Kommen sie denn nun aus Greuth, Fürth oder Greutherfürth? Wenn Fans der SpVgg über die regionalen Grenzen hinweg reisen oder Medien konsumieren, begegnen sie immer wieder diesen Fragen und betreiben dann oftmals kostenloses Marketing für die kreisfreie Großstadt mit dem Kleeblatt im Wappen. Denn die Unwissenheit, was es mit dem Greuther nach SpVgg und vor Fürth auf sich hat, ist weiterhin groß.
Bei jedem Spiel, dass das Kleeblatt bestreitet, sieht man eine große Zaunfahne im Stadion hängen, die den Wunsch ausdrückt, den viele Fans haben und der die Ambivalenz innerhalb des Vereins zutage fördert. "Zurück zur SpVgg Fürth", also jenem Namen, unter dem die Fürther vor rund einhundert Jahren stilprägend für den deutschen Fußball agierten und drei Meisterschaften errangen.
Beitritt sorgte für Aufschwung
SpVgg Fürth ist allerdings auch der Name, unter dem der Verein in eine sportliche und wirtschaftliche Tieflage rutschte, die in den 80er und 90er Jahren den Absturz in die viertklassige Landesliga bedeutete. Der seitdem erfolgte Aufschwung des Fürther Fußballs ist fest mit einem Mann und seinem Handeln verknüpft. Helmut Hack, erfolgreicher Geschäftsmann aus Vestenbergsgreuth, hatte seinen dortigen TSV in die Regionalliga und damit an natürliche Grenzen herangeführt. Die SpVgg Fürth dagegen ein klammer, schlafender Riese, der sein Potenzial schon lange nicht mehr ausschöpfen konnte und dem eine weitere Verzwergung drohte.
So kam es 1996 zu einem Beitritt, keiner Fusion, der ersten Fußballmannschaft des TSV mit der SpVgg. Um dem gemeinsamen Projekt einen gemeinsamen Namen zu geben, stimmten alle Beteiligten dem Kunstgriff mit dem Greuther zu, das so zum Namen des Gesamtvereins wurde. "Greuther", also Personen aus Vestenbergsgreuth, aus denen anfangs noch die halbe Mannschaft bestand, gibt es in Fürth jedoch immer weniger.
Spätestens seit Hack 2018 das Präsidentenamt des Vereins und den Vorstand der ausgegliederten Profi-Abteilung abgegeben hat, ist die Verbindung zwischen beiden Vereinen nur noch durch einige Fans, Aufsichtsratsposten und das Sponsoring eines dort ansässigen Konzerns gegeben. Die Vestenbergsgreuther, die mit dem Beitritt ihr erfolgreiches Amateurfußballprojekt am Ort verloren haben, spielen seit 2007 wieder mit einer eigenen Mannschaft unter dem ursprünglichen Namen - aktuell in der Kreisklasse Erlangen-Pegnitzgrund. Während es die SpVgg seit dem Aufstieg in die 2. Liga zweimal in die Bundesliga geschafft hat - und das Szenario Drittklassigkeit seither abwenden konnte.
Auch weil sie nicht undankbar erscheinen wollen, verweisen die Köpfe hinter der Kampagne zu Recht auf das Werk des Ehrenpräsidenten: "Unbestritten ist der selbstlose Einsatz und Verdienst von Helmut Hack. Dies soll nie in Vergessenheit geraten und der Verein im Sinne seiner soliden, bodenständigen Wirtschaftsweise weitergeführt werden."
Harald Goth von der Fan-Organisation "Sportfreunde Ronhof" nennt den Umgang mit dem Vereinsnamen seit 1996 am Montagabend "nicht die Fortführung der langen Tradition, sondern die Schaffung einer neuen Marke". Hier wird auch das Spannungsfeld deutlich, in dem sich der Verein seit langem bewegt. Eingetragener Verein und die Profi-Abteilung nutzen ein unterschiedliches Logo. Fans monieren, dass sie keine Trikots und Merchandise-Produkte kaufen werden, auf denen auch "Greuther" steht. Die Social-Media-Auftritte heißen allesamt etwas mit "Kleeblatt Fürth", um den Konflikt mit SpVgg und vor allem Greuther zu umgehen.
Die Kampagne will die Rückbenennung des Vereins in SpVgg Fürth, ein einheitliches Vereinslogo und einen einheitlichen Markenauftritt, der auch die "einzigartige Vereinsgeschichte" stärker in den Fokus rücken soll. Dadurch erhoffen sie sich wieder mehr Identifikation und Euphorie rund um ihren Herzensverein.
Mitgliederversammlung 2026 als großes Ziel
Nun kommt Bewegung in den Namensstreit, nachdem es zuletzt bis auf Banner und Choreos recht still um die Kampagne wurde. Im Hintergrund fanden viele Gespräche statt, denn der Verein nimmt das Anliegen wahr und ernst. Auch Hack und Vertreter des TSV saßen und sitzen dort mit am Tisch. Alle Seiten haben sich darauf geeinigt, dass im Winter 2026 bei der turnusmäßigen Mitgliederversammlung die Zeit für eine Abstimmung reif ist.
Den Grundstein, dass diese Mitgliederentscheidung überhaupt möglich ist, legte die Satzungsänderung bei der nachgeholten Jahreshauptversammlung im Sommer 2022. Hier zeigte sich Vestenbergsgreuth bereits kooperativ und verzichtete auf die Sperrminorität.
Die Abstimmung nicht noch in diesem Jahr durchführen zu wollen, liegt daran, dass laut Goth "alle Seiten noch Zeit brauchen, um weitere Gespräche zu führen". Schließlich wolle die Kampagne niemanden vor den Kopf stoßen und geht sogar auf Sponsoren und Partner der SpVgg zu, um für ihren Weg und Verständnis zu werben. Bislang haben sie keine Signale empfangen, dass ein Geldgeber die Unterstützung an den Namenszusatz Greuther koppelt.
Auch die Kosten der Rückbenennung, die der Verein bei öffentlichen Terminen bislang als Argument gegen eine solche Änderung ins Feld führte, haben die Traditionalisten im Blick. "Wir reden hier von einem Betrag zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro", so Vorsänger Mario John. Trikots, Schriftzüge am Stadion und Trainingsgelände, Straßenbeschilderung wären einmalige Mehrkosten, die das Rebranding mit sich bringen würden. John verweist dabei auf mehrere Spendensammlungen und Crowdfunding-Konzepte, mit denen die Kleeblatt-Fans in den vergangenen Jahren schon hohe Beträge gesammelt hatten. Weitere Gespräche dazu führen die Fans - und wollen über weitere Ergebnisse transparent informieren.
Die Gründung einer Fanabteilung und gesunkene Mitgliederbeiträge führen langsam zu steigenden Mitgliederzahlen. Trotz der erfolgreichen Bemühungen, die nun auch der Verein intensiviert, liegt die Zahl der Mitglieder im DFL-Vergleich nur vor RB Leipzig auf dem 35. Platz. Wer 2026 bei der Entscheidung seine Stimme abgeben will, muss noch bis 31. Oktober 2025 dem Verein beitreten.
Aktuell sind es 3043 im Vereinsregister. "Wie hoch die Schnittmenge zwischen den Mitgliedern und Unterstützern ist, ist schwer zu beziffern", so John, doch mit Gründung der Fanabteilung habe man "500 bis 600 neue Mitglieder in den Verein gebracht". 75 Prozent der Stimmberechtigten brauchen sie, damit der Verein kurz vor seinem 125. Geburtstag im Jahr 2028 wieder den ursprünglichen Namen bekäme.