Stefan Leitl zeigte das, was sein Team in den ersten Saisonwochen oft vermissen ließ: Er war sofort zur Stelle und wehrte entschlossen ab. Es ist eine Frage, die in diesen Wochen immer wieder und immer öfter gestellt wird - und sie wurde auch vor dem Spiel bei Hannover 96 am Samstagabend an Hertha-Coach Leitl adressiert: die Frage danach, ob Fabian Reese auf dem Flügel womöglich einen größeren Impact aufs Berliner Spiel hätte als im Sturmzentrum, wo er seit März seinen Dienst verrichtet und in dieser Saison bisher vergleichsweise wirkungslos ist.
"Das sind Themen, die hier immer so rumschwirren. Ich kann damit wenig anfangen", sagte Leitl. "Wir sprechen immer von Positionen. Vor acht oder zehn Wochen haben wir Fabi Reese gefeiert, weil er in zehn Spielen elf Tore oder in neun Spielen zehn Tore geschossen hat (zehn in den letzten zehn Spielen der vergangenen Saison, d. Red.). Jetzt auf einmal geht’s um eine Position."
Leitl: "Es geht nicht um Positionen"
Da macht Leitl nicht mit, das ist nicht sein Ansatz. "Es geht nicht um Positionen", erklärte Herthas Trainer vor der Dienstreise zum Tabellenführer und Ex-Klub Hannover. "Es geht nicht um Grundordnungen. Es geht darum, wie wir als Mannschaft auftreten und welche Geschlossenheit wir hinkriegen. Das ist uns leider nur teilweise oder in einigen Spielen gar nicht gelungen. Deswegen ist der Saisonstart nicht so, wie wir uns den alle vorgestellt haben."
Die Debatte, ob bei Hertha so wenig passt, weil etliche Profis in dieser Saison bisher individuell weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, oder ob so viele nicht an ihr Limit kommen, weil Rahmen und Struktur nicht stimmen, köchelt längst.
Nach dem komplett ernüchternden 0:2 gegen Elversberg im letzten Spiel vor der Länderspielpause hatte Reese erklärt: "So kann es nicht weitergehen. Es ist von allen zu wenig.“ Er schloss sich bei der Generalkritik mit ein. Kein Tor, kein Assist, kaum Einfluss aufs Spiel: Herthas Unterschiedsspieler, dessen Vertragsverlängerung bis 2030 der Klub im Mai als Signal gewertet hatte und der von Leitl vorm Saisonstart zum neuen Kapitän ernannt wurde, sucht wie das ganze Team Form und Leichtigkeit. Klar ist vor der schweren Aufgabe beim Tabellenführer allen: Die Trendwende muss bald gelingen - sonst bleibt der Bundesliga-Aufstieg auch in Reeses dritter Berliner Saison ein Wunschtraum fernab der Wirklichkeit.