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Mafia-Verstrickungen bei Juve Stabia: Zwangsverwaltung angeordnet

kicker

Am vergangenen Spieltag wurde in der Serie A das Klischee von der defensiv orientierten und folglich torarmen Liga bestätigt, nun folgt auch schon das nächste: Zweitligist Juve Stabia wurde wegen seiner Verstrickungen mit der Mafia unter Zwangsverwaltung gestellt.

"Die Polizei hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neapel eine Präventionsmaßnahme gemäß Artikel 34 des Anti-Mafia-Gesetzes gegen den Fußballverein Juve Stabia, der in der Serie B spielt, durchgeführt", schreibt RAI und zitiert Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Giovanni Melillo, der von einem "besorgniserregenden Gesamtbild" und "einem Lehrbeispiel für die Unterordnung" unter die Camorra sprach - namentlich geht es dabei um zwei Clans, D'Alessandro und Imparato. "Es handelt sich", so Melillo, "um den dritten Fall in Italien: Vor Juve Stabia gab es ähnliche Maßnahmen für Foggia und Crotone".

Besonders an Juve Stabia ist jedoch, dass der vom ehemaligen italienischen Nationalspieler Ignazio Abate (38) trainierte Klub in der Serie B sportlich durchaus erfolgreich unterwegs ist: Als Tabellensiebter mit fünf Punkten hinter Tabellenführer Modena und drei Punkten zum zweitplatzierten Palermo erscheint der Aufstieg in die Serie A nicht zwingend abwegig. "Die Reisen der Mannschaft, die Sicherheit, die Verpflegung, die Verwaltung der Eintrittskarten: alles lag in den Händen der Camorra", verriet Staatsanwalt Nicola Gratteri auf einer nach der Anordnung der Zwangsverwaltung einberufenen Pressekonferenz und stellte klar: "Juve Stabia ist ein Verein, der in der Serie B spielt - und das sorgt für Aufsehen."

Familiäre Verbundenheit

"Der Schwiegervater des Bosses von D'Alessandro hatte das Amt des Präsidenten inne", verdeutlichte Melillo die Verstrickungen und ist sich dabei sicher, dass Juve Stabia nicht der letzte Fall dieser Art bleiben dürfte: "Meine Behörde ist der festen Überzeugung, dass ähnliche Maßnahmen in Zukunft auch andere Vereine betreffen werden: Das Bild ist wirklich alarmierend und betrifft nicht nur die Regionen, in denen die Mafia typischerweise verwurzelt ist - und auch nicht nur den Fußball."

Wie sicher sich die Beteiligten fühlten, belegt die Tatsache, dass Personen, denen Verbindungen mit der Unterwelt nachgesagt werden und denen bereits Stadionverbote in Italien verpasst wurden, sich öffentlich bei Heimspielen von Juve im Stadion gezeigt haben. "Es gab auch Personen, die die Daten der mit einem Stadionverbot belegten Personen manipulierten, um ihnen den Zutritt zum Stadion zu ermöglichen. Hinzu kam eine undurchsichtige Verwaltung der Freikarten, wodurch eine große Anzahl von Personen mit Verbindungen zur Camorra ins Stadion gelangen konnte", erläuterte Neapels Polizeichef Maurizio Agricola.

Er verwies auch auf den Einfluss der Clans auf die Jugendabteilungen des Klubs, gerade im Hinblick auf die Auswahl der Verantwortlichen für den technischen Jugendbereich. Dabei handele es sich um einen Bereich, der, wie Agricola erklärte, dazu genutzt wurde, "die Zustimmung von Minderjährigen zu gewinnen, um sie zu negativen Werten zu erziehen".

Juve Stabia soll jetzt "saniert" werden

Jahrelang war das Treiben der Unterwelt bei Juve Stabia unbemerkt geblieben, die Ermittlungen ins Rollen brachte jedoch ein Vorfall vom 9. Februar 2025, als bei einer Kontrolle entdeckt wurde, dass eine Person, die als mit der kriminellen Gruppe Imparato in Verbindung stehend galt, für den Sicherheitsdienst bei Sportveranstaltungen zuständig war.

Der 1907 gegründete Klub aus der Hafenstadt Castellammare di Stabia soll nun von eigens eingesetzten Teams von Fachleuten geleitet werden, während der Bundesanwalt des italienischen Fußballverbandes FIGC, Giuseppe Chinè, nach Vollstreckung des Durchführungsdekrets die Akten bei der Staatsanwaltschaft Neapel anfordern wird. Ziel sei nun die "Sanierung des Vereins", wie Neapels Präfekt Michele Di Bari sagte: "Die Staatsanwälte haben eine Reihe von Verfehlungen festgestellt, und jetzt muss dieser Verein auf den Weg der Legalität gebracht werden."