Aus Schalkes Trainingslager in Neustift im Stubaital berichtet Toni Lieto
Zwei Attribute hob der FC Schalke 04 bei der Verkündung des Transfers von Christopher Antwi-Adjei im August 2024 besonders hervor: seine dynamische Spielweise und die große Erfahrung des Mannes, der vor seinem Wechsel zu den Königsblauen drei Jahre lang das Trikot des VfL Bochum, damals noch Erstligist, trug.
Bisher hat Antwi-Adjei seine Dynamik und Erfahrung noch nicht so bei Schalke eingebracht, dass man ruhigen Gewissens behaupten könnte, seine Verpflichtung sei ein absoluter Volltreffer. Nur ein Saisontor (beim 1:2 gegen Hannover), dazu in der Hinrunde zwei Vorlagen (gleich bei seinem Debüt beim 2:2 gegen Magdeburg und später beim 1:1 gegen Düsseldorf) - die Bilanz darf für einen Profi wie Antwi-Adjei getrost als enttäuschend bezeichnet werden.
Kein einziges Spiel über 90 Minuten
Für die drei Scorerpunkte waren 20 Ligaspiele notwendig. Bemerkenswert: Der Routinier kam kein einziges Mal über die gesamte Spieldauer zum Einsatz. Entweder wurde er ein- oder ausgewechselt. Mehr als 20 Einsätze wurden es auch deshalb nicht, weil der 31-Jährige verletzungsbedingt keine Konstanz in seine persönliche Spielzeit hineinbringen konnte. "Das versuche ich in der kommenden Saison in den Griff zu bekommen", sagt er. "Dann wird es auch mit der Leistung deutlich besser, wenn man im Rhythmus bleibt und Vertrauen in seinen Körper hat."
Allerdings kommt eine Herausforderung auf ihn zu, mit der er sich auseinandersetzen muss: Im System des neuen Trainers Miron Muslic gehört Antwi-Adjei zu denjenigen, deren klassische Rolle beim FC Schalke 04 wegfällt. Die bisherige Position auf dem Flügel gibt die neue Grundordnung auf Basis einer Dreierabwehrkette so nicht mehr her.
"Grundsätzlich habe ich nun nicht mehr die Linie an meiner Seite, sondern bin ein bisschen zentraler postiert", erklärt Antwi-Adjei, der im Test gegen Panathinaikos (0:0) auf der Doppelzehn agierte. Dort sei er "näher zum Tor", womit er hervorheben will, dass die neue Positionierung für ihn "auf jeden Fall auch positive Seiten" hat. Er hofft auf "mehr Torschüsse im Spiel".
Auf die Frage, ob ihn der Trainer nicht eine seiner größten Stärke beraube, nämlich der außergewöhnlichen Sprintfähigkeit, antwortet Antwi-Adjei: "Ja, ein bisschen schon." Aber er will es als Teil der neuen königsblauen Pressingmaschine als Chance begreifen und "versuchen, auf der Position trotzdem meinen Speed mit Tiefenläufen reinzubringen".
Stellvertretend für andere, die sein "Systemopfer"-Schicksal teilen (zum Beispiel Ilyes Hamache), sagt der Ex-Bochumer: "Wir nehmen das alle gut an. Auch wenn es jetzt eher fremde Positionen sind, müssen wir das Beste daraus machen."
Doppeltest in Österreich
Weitere Gelegenheiten, die neue Grundordnung auf Basis einer Dreierabwehrkette einzustudieren, bekommt die Mannschaft am Samstag, wenn ein Doppeltest in Österreich angesetzt ist. Um 11 Uhr geht es gegen den SV Wehen Wiesbaden, um 15 Uhr gegen den FC St. Gallen.