Ein seltener Moment des Unbehagens für Thomas Reis: Beim 0:2 gegen das von Nuri Sahin trainierte Basaksehir musste der Coach von Samsunspor am Sonntag etwas erleben, das er sich überhaupt nicht erklären kann - Pfiffe vom eigenen Publikum. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass einzelne Spieler während des Spiels ausgepfiffen wurden", sagte Reis nach dem Spiel sichtlich enttäuscht. "Mich können sie kritisieren, aber die Jungs geben hier immer ihr Bestes. So etwas ist einfach nicht akzeptabel."
Eine klare Ansage, die auch Vereinspräsident Yüksel Yildirim bestätigte: "Erfolg verwöhnt eben. Aber ich fordere mehr Nachsicht, gerade in dieser Saison, mit der Mehrfachbelastung. Denn dieser Klub war 2023 immerhin noch in der 2. Liga." Der Unmut der Fans steht im krassen Gegensatz zum Saisonverlauf. Denn ein Blick auf die Tabelle zeigt: Samsunspor steht in der Liga auf einem guten 6. Platz.
Reis sorgt in der Türkei für Furore
In der Conference League ist man auf Kurs, sammelte in fünf Spielen zehn Punkte, so wie Mainz, Gegner an diesem Donnerstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker). Mit einem Sieg stünde Samsunspor im Achtelfinale - ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Klubs.
Unter Reis, ehemals Trainer bei Bochum und Schalke, hat sich Samsunspor zu einer Mannschaft entwickelt, die in der Türkei für Aufsehen sorgt. Die vergangene Saison schloss man als Dritter ab und überzeugte dabei durch attraktiven, offensiven Fußball. Unter Reis pflegt das Team von der Schwarzmeerküste einen aggressiven Spielstil: kein Abwarten, sondern intensives Pressing und das ständige Bemühen, die Partien zu kontrollieren.
Trotz der Euphorie um die vergangenen Erfolge ist die aktuelle Saison eine Herausforderung. Die drei Niederlagen in Folge, die den Klub zuletzt zurückwarfen, waren unglücklich, aber nicht überraschend. Die Doppelbelastung aus Liga und Conference League hat ihre Spuren hinterlassen. Es ist jedoch auch klar, dass der Stempel "Underdog" in Samsun nicht mehr passt. Dass man nun auswärts in Mainz antritt, muss nach den Pfiffen daheim zuletzt diesmal kein Nachteil sein.