Vor fünf Tagen herrschte bei Hertha BSC noch deutliche Erleichterung. Zwar war beim 0:0 im Darmstadt der erste Saisonsieg erneut nicht gelungen, aber die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl hatte den durchaus hoch gehandelten Lilien ein Match auf Augenhöhe geliefert und fußballerisch einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.
Am Freitagabend machte Hertha eher wieder zwei Schritte zurück. Beim 0:2 gegen die SV Elversberg waren die als Aufstiegsanwärter gehandelten Berliner über insgesamt 95 Minuten mehr oder minder in allen Belangen unterlegen - und gehen nun als Tabellenvorletzter in die Länderspiel-Pause.
Entsprechend bedient waren die Verantwortlichen bei Hertha nach der Pleite. "Wir haben einfach eine extrem schlechte Leistung gezeigt. Deswegen sind die Pfiffe nachvollziehbar", sagte Benjamin Weber bei Sky. Herthas Sportdirektor stieß vor allem die Art und Weise, wie die Berliner aufgetreten waren, auf. "Kein einziger ist an sein Leistungsvermögen herangekommen. Das ist der Punkt, den wir hinterfragen können." Hertha, so Weber weiter, habe "keine wirkliche Energie auf dem Platz gehabt" und "individuell eine ganz schwache Leistung" abgeliefert.
„Man hat gemerkt, dass der Druck für den einen oder anderen in dieser Phase wahrscheinlich dann doch zu groß war.“ (Stefan Leitl)
In die gleiche Kerbe schlug auch Trainer Leitl nach dem Spiel. Vor allem für die 1. Halbzeit, in der Hertha kaum einen zusammenhängenden Angriff hinbekam, im Mittelfeldzentrum teils riesige Räume anbot und in der letzten Reihe fehlerhaft agierte, "gibt es keinerlei Erklärung", so der 48-Jährige, "wir sind überhaupt nichts ins Spiel gekommen." All das, was vor wenigen Tagen in Darmstadt gut funktioniert habe, "war heute nicht zu sehen".
Der Hertha-Coach sieht die Ursachen für die leblose Darbietung eher in der mentalen Disposition einiger seiner Akteure. "Man hat gemerkt, dass der Druck für den einen oder anderen in dieser Phase wahrscheinlich dann doch zu groß war." In der 2. Halbzeit sei es zwar "energetisch einen Tick besser" gewesen, so Leitl, "aber wir haben verdient verloren. was extrem bitter und enttäuschend ist. Und wir müssen uns da schon bei den 39 000 Zuschauern entschuldigen, was wir auf den Platz oder was wir nicht auf den Platz gebracht haben."
Hertha bleibt bei zwei Punkten stehen und muss zusehen, dass man das Saisonziel nicht frühzeitig aus den Augen verliert. Sollten Spitzenreiter Hannover 96, sowie die Verfolger Darmstadt 98 und der Karlsruher SC ihre Partien gewinnen, würde der Rückstand auf die Aufstiegsplätze bereits acht beziehungsweise zehn Punkte betragen.
In Hannover fehlt auch noch Gechter
Leitl und seinen Mitstreitern bleibt nun nur die Hoffnung, dass von den insgesamt zehn verletzten Profis - zu denen sich am Freitag auch noch Neuzugang Dawid Kownacki mit Adduktorenproblemen gesellte - der eine oder andere relativ zeitnah wieder zurückkehrt. Bei Kownacki kann das Fall sein, sein Fehlen am Freitag nannte der Klub eine Vorsichtsmaßnahme.
Und auch Neuzugang Paul Seguin, der wegen einer Entzündung der Plantarfaszie im Fuß fehlt, sieht sich laut eigener Aussage bei Sky "auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass ich nächste Woche mit dem Aufbautraining anfangen kann und dann so schnell wie es geht zurückkomme."
In der momentanen Lage hat Hertha neben Punkten personelle Verstärkung bitter nötig. Weitere Neuzugänge sind indes nicht zu erwarten. Das machte Weber nach dem Spiel nochmal deutlich. Und zu allem Überfluss fehlt mit Linus Gechter nach seiner Gelb-Roten Karte beim nächsten Spiel am 13. September in Hannover ein weiterer Akteur.