Auch auf den teuren Plätzen des Parc de Princes musste am Dienstagabend leiden, wer es mit dem FC Bayern hält. "Die zweite Halbzeit hat euch alles abverlangt, uns auf der Tribüne aber auch ein bisschen", berichtete Vorstandchef Jan-Christian Dreesen, als er schon in der Nacht seine obligatorische Bankettrede hielt. "Wir haben mitgefiebert und innerlich mitgefightet."
Mit Erfolg: Obwohl Doppeltorschütze Luis Diaz kurz vor der Pause Rot gesehen hatte, brachten die Münchner einen 2:1-Sieg bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ins Ziel und setzten sich an die Spitze der Champions-League-Tabelle. Ein "Wow" und ein "Wahnsinn" schickte Dreesen deshalb an die Mannschaft von Vincent Kompany nach einem Spiel, das sich für ihn "wie ein Semifinale oder Finale angefühlt" hatte.
Nach einem dominanten ersten Durchgang, in dem "wir sicherlich auch drei oder vier Tore hätten schießen können", waren in Unterzahl andere Qualitäten gefragt. "Ich habe ja Vincent gehört in der Kabine: Wir haben einen echten Fight gezeigt, jeder ist für jeden eingestanden. Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur zaubern und Tore schießen, sondern auch verteidigen können, dass jeder für jeden kämpft und miteinander gewinnen will. Diese geschlossene Mannschaftsleistung ist außerordentlich."
Trotzdem erlaubte es sich Dreesen ("Ihr seid mir hoffentlich nicht böse"), ein Duo hervorzuheben: neben Joshua Kimmich, der sein 100. Champions-League-Spiel absolvierte, Manuel Neuer, den die UEFA als Torhüter zum "Man of the Match" kürte. "Das passiert ja selten. Manuel hat uns heute im Spiel gehalten in der zweiten Halbzeit. Manuel, grandios", richtete er sich direkt an den 39-Jährigen und sorgte für Lacher im Saal: "Wahnsinn, was du in dem Alter noch alles vollbringen kannst!"
Bayern organisiert mit den Fans zusätzliche Busfahrer
Ernster wurde Dreesen, als er auf die Bayern-Fans zu sprechen kam, die wegen einer kurzfristigen Verfügung der Pariser Polizeipräfektur ungewohnten Strapazen ausgesetzt waren, bevor sie im Stadion dabei sein konnten. Ich möchte unseren Fans danken, sie haben es diesmal wirklich ganz und gar nicht leicht gehabt", erklärte Dreesen und sprach von "Willkür der Pariser Polizei".
Immerhin gab es noch ein kleines Happy End. Durch die späte Ankunftszeit am Stadion hatte den Anhängern nach dem Schlusspfiff wegen der Lenkzeiten der Busfahrer eine lange Nacht auf dem dortigen Parkplatz gedroht. Aber: "Wir haben es mit den Fanclubs hinbekommen, zweite und dritte Busfahrer zu organisieren, sodass die Fans doch noch heute nach Hause können", verriet Dreesen. "Dafür möchte ich ausdrücklich danke sagen."