Eigentlich durchlebt Keven Schlotterbeck seine beste Phase, seit er im Sommer 2024 vom VfL Bochum zum FC Augsburg gewechselt ist. Der 28-Jährige, älterer Bruder von Dortmunds Nationalspieler Nico, ist unter Manuel Baum unumstritten und seit den Verletzungen von Jeff Gouweleeuw und Chrislain Matsima zentrales Glied und Chef der Dreierkette. Zudem trägt er als Vertreter Gouweleeuws die Kapitänsbinde.
Dies alles zurecht, denn Schlotterbeck quittiert das in ihn gesetzte Vertrauen mit Leistung. Ein Führungsspieler, auf und neben dem Platz, der auch öffentlich seine Meinung vertritt. Sportlich hatte er zudem schon schwierigere Zeiten, kämpfte in seiner ersten Augsburger Saison mit Verletzungen und saß unter Trainer Sandro Wagner auch mal auf der Ersatzbank.
Auch in Leipzig spielte Schlotterbeck insgesamt keineswegs desolat, klärte er mehrmals aufmerksam. Doch davon kann er sich dieses Mal nichts kaufen, denn im Fußball entscheiden bekanntlich einzelne Momente Spiele und da lief es für Schlotterbeck zweimal denkbar schlecht. Einer der Hauptgründe, warum seine Mannschaft statt eines möglichen Überraschungssiegs mit einer 1:2-Niederlage nach Hause fuhr.
Für Bochum in der Relegation sicher
Zunächst hätte der FCA durch Schlotterbeck schon früher in Führung gehen als durch Robin Fellhauers Tor (39.). In der 23. Minute trat Schlotterbeck zum Handelfmeter an. Auch, weil die zwei Spieler, die zuletzt verwandelt hatten, nicht auf dem Platz standen. Alexis Claude-Maurice fehlte aus privaten Gründen, Michael Gregoritsch saß auf der Ersatzbank.
Also Schlotterbeck, der seit Wochen zum Kreis der potenziellen Schützen zählt. Zwar hatte der Innenverteidiger in der Bundesliga noch nie einen Elfmeter geschossen, dafür einen unter denkbar höchstem Druck verwandelt: 2024, in der Relegation, für Bochum gegen Düsseldorf. Also, warum nicht? Schlotterbeck zielte links unten, doch Leipzigs Torwart Maarten Vandevoordt ahnte die Ecke und parierte den zu schwach und unplatziert geschossenen Versuch.
Das wäre ohne die dramatische Schlussphase nicht ins Gewicht gefallen. Doch dann verlor Schlotterbeck das Laufduell mit Leipzig Yan Diomande und dieser traf zum Ausgleich (76.). Einen Vorwurf mag man Schlotterbeck ob der Schnelligkeit des Gegners kaum machen, als harter Fakt bleibt das Gegentor. Zu allem Übel erkor der TV-Reporter Schlotterbeck irrtümlicherweise noch zum Schützen des Eigentors zum 1:2, dabei war in diesem Fall Mitspieler Arthur Chaves der Pechvogel. Dennoch gilt für Schlotterbeck wie den FCA: eigentlich gut gespielt, dennoch ein gebrauchter Nachmittag.