Die Bilder sind in der Tat spektakulär, die Tonspur mitreißend. "Upa, du musst auch aufpassen", herrscht Schiedsrichter Sven Jablonski den Münchner Innenverteidiger Dayot Upamecano an, der wild gestikuliert. Solche Bilder wie vom 1:1 des FC Bayern bei Borussia Dortmund vom 12. Spieltag der Saison 2024/25 sollen die Bundesliga-Fans künftig häufiger zu sehen bekommen.
Die Refcam hatte im Februar 2024 Bundesliga-Premiere gefeiert
"Das ist eine echt interessante Perspektive", findet Dr. Steffen Merkel, der gemeinsam mit Dr. Marc Lenz die Geschäfte der Deutschen Fußball-Liga (DFL) führt und speziell für Medienrechte zuständig ist. Die sogenannte Refcam, mit der die Bilder eingefangen werden, ist am Headset der Unparteiischen angebracht. Jene kleine Spezialkamera fängt sozusagen dessen Perspektive aufs Geschehen ein, zudem ist der Schiedsrichter für Töne verkabelt. In der 3. Liga kam sie bereits 2023 testweise zum Einsatz, ebenso bei der Klub-WM. Die Bundesliga-Premiere hatte Daniel Schlager beim 2:2 der Frankfurter Eintracht gegen den VfL Wolfsburg im Februar 2024 gefeiert.
Nun ist offenbar ein Einsatz in größerem Stil geplant, wie Merkel erläutert: "Vorbehaltlich der Genehmigung bei IFAB und FIFA würden wir davon ausgehen, dass das in der kommenden Saison bei 40 bis 50 Spielen zum Einsatz kommt." Mit dem Weltverband sowie der Regelhüter-Vereinigung, die auch die Pilotphase managt, ist die Liga im engen Austausch dazu, genauso mit dem DFB und der Schiri-GmbH. "Mit den Stakeholdern stimmen wir uns eng ab und tauschen uns aus, bis das Ganze in eine permanente und verbindliche Richtlinie gegossen wird."
"Eher für den Highlight-Bereich und Social-Media"
Klar ist: Die DFL will sich in der Sache zum Innovationstreiber machen, ohne allerdings vorschnell zu handeln. "Ich glaube, direkt zum Start wird das weniger ein Thema für den Live-Bereich, eher für den Highlight-Bereich und Social-Media, weil da haben wir gute Erfahrungen gemacht mit Reichweiten und Zuschauerzuspruch", konkretisiert Merkel die Pläne für die bald beginnende Spielzeit. Der Einsatz will mit Blick auf heiß diskutierte Schiedsrichterentscheidungen wohlüberlegt sein, zudem ist durch die Verkabelung ja auch die Tonspur betroffen - was im Falle von Platzverweisen durchaus Folgen für spätere sportgerichtliche Verfahren nach sich ziehen kann. Auch die FIFA hatte während der Klub-WM auf die Veröffentlichung strittiger Szenen verzichtet.
Nun liegt es an FIFA und IFAB, hier die nächsten Schritte zu gehen und die Refcam womöglich statuarisch zu verankern. "Wir sind der Auffassung, dass Innovationen und Weiterentwicklung zur DNA der Bundesliga gehören", unterstreicht Merkel den Fokus auf den technischen Fortschritt des Medienprodukts bei der DFL. Wichtig sei: Es dürfe sich um keine reine Spielerei handeln, im Zentrum müsse immer eine sinnvolle Weiterentwicklung stehen.