Das Ende traf ihn ziemlich unvorbereitet, mit seiner Beurlaubung Ende Dezember 2024 hatte Stefan Leitl nicht gerechnet. Zu dem Zeitpunkt lag er mit Hannover 96 auf Platz 7 nur einen Punkt hinter Relegationsrang 3 und zwei Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz.
Am Samstag steht für den gebürtigen Münchner die erste Rückkehr an die alte Wirkungsstätte an - auch tabellarisch ein Duell unter besonderen Vorzeichen. Während der runderneuerte 96-Kader unter Neu-Coach Christian Titz die Lage aufmischt, ist der selbst ernannte Aufstiegsfavorit Hertha mit pomadigen Auftritten in Serie auf dem Startblock hängengeblieben. Die Konstellation mit Hannover als Tabellenführer "ärgert mich nicht", sagt Leitl. "Mich ärgert, dass wir einfach nicht so performen, wie wir uns das vorstellen."
"Die Zeit in Hannover war okay"
Die Rückkehr zum Ex-Verein sei "immer was Besonderes, ich freu' mich drauf", wenngleich aus der Mannschaft "nicht mehr allzu viele da sind". Der Dreijahres-Plan, den sich 96 mit dem im Sommer 2022 aus Fürth geholten Leitl zum Auftrag gemacht hatte, war nach zweieinhalb gemeinsamen Jahren perdu. "Die Zeit in Hannover war okay", sagt der 48-Jährige mit etwas Abstand. "Wir konnten sie nicht ganz krönen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber das gehört in diesem Business dazu."
Beim Wiedersehen hofft er auf mehr Homogenität und Energie, als sein Team in den ersten Saisonwochen gezeigt hat. Leitl fordert, "dass wir geschlossen als Mannschaft auftreten, dass wir besser als Mannschaft auftreten und vor allen Dingen, dass wir energetisch anders auftreten - wenn wir das schaffen, sind wir eine gute Mannschaft. Und dann werden wir auch punkten."
Zwei magere Punkte aus vier Spielen haben den Druck in der Hauptstadt erhöht. Und mit Hannover steht jetzt die komplizierteste Aufgabe an, die die 2. Liga aktuell zu bieten hat. Leitl strahlt dennoch weiter Gelassenheit und eine Grundüberzeugung aus. "Mich interessiert die Tabelle nach dem 4. Spieltag gar nicht, weil noch 30 Runden zu spielen sind", erklärt er. "Hannover ist top-gestartet. Sie haben die Spiele verdient gewonnen und stehen zu Recht auf 1. Trotzdem haben sie schon ein Spiel verloren, im Pokal in Cottbus. Es ist also nicht die ganz perfekte Saison. Aber es ist schon momentan einfach die beste Mannschaft in dieser Liga. Das ist eine große Herausforderung."
Genau darin, findet Herthas Coach, könnte die Chance zur Trendumkehr liegen: "Mit großen Herausforderungen kann man auch wachsen und vielleicht neue Energie schüren. Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir tatsächlich sind - sondern in das vertrauen, was wir können, und die Jungs unterstützen und ihnen Vertrauen zusprechen." Das tut er unablässig. Jetzt ist sein Team am Zug.