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Nach "absurder" Roter Karte: Locatelli "könnte heulen"

kicker

Ein exklusiver Klub schien am Mittwochabend in Turin seine Türen zu öffnen. Als die reguläre Spielzeit im Allianz Stadium beendet war, hatte Juventus einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt. Ein solches oder extremeres Hinspiel-Handicap war in der Königsklasse zuvor erst viermal umgebogen worden. Es schien, als könne die Alte Dame Geschichte schreiben - als erstes Team, dem ein solches Kunststück in Unterzahl gelingt.

Doch in der Verlängerung holte die Rote Karte nach annullierter Gelb-Roten Karte gegen Lloyd Kelly aus der 49. Minute die Bianconeri ein. Edon Zhegrova vergab die Riesenchance auf das 4:0, ehe Galatasaray müden italienischen Beinen endgültig den Garaus machte. Für Federico Gatti die Folge der langen Unterzahl, deren Zustandekommen er überhaupt nicht nachvollziehen konnte. "Ich finde es ziemlich absurd", resümierte er bei Prime, "er trifft den Ball und was soll er tun?"

„Wir Verteidiger werden im heutigen Fußball zu sehr benachteiligt.“ (Federico Gatti)

Tatsächlich war die Entscheidung hart gewesen. Kelly hatte ein Kopfballduell gegen Baris Yilmaz gewonnen, war anschließend mit offener Sohle auf der Achillessehne seines Gegenspielers gelandet - jedoch ohne Absicht oder Kontrolle über die Aktion. Weshalb Gatti ein systemisches Problem bestätigt sah: "Wir Verteidiger werden im heutigen Fußball zu sehr benachteiligt."

Bianconeri geben "unsere Seele"

Umso bemerkenswerter fiel anschließend die Reaktion der Gastgeber aus, die zu zehnt zwei Treffer erzielten und damit überhaupt erst das Tor zur Verlängerung aufstießen. "Wir haben das Spiel mit einem Mann weniger wirklich wieder ausgeglichen", umschrieb Gatti einen Kraftakt, für den Kapitän Manuel Locatelli "meinen Mitspielern und den Fans im Stadion" dankte. "Wir haben unsere Seele gegeben, jeder Spieler, der dabei war", lobte der Torschütze des 1:0-Führungstreffers, den das Ergebnis umso mehr enttäuschte: "Ich könnte heulen, weil wir so sehr daran geglaubt und alles gegeben haben."

Bei aller Trauer um den vergebenen Aufwand erkannte Locatelli aber auch eine Chance. Zwar habe Juve "nichts geholt", könne sich "aber nur gratulieren" und sollte sich etwas aus dem Spiel bewahren: "Energie, die wir bis zum Saisonende mitnehmen können" - und bereits am Wochenende wieder brauchen. Dann geht es gegen die AS Rom, die vier Zähler vor Juventus auf dem letzten Champions-League-Platz liegt.