Mit 16 Saisontoren hatte Moussa Sylla gleich in seinem ersten Jahr auf Schalke entscheidenden Anteil am lange Zeit fraglichen Zweitliga-Klassenerhalt. Auf seinen Lorbeeren kann sich der damalige Top-Torschütze nun aber nicht mehr ausruhen. Der Strafraumstürmer steckt in seiner schwierigsten Phase, seit er im vergangenen Sommer für 2,5 Millionen Euro aus der 2. französischen Liga (Pau FC) in den Pott gewechselt ist.
Sylla schiebt aktuell eine Menge Frust. Zwar sah es zunächst so aus, als würde der 25-Jährige nahtlos an die vergangene Spielzeit anknüpfen: Sein Treffer zum 1:0 gegen Hertha BSC (2:1) war der erste in der neuen Zweitliga-Saison. Seither fiel der Angreifer aber durch eine ungewöhnliche Abschlussschwäche auf. Aufs Gemüt dürfte ihm persönlich vor allem geschlagen haben, dass sich ein Abschied aus Gelsenkirchen in diesem Sommer nicht realisieren ließ.
Schalke war bereit, den wechselwilligen Sylla zu verkaufen, allerdings nur zu einem Preis, den der Verein als "marktgerecht" eingestuft hätte - mindestens sechs Millionen Euro. Der Klub konnte sich seine klare Haltung bewahren, weil er aus finanziellen Gründen auf keinen Zwangsverkauf mehr angewiesen war - der Wechsel von Taylan Bulut zu Besiktas für sechs Millionen Euro sowie eine rund drei Millionen Euro hohe Beteiligung am Transfer von Ex-S04-Profi Malick Thiaw von Mailand nach Newcastle sorgten für Entspannung auf Schalke.
Obendrein musste Sylla nun auch noch eine unbefriedigende Länderspielreise mit der Nationalmannschaft Malis verkraften: Der Schalker kam kaum zum Einsatz, zudem ist die WM-Qualifikation fast futsch.
Neuer Spielstil kommt Sylla ungelegen
Sylla wollte Schalke in diesem Sommer verlassen, weil er spürt, dass die Luft für ihn dünn wird. Der Spielstil des neuen Trainers Miron Muslic beißt sich mit Syllas Fähigkeiten. Der Profi ist ein reiner Strafraumstürmer, der Zuspiele vors Tor effektiv verwerten kann. Die Anforderungen an eine Sturmspitze sind unter Muslics Regie aber tiefgreifender. Der Trainer braucht einen Angreifer, der robust ist, mitarbeitet, sich fallen lässt, sich ständig anbietet, Bälle festmacht.
Christian Gomis ist diese Rolle eher zuzutrauen. Schalkes Königstransfer dieses Sommers (kam für eine Million Euro vom FC Winterthur) macht Druck, zumindest am Samstag gegen Holstein Kiel (13 Uhr, LIVE! bei kicker) wird er Sylla aber nicht in der Anfangsformation von dessen angestammter Position verdrängen. Das hat Muslic an diesem Donnerstag unmissverständlich klargestellt.
Gespräch im Trainer-Büro
"Moussa wird gegen Kiel starten", sagte Muslic, der wenige Stunden zuvor in seinem Büro ein Gespräch mit dem Stürmer führte. Sylla habe auf ihn "sehr professionell und fokussiert" gewirkt, sagte Muslic.
Denkbar ist durch die Verpflichtung von Gomis, der ebenso auf der Zehnerposition eingesetzt werden könnte, grundsätzlich auch ein Doppelsturm. Im Moment spricht wenig dafür, dass Muslic diese Variante bereits gegen Kiel wagt, da Sylla, der nach seiner Länderspielreise erst am Donnerstag wieder ins Schalker Training eingestiegen ist, und Gomis erst ein einziges Mal gemeinsam trainiert haben.
Langfristig jedoch erwägt Muslic durchaus, Gomis und Sylla als Sturmduo aufzubieten. Man wolle dies nun "in den nächsten Tagen und Wochen vorbereiten", erklärte der Coach. "Beide sind sich in vielen Bereichen ähnlich, es gibt aber auch Unterschiede. Es könnte gut zusammenpassen. Dafür haben wir Pläne."
Gomis und Sylla haben sich am Donnerstag kennengelernt, Muslic sprach von einer "guten Chemie", nicht zuletzt, weil beide Angreifer Französisch sprechen: "Sprache verbindet." Sollten sie gemeinsam auch auf dem Platz harmonieren, könnte es für Sylla doch noch ein Happy End auf Schalke geben.