Die 0:2-Pleite gegen den SC Paderborn - das dritte Heimspiel dieser Saison ohne eigenes Tor - ist aufgearbeitet. "Wir müssen uns die Frage stellen, warum wir unser Spiel zu Hause nicht so durchkriegen und den Faden verlieren. Die erste Hälfte gegen Paderborn war absolut ausgeglichen. Wir sind total unnötig in Rückstand geraten, sind dann aber nicht zurückgekommen, um das Spiel zu drehen", erklärt der Coach. "Wir hatten eine etwas längere Analyse vom Spiel, haben ein paar Dinge besprochen, und damit war es auch erledigt." Ein Mutmacher vor der Dienstreise nach Franken: Die besten Saisonauftritte gelangen bisher in der Fremde (0:0 in Darmstadt, 3:0 in Hannover). "Auswärts", konstatiert Leitl, "läuft es etwas besser als zu Hause." Im Februar war der 1. FC Nürnberg, mit dem er als Spieler 2001 in die Bundesliga aufstieg, sein erster Gegner als Hertha-Coach. Damals endete das Duell im Olympiastadion 0:0. Am Sonntag brauchen Leitl und seine Mannschaft Tore.