"Alles, was ich tue, wird stärker beachtet, damit musste ich mich erst arrangieren", sagte Fabian Reese in einem Interview mit dem Tagesspiegel über sein Amt als Kapitän von Hertha BSC, das er seit dieser Saison innehat. "Ich habe jetzt mehr Verantwortung, bin eines der Gesichter der Mannschaft. In schlechten Phasen ist das vermutlich härter." Dann erkennt man Reeses Enttäuschung oft ungefiltert in seinen Gesten und Blicken. "Fußball ist ein Fehlersport. Im Spiel ist man auf Adrenalin, und ich möchte nicht nur 2:0 führen, sondern 3:0, 4:0, 5:0. Für mich persönlich ist es nie genug", erklärte der 27-Jährige. "Wenn nach einer gelungenen Aktion eine Chance danebengeht, ist das ärgerlich fürs ganze Team. Mir sieht man dann sofort an, welche Emotionen ich durchlebe." Aber auch in positiven Momenten sei es "herausfordernd, die perfekte Dosis zu finden".
"Ich möchte ein Spieler sein, der die Leute in seine Seele schauen lässt"
Reese war im Sommer von Trainer Stefan Leitl zum neuen Spielführer bestimmt worden. Der bisherige Kapitän Toni Leistner ist jetzt ebenso wie Deyovaisio Zeefuik, der am Samstagabend im Auswärtsspiel beim VfL Bochum wegen einer Sprunggelenk- und Syndesmoseverletzung ausfällt, Vize. "Wir haben eine flache Hierarchie und müssen auf dem Platz eine Einheit sein", betonte Reese. "Trotzdem ist es eine große Ehre, bei einem so großen Verein wie Hertha BSC Kapitän sein zu dürfen. Ich reife daran." Dass er mit seiner Körpersprache und seiner Art viele Emotionen zeigt und auch auslöst, ist ihm bewusst: "Ich möchte ein Spieler sein, der die Leute ein bisschen in seine Seele schauen lässt. Das klappt mal besser und mal schlechter."
"Berlin, Hertha BSC und ich - das war ein positiver Zufall"
Der gebürtige Kieler, der im Mai seinen Vertrag beim Berliner Zweitligisten bis 2030 verlängert hatte, kann sich eine langfristige Zukunft in der Hauptstadt vorstellen. "Es wäre eine Lüge, wenn ich heute sage, was wir in 20 Jahren machen. Aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, würde ich auf jeden Fall gerne in Berlin alt werden", sagte Reese und strich erneut die Verbindung zur Stadt heraus: "Berlin, Hertha BSC und ich - das war ein positiver Zufall. Vom ersten Tag wurde ich mit offenen Armen empfangen und akzeptiert, wie ich bin. Dafür bin ich sehr dankbar und trage eine Verpflichtung in mir, dies den Leuten in der Stadt zurückzugeben. Vor dem Wechsel aus Kiel haben meine Partnerin und ich darüber gesprochen, wo wir gerne leben würden. Da war Berlin schon ein Thema. Wir haben vermutet, dass uns die Offenheit der Stadt sehr gefallen würde. Die Realität hat das noch übertroffen. Berlin erfüllt uns."