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Leitl: Lösungen statt Lamento

kicker

Aus Herthas Trainingslager in Kitzbühel berichtet Steffen Rohr

Als sich Hertha BSC am Sonntagnachmittag zum zweiten Durchgang des Testspiels gegen Bröndby IF (0:1) formiert hatte, begann für Julian Eitschberger eine Art Weiterbildungsmaßnahme im laufenden Betrieb. Niklas Kolbe war ausgewechselt worden. Marton Dardai, der die erste Halbzeit als rechter Innenverteidiger gespielt hatte, wechselte auf seine angestammte Position links in der Dreierkette - und der gelernte Rechtsverteidiger Eitschberger gab bis zu seiner Auswechslung nach 65 Minuten den rechten Innenverteidiger.

"Das sind so Themen, die uns beschäftigen", sagt Trainer Stefan Leitl. "Das ist natürlich nicht gut. Eitschi sollte sich einspielen über die rechte Schiene, aber es ist momentan so. Es ist auch ein Lerneffekt für die Jungs, eine Weiterentwicklung."

Das 3-5-2 bleibt das bevorzugte System

Von dieser Sorte Themen hat Leitl in den Tiroler Alpen einige. Er muss wegen der angespannten Personallage, die Hertha zur Absage des für Sonntagabend geplanten Tests gegen Basaksehir FK zwang, improvisieren - auch taktisch. Das 3-5-2, mit dem Leitl Hertha im Frühjahr deutlich stabilisierte, schwebt ihm auch für die anstehende Saison vor. Aufgrund des Engpasses im Sturm verzichtet er aber aktuell auf eine Doppelspitze und setzt in dieser Vorbereitung überwiegend auf ein 3-4-3 - mit zwei Zehnern hinter einem zentralen Angreifer.

Fabian Reeses Ausfall (Magen-Darm-Infekt) gegen Bröndby erschwerte die Planungen zusätzlich, aber selbst mit Reese ist für Leitl das 3-5-2 derzeit nicht machbar. "Ich kann Sebastian Grönning und Fabi Reese nicht zusammen spielen lassen, wenn was passiert", sagt der Trainer. "Deswegen haben wir uns dazu entschieden, im 3-4-3 zu spielen mit zwei Zehnerpositionen - weil dafür das Personal zur Verfügung steht und wir so die Belastung streuen können. Ziel ist, dass wir mit zwei Spitzen spielen. Aber aktuell haben wir keine Alternative. Deswegen versuchen wir jetzt, Automatismen in dieser Grundordnung zu schaffen."

Mit Luca Schuler, den seit April eine Hüftverletzung außer Dienst setzt, blieb ein Angreifer in Berlin. Und um den gesuchten neuen Mittelstürmer finanzieren zu können, muss Sportdirektor Benjamin Weber erst einen Abnehmer für Innenverteidiger Agustin Rogel finden.

Leitl: "Das muss weg, wir müssen Energien sammeln"

Die Vorbereitung in Kitzbühel läuft anders als geplant. Aber Leitl mag nicht lamentieren, sondern sucht Lösungen. "Letztendlich hilft es nicht, permanent darüber zu sprechen oder in irgendwas zu verfallen. So ist die Situation, und wir können die Spieler nicht in irgendwas hineinjagen, wo wir vielleicht noch mehr Verletzungen riskieren", sagt er. "Wir müssen kompensieren. Das ist natürlich alles andere als gut zum jetzigen Zeitpunkt, weil wir hier im Trainingslager sind und das für uns die wichtigste Woche ist. Es trübt im ersten Moment die Stimmung. Aber wir können das jetzt nicht auf Strecke mit uns schleppen. Das muss weg, wir müssen Energien sammeln und aus dieser Situation das Beste machen. Und das werden wir tun. Wir werden gute Trainingseinheiten absolvieren und die Trainingsbelastung nochmal erhöhen, um die fehlende Spielzeit aufzufangen."

Das Ziel: "Wir wollen die fitteste Mannschaft der Liga sein"

Nach Abpfiff des Bröndby-Spiels folgte für die Profis, die nicht oder nur kurz zum Einsatz gekommen, eine knackige 40-Minuten-Einheit auf dem Nebenplatz des Kitzbüheler Sportstadions Langau. Leitl muss viel improvisieren, aber er will inhaltlich keine Abstriche machen. "Wir versuchen, einen hohen Umfang zu fahren", sagt er. "Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, wir wollen die fitteste Mannschaft der Liga sein. Deswegen müssen wir arbeiten." Am Montag, um 10.30 Uhr, geht es weiter. Dann sollen Paul Seguin und Deyovaisio Zeefuik, die zuletzt wegen Wadenblessuren fehlten, Teile des Mannschaftstrainings mitmachen. Es wäre nach Tagen, die mit Hiobsbotschaften gespickt waren, eine positive Nachricht zum Wochenstart.