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Norderstedt: Großkopf siegt beim Debüt und holt Boll ins Team

kicker

Der neueste Neuanfang ist geglückt: Mit einem 5:0-Erfolg bei der Landesliga-Spitzenmannschaft TBS Pinneberg qualifizierte sich Eintracht Norderstedt für das Viertelfinale des Hamburger Pokals. Dort kommt es Mitte März zum Traumduell: Der Titelverteidiger muss beim Oberliga-Herbstmeister und Regionalligaaspiranten ETSV Hamburg antreten. Dort ist Jan-Philipp Rose Trainer, der einst sieben Jahre lang bei der Eintracht spielte und eineinhalb Jahre lang Co-Trainer war.

Der aktuelle Trainer der Norderstedter heißt seit einer Woche Jörn Großkopf. Der Ex-Profi des FC St. Pauli wurde Nachfolger von Elard Ostermann, der nach der 1:3-Niederlage beim VfB Lübeck gehen musste. Nur vier Siege in 21 Spielen - da war die Beurlaubung des 57-Jährigen wohl alternativlos, obwohl dieser mit einer glänzenden Rückserie (24 Punkte in 13 Partien nach der Winterpause) im Mai 2025 den Klassenerhalt und den Pokalsieg feiern konnte.

Anschließend sah es so aus, als sollte eine ruhige Saison folgen. Geld war genug in der Kasse, denn die Eintracht war am Weiterverkauf von Elias Saad von St. Pauli nach Augsburg beteiligt und hatte durch den DFB-Pokal vor knapp 30.000 Zuschauern horrende Einnahmen. Der Kader schien auch besser zu sein, wie das Unentschieden nach 120 Minuten im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten FC St.Pauli zeigte, der drei Wochen später auf einem Champions-League-Rang stand.

Pokal-Spiel als fataler Wendepunkt?

Wahrscheinlich war gerade dieses größte Spiel der Vereinsgeschichte der erste Sargnagel für Ostermanns Amt. In dem Bewusstsein der eigenen Qualität wurden bei dem einen oder anderen die Zügel vielleicht ein wenig lockerer gelassen. Zudem bedeutete der spontane Rücktritt der Vereinslegende Philipp Koch - deren letzte Ballberührung tragischerweise ein verschossener Elfmeter war - ein herber Verlust im Teamgefüge. Hier und da zeigte die Eintracht noch, dass sie eigentlich auch im ersten Tabellendrittel stehen könnte, wie beim Spiel bei Werder Bremen II, als die Eintracht 2:0 führte, aber es nach 70 Minuten eher 5:0 hätte stehen müssen - am Ende sprang nur ein 2:2 heraus. Und dies war nicht das einzige Unentschieden …

Solche Altlasten interessieren den neuen Coach Großkopf wenig. Er hatte zu jenem Zeitpunkt noch andere Aufgaben. Nachdem er schon mit den Underdogs FC Türkiye und FC Alsterbrüder den Aufstieg von der Landes- in die Oberliga geschafft hatte, sollte er auch die zweite Mannschaft der Eintracht nach oben führen. Im Oktober 2024 übernahm er das Team und übergibt es nun trotz eines Umbruchs als Spitzenreiter. "Es fällt mir schwer, die Mannschaft zu verlassen, aber ich freue mich natürlich auch, wieder in der Regionalliga trainieren zu können", sagt der 59-Jährige, der zuvor bereits beim FC St. Pauli, Hessen Kassel und SV Eichede viertklassig tätig war, "aber es geht hier in erster Linie um den Verein, und da stehe ich zur Verfügung, wo ich helfen kann".

Nach dem Abschied von Jens Martens im Sommer 2022 ist Großkopf bereits der fünfte Coach, der sein Glück an der Ochsenzoller Straße versucht. Gegen Pinneberg war schon zu erkennen, welche Veränderungen er besonders im taktischen Bereich plant. So lief das Team mit einer Viererkette auf, die die Defensive stabilisierte. Schon einmal durfte Großkopf an ein paar Stellschrauben drehen: In der vergangenen Saison feierte die Eintracht unter seiner Leitung einen 3:2-Erfolg gegen Werder Bremen II. Der erste Gegner nach der Winterpause heißt nun am 22. Februar: Werder Bremen II.

Dann wird Großkopf auch mit einem stark veränderten Trainerteam arbeiten. Der bisherige Ostermann-Assistent Florian Rammer verlässt ebenfalls den Verein, im Gegenzug nimmt der neue Coach seinen bisherigen Co-Trainer Hendrik Guschok von der U 23 mit zur Regionalliga-Elf. Aus dem bisherigen Staff bleibt mit Torwart-Trainer Johannes Höcker und Assistent Jens Heck ein Duo an Bord.

Boll kehrt zurück zu den Wurzeln

Und dann ist da auch noch ein prominenter Name: Wie Norderstedt am Mittwoch bekannt gab, wird Fabian Boll den Trainerstab komplettieren. Der heute 46-Jährige, der in seiner aktiven Karriere zwölf Jahre das Trikot des FC St. Pauli trug, war zwischen 2019 und 2022 Co-Trainer von Holstein Kiel und arbeitete dort unter anderem mit dem aktuellen RB-Leipzig-Coach Ole Werner und dem immer noch amtierenden Kiel-Trainer Marcel Rapp zusammen. "Als sich verdichtet hat, dass Jörn in die Verantwortung genommen werden soll, hat er mich gefragt, ob ich ihn unterstützen würde und ob wir da zusammen als Trainerteam auftreten möchten", erklärt Boll und ergänzt: "Mir ist natürlich die Schwere der Aufgabe aufgrund der tabellarischen Situation bewusst, aber es reizt mich sehr. Von daher habe ich mich dann entschieden, meine fußballfreie Zeit zu beenden und nach fast 25 Jahren an meine alte Wirkungsstätte zurückzukehren." Boll spielte vor seinem Durchbruch im Profi-Bereich eine Saison für den 1. SC Norderstedt.

Großkopf, der Boll nach eigener Aussage "extrem lange" kennt, freut sich über den namhaften Mitstreiter: "Wir sind schon länger im Austausch. Ich lege sehr viel Wert auf einen Trainer mit Erfahrung an meiner Seite. Mir geht es darum, dass man sich gegenseitig befruchtet und gegenseitig voneinander profitiert, da ist 'Boller' genau der richtige Mann."