Die kühnsten Träume der Tricolor-Fans werden gerade Realität: Fluminense FC steht im Halbfinale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025™.
Im Gespräch mit FIFA erklärt Renato, dass die beeindruckende Leistung seiner Mannschaft – und die der anderen drei brasilianischen Klubs – weltweit wieder Respekt für den Fußball "Made in Brazil" geweckt hat.
Flu spielt am Dienstag in New York New Jersey gegen Chelsea FC (21 Uhr MESZ) um den Einzug ins Endspiel.
FIFA: Nur noch drei europäische Teams und Fluminense sind übrig. Sie haben bereits gezeigt, dass man sie schlagen kann. Was macht Sie bei diesem Turnierverlauf besonders stolz?
Renato: Viele haben nicht an uns geglaubt – und jetzt stehen wir im Halbfinale. Heute gehört Fluminense zu den vier besten Teams der Welt. Ich sage den Jungs immer: 'Verschieben Sie nichts auf morgen, was Sie heute erreichen können.' Wer weiß, wann so eine Chance nochmal kommt? Deshalb wollen wir Geschichte schreiben – und das tun wir gerade. Aber wir sind noch nicht am Ziel, mit allem Respekt vor Chelsea. Wir werden alles geben – mental, körperlich, technisch, taktisch. Es ist Zeit, sich voll reinzuhauen. Viele haben gezweifelt – jetzt sind wir im Halbfinale.
Dürfen Sie inzwischen vom Titel träumen?
Man muss weiter träumen, aber Schritt für Schritt. Genau so haben wir es bisher gemacht. Natürlich wollen wir den Titel – aber wir wissen auch, wie schwer das wird. Chelsea hat das gleiche Ziel wie wir: ins Finale einzuziehen. Wir werden uns mit ihnen messen, mit Respekt. Und dann, ja, dann dürfen wir anfangen, vom Titel zu sprechen.
Als Sie im April zum Fluminense zurückgekehrt sind und die Vorbereitung auf die Klub-WM gestartet haben – haben Sie damals schon geglaubt, dass so ein Weg möglich ist?
Ich hatte immer Vertrauen in mein Team, aber wir haben das hier Schritt für Schritt entwickelt. Natürlich ist es schwer, mit europäischen Vereinen finanziell mitzuhalten. Aber Geld entscheidet nicht alles – auf dem Platz zählt es. Wenn Sie eine starke Gruppe haben, gute Spieler, Nationalspieler – dann steigen die Chancen. Und trotzdem: Wir haben gezeigt, dass auch das 'hässliche Entlein', wie ich es nenne, ganz vorne mitspielen kann. Es zählen die Leistungen auf dem Feld. Seit wir in den USA angekommen sind, sage ich den Jungs: 'Wir sind nicht hier, um Sightseeing zu machen.' Wir respektieren jeden Gegner, wissen, wie hart es wird – aber wir glauben an uns. Ich arbeite viel an der mentalen Stärke der Mannschaft. Wir sind hier, um uns voll reinzuhauen. Am Ende stehen elf gegen elf auf dem Platz. Die Chancen der Europäer sind vielleicht höher, aber es zählen die Taten auf dem Platz – und da liefert meine Mannschaft richtig ab. Darauf baue ich. Wir werden weiter an uns glauben und Geschichte schreiben.
Thiago Silva ist bei drei der vier Halbfinalisten eine Legende. Wie sehr hilft seine Erfahrung auf diesem Weg?
Extrem. Er hat schon etliche FIFA-Weltmeisterschaften™ gespielt, war viele Jahre bei den besten Klubs Europas. Er ist ein Phänomen. Er bringt eine enorme Erfahrung mit, ist ein verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz. Taktisch führt er die Mannschaft, gibt den Jungs wertvolle Tipps – er kennt diese Gegner ja bestens. Und ganz ehrlich, bei dem, was er spielt, auch mit 40 Jahren, traue ich ihm sogar noch die WM-Endrunde 2026 zu.
Lassen Sie uns über Fábio sprechen – ein weiterer Routinier, der ein überragendes Turnier spielt. Als Sie 1999 aufgehört haben, war er gerade im zweiten Profijahr – Sie hätten fast gegeneinander gespielt. Und heute rettet er Fluminense immer wieder...
Der Typ ist in jeder Hinsicht überragend. Ein absoluter Arbeiter, ein Profi durch und durch, einer der Führungsspieler. Fábio hat uns schon in so vielen Spielen mit unglaublichen Paraden gerettet. Er ist eine tragende Säule, er gibt der Mannschaft extrem viel Ruhe und Stabilität.
Und vorne? Was sagen Sie zu Jhon Arias?
Er wird von Spiel zu Spiel selbstbewusster, bekommt zu Recht viel Lob – das merkt man sofort auf dem Platz. Er übernimmt Verantwortung, spielt ein starkes Turnier. Arias ist ein Spieler, vor dem die Gegner immer Respekt haben.
Wie würden Sie sich selbst als Trainer beschreiben?
Ich versuche, all meine Erfahrung aus der Spielerzeit an meine Jungs weiterzugeben. Natürlich lege ich viel Wert auf Taktik – aber ich will kein Trainer sein, der alles allein entscheidet. Klar, am Ende habe ich das letzte Wort. Aber ich spreche mit den Führungsspielern, ich höre zu, ich will ihre Meinung. Wenn die Mannschaft das System mitträgt, dann geben die Jungs auf dem Platz noch mehr Gas. Diese Freiheit, sich einzubringen, ist extrem wichtig. Ich will, dass sich alle wohlfühlen, dass jeder seine Meinung sagen darf – das stärkt das Team.
Welche Botschaft sendet Fluminenses Lauf bei der Klub-WM an die Fußballwelt?
Mit Geld können Sie Top-Kader zusammenstellen und Ihre Chancen erhöhen. Aber entscheidend ist, was die Jungs auf dem Platz zeigen – ihre Leidenschaft, ihr Einsatz, das Miteinander mit dem Trainerteam. Ich glaube, die wichtigste Botschaft, die Fluminense hier sendet, ist: Respektieren Sie den brasilianischen Fußball wieder – oder fangen Sie an, ihn wieder zu respektieren. Was wir hier zeigen, zusammen mit Botafogo, Flamengo und Palmeiras, lenkt die Blicke der Fußballwelt wieder auf Brasilien – mit Stolz und Selbstbewusstsein.