Als Luca Schuler mit dem 3:0 in der Nachspielzeit auch die letzten Restzweifel am ersten Saisonsieg in der Liga ausgeräumt hatte, zeigte Stefan Leitl an der Seitenlinie einen Anflug von Lächeln im Gesicht. Es war die Erleichterung im Moment der Gewissheit, dass sein zuletzt notorisch untertourig laufendes Team doch noch jene Elemente des Zweitliga-Fußballs im Repertoire hat, die unabdingbar für Erfolg sind.
Hertha zeigte beim 3:0 in Hannover eine nahezu perfekte Symbiose aus Energie und Effizienz - und zog den Gastgebern trotz 9:21 Torschüssen und 0:15 Eckbällen am Ende mit maximaler Beharrlichkeit und Leidenschaft den Zahn. "Ich bin superstolz auf die Jungs", sagte der Hertha-Coach nach dem Triumph an alter Wirkungsstätte bei Sky. "Wir haben uns in alles reingeworfen, alles wegverteidigt und in den richtigen Momenten die Tore gemacht."
Leitl stellt auf 4-2-3-1 um - und wird belohnt
Hertha zeigte gegen einen Gegner mit viel Struktur und Wucht jene Intensität, die in den ersten Saisonwochen fast durchgehend gefehlt hatte - und traf nach zuvor nur einem Tor in vier Ligaspielen diesmal gleich dreifach durch Marten Winkler (51.), Dawid Kownackis Premieren-Tor für seinen neuen Klub (68.) und Joker Schuler (90.+2). "Nichts ersetzt Siege. Vor allem die Art und Weise, wie wir das Spiel angegangen sind, wie wir die Tore erzielt haben, mit welcher Leidenschaft wir gegen den Ball gespielt haben, ist sehr wichtig für uns als Team und für die Fans in der Stadt", erklärte Kapitän Fabian Reese. "Es macht mich sehr stolz, das Team so auf dem Platz zu sehen."
Leitl, dem vier Innenverteidiger (Gechter, Kolbe, Brooks, Klemens) fehlten, rückte ab von der Dreierkette und setzte gegen seinen Ex-Klub auf ein 4-2-3-1 - mit Reese auf seiner einstigen Position auf dem linken Flügel und dem 16-jährigen Kennet Eichhorn, der sein Startelfdebüt gab, als Teil der Doppel-Sechs neben Leon Jensen.
Die Systemumstellung brachte mehr Zugriff und Sicherheit - und dennoch waren die Berliner, die ihren ersten Zweitliga-Sieg seit dem 4. Mai (1:0 gegen Fürth) einfuhren, bei Abwehraktionen auf oder kurz vor der eigenen Torlinie mehrfach mit dem Glück im Bunde. "Glück musst du dir aber auch verdienen", befand Leitl zu Recht. "Es ist auch Einstellung, Wille, Emotion, Teamwork." All das war diesmal da. Und so blieb an einem Abend, der von einem medizinischen Notfall im Gästeblock überschattet wurde, als sportliche Erkenntnis aus Berliner Sicht die Quintessenz von Abwehrchef Toni Leistner: "Wir standen als Einheit auf dem Platz." Das war der Schlüssel. Und ist der Maßstab für die kommenden Wochen.