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Schmid über Havel: "Eigentlich könnte er schon Torschützenkönig sein …"

kicker

Herr Schmid, Elias Havel überwintert als Führender der Torschützenliste. Er hält bei zehn Toren, doppelt so vielen wie in den beiden Saisonen davor. Was haben Sie mit ihm gemacht?

Er war ja schon im Vorjahr bei uns, ist aber mit einem Riss im Syndesmoseband lange Zeit ausgefallen und war körperlich in einem schlechten Zustand. Davon hat er sich gut erholt. Er ist noch immer nicht bei 100 Prozent, aber er ist ein super Bursche, der neben unserem Training auch eigenständig noch viel macht.

Nach seiner Verletzung hat er in der Vorsaison drei Tore geschossen. Was sprach dafür, ihn zu halten?

Weil ich gewusst habe, dass er ein besonderer Spieler sein kann, besonders mit seinem Tempo. Deshalb haben wir alles unternommen, um ihn noch ein Jahr vom LASK ausleihen zu können. Und auch er selbst wollte in Hartberg bleiben, weil er unserem Trainerteam vertraut hat. Wir haben viel mit ihm an seiner Chancenauswertung gearbeitet. Und auch da hat er eine super Einstellung und arbeitet wirklich hart.

Sein Talent hatte Havel immer wieder einmal aufblitzen lassen, allerdings auch fehlende Kaltblütigkeit vor dem Tor.

Wenn ich an die Chancen denke, die er am Anfang der Saison noch ausgelassen hat, könnte er jetzt schon Torschützenkönig sein. Aber er ist schon sehr viel effizienter geworden. Außerdem harmoniert er gut mit Marco Hoffmann, der ihm körperlich viel abnimmt.

Werden wir ihn bald im Nationalteam sehen?

Ins Nationalteam zu kommen, ist ein großer Traum von ihm, auch wenn er's öffentlich nicht sagt. Für Hartberg wäre es natürlich auch eine schöne Geschichte. Auf Abruf war er ja schon. Und ich bin sicher, dass er mit seinem Tempo auch dem Team helfen könnte, weil wir so einen Spieler sonst gar nicht haben. Wenn er so weiter macht, bin ich überzeugt, dass er auch seinen Weg ins Ausland machen wird.

Hartberg hat nicht nur Havel, Sie haben auch die Mannschaft mit der besten Chancenauswertung und Schussgenauigkeit. Ist das ein Verdienst Ihres neuen Co-Trainers Christian Mayrleb?

Ich habe Christian geholt, weil ich weiß, dass er ein Fachmann ist. Wenn man sich mein Trainerteam anschaut, dann sind das alles Top-Leute auf ihrem Gebiet. Andi Biritz war mit Adi Hütter in Frankfurt und davor Meister in Bern. Mit Michael Mayer, unserem Athletik-Trainer, der auch lange im Ausland war, bin ich schon Meister geworden. Unser Videoanalyst hat in Deutschland gearbeitet, ich war lange in Deutschland. Christian Mayrleb hat die drittmeisten Tore in der Bundesliga geschossen, der weiß, wo man den Ball hinschießen muss, wenn man aufs Tor läuft, weil er es selbst oft genug erlebt hat. Er trainiert diese Situationen mit den Stürmern, damit sie diese Automatismen in ihr Spiel reinbringen und vor dem Tor nicht mehr nachdenken müssen. Aber wir fragen auch beim Tormanntrainer und dem Torhüter nach, welche Bälle für sie am unangenehmsten sind.

„Ich bin kein Trainer, der pro Spiel 500 Flanken sehen will, die dann eh nix einbringen.“ (Manfred Schmid)

Die einzige Schwäche scheinen Kopfbälle zu sein, bisher gelang Ihrer Mannschaft erst ein Kopfballtor. Gibt's da Aufholdbedarf?

Man muss schon dazu sagen, dass wir halt auch hauptsächlich flach spielen. Ich bin kein Trainer, der pro Spiel 500 Flanken sehen will, die dann eh nix einbringen. Statt von überall den Ball blind hineinzudreschen, spielen wir die Bälle aus dem Halbfeld in den Strafraum und versuchen so zu unseren Chancen zu kommen.

Sie haben ja Ihr Spiel als Reaktion auf die Auftaktniederlage gegen die WSG Tirol überhaupt umgestellt. Was waren Ihre Überlegungen?

Wir haben gegen die WSG gleich gesehen, dass es nicht funktionieren kann, wie bisher von hinten rauszuspielen. Wir haben im Sommer zwölf Spieler abgegeben, darunter Avdijaj, Pfeifer, Sallinger, alles Spieler mit außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten. Unser Tormann Sallinger hat die Bälle mit links und rechts rausgespielt wie ein Zehner. Er war prädestiniert für dieses Spiel. Gekriegt haben wir aber - vor allem in der Abwehr und auch im Tor - lauter Junge, die das erst lernen müssen. Deshalb haben wir reagiert und ein Spiel entwickelt, das unseren Stärken entspricht und auf unsere Schnelligkeit baut. Damit haben wir etwas gefunden, was uns für die Gegner richtig eklig macht.