Am Sonntag in Darmstadt hat Fabian Reese seine bisher beste Leistung in der neuen Saison gezeigt. Brilliert hat der neue Kapitän von Hertha BSC im Stadion am Böllenfalltor zwar nicht, aber der Unterschiedsspieler der Berliner, auf dem die Hoffnungen des Klubs und der Fans ruhen, wirkte im Vergleich zu seinen vorherigen Auftritten in dieser Spielzeit agiler, zielstrebiger und vor allem gefährlicher.
Auch Krattenmacher lässt eine Großchance liegen
Sein erstes Highlight war bei einem Konter in der 14. Minute der präzise Querpass zu Maurice Krattenmacher, infolgedessen der junge Mittelfeldakteur frei vor Darmstadts Keeper Marcel Schuhen neben den Ball trat. Die zweite Szene, bei der Reese in die Nähe eines Treffers kam, war sein Schlenzer nach 30 Minuten, der links am Lilien-Tor vorbeiging. Dann war da noch Reeses Steckpass auf Dawid Kownacki, der Krattenmacher nach 71 Minuten dessen Tor auflegte, das aber wegen Abseits von Kownacki annulliert wurde. Und es gab jene Szene in der achten Minute der Nachspielzeit. Da steuerte Reese allein dem Darmstädter Tor entgegen und brachte den Ball auch an Schuhen vorbei - aber setzte die Kugel eben um Haaresbreite links neben das Tor.
„Wir sind endlich mal in unsere Stärken gekommen. Darauf lässt sich aufbauen.“ (Fabian Reese)
"Wenn du dreimal 5:0 gewinnst, machst du sie vielleicht im Schlaf", spekulierte Reese nach dem Schlusspfiff über eine Wechselwirkung von bisherigem Saisonverlauf und mentaler Disposition in dieser Szene. Möglicherweise, fügte der 27-Jährige an, hätte er besser an Schuhen vorbeigehen und dann abschließen sollen.
Spielerischer Fortschritt wichtiger als Tabellenplatz
Seine vergebene Großchance brachte den Offensivakteur der Berliner jedoch nicht davon ab, die Fortschritte von Hertha zu sehen und entsprechend zu loben. "Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt", stellte Reese klar, "wir hatten viele Torchancen, um ein Tor schießen zu müssen. Das müssen wir uns ankreiden. Ansonsten haben wir einen guten Fußball gezeigt." Das wiederum sei nach dem holprigen Start in die Saison wesentlich und mache Mut, so der Hertha-Kapitän weiter. "Wir haben gemeinschaftlich verteidigt und gefährlich umgeschaltet. Wir sind endlich mal in unsere Stärken gekommen, darauf lässt sich aufbauen", sagte Reese, "das war ein Schritt in die richtige Richtung."
Dass Hertha nach dem zweiten Remis im dritten Ligaspiel der neuen Saison aufgrund der Resultate der Konkurrenz auf den vorletzten Platz zurückgefallen ist, das sorgte weder bei Reese noch bei seinen Teamkollegen oder den Verantwortlichen für Frust. Wichtig ist den Berlinern der spielerische Fortschritt. Hätte Reese den in der achten Minute mit dem Sieg bringenden Treffer gekrönt, wäre das Glück der Berliner perfekt gewesen. Auf der anderen Seite brauchte auch Hertha bei mancher Chance der Darmstädter Fortune. Insofern konnten am Ende alle mit dem Unentschieden leben. Auch Reese.