Die Wege von Niklas Schmidt und Florian Kohfeldt haben sich bereits mehrfach gekreuzt. Unter dem Coach debütierte Schmidt in Bremens U23. Als Kohfeldt später Cheftrainer bei den Profis war, schickte er den Spieler wieder zurück zu den Amateuren. Und nun ist Kohfeldt beim SV Darmstadt 98 wieder sein Trainer - zumindest bis Sommer.
Den Grund dafür, dass es damals bei den Werder-Profis unter Kohfeldt nicht klappte, sieht Schmidt vor allem bei sich selbst. "Ich glaube, in den Jahren stand ich mir irgendwie selber im Weg. Da wollte ich durch eine Mauer laufen, aber das ging nicht", sagt er rückblickend. Kohfeldt habe zwar zu Beginn der Sommervorbereitung 2018 die Entscheidung getroffen, ihn aus dem Kader der ersten Mannschaft zu streichen. "Aber im Endeffekt war es auch meine Schuld. In den Jahren war ich sehr eigensinnig und wollte mit dem Kopf durch die Wand."
Kohfeldt und Fernie als Pluspunkte
Ressentiments gegen Kohfeldt hegt der 27-Jährige nicht - im Gegenteil. Er nennt den Trainer als einen Grund für den Wechsel ans Böllenfalltor. Dort trifft er nun auch einen zweiten alten Bekannten wieder: den heutigen Sportdirektor Paul Fernie. Den kennt Schmidt aus seiner Zeit als Leihspieler beim SV Wehen Wiesbaden. "Mit Paul habe ich auch schon länger Kontakt gehabt. Klar war das auch ein Pluspunkt für mich", sagt er. Fernie und Kohfeldt kennen ihn, er kenne sie und ihre Erwartungen, beide Seiten wüssten, worauf sie sich einließen.
Sich selbst beschreibt Schmidt als vielseitigen und ruhigen Spieler, der versuche, dem Spiel Ordnung zu geben und am liebsten auf der Doppel-Sechs spiele. 2023 war er nach elf Jahren bei Werder zum FC Toulouse nach Frankreich gewechselt. Dort bestritt er insgesamt 31 Pflichtspiele, fehlte aber ab Herbst 2024 wegen eines Kreuzbandrisses für rund ein Jahr.
Aufstiegserfahrung mit Bremen
Bedenken wegen seiner Fitness tritt er entschieden entgegen: "Ich sehe mich sehr weit. Seit drei, vier Monaten bin ich schon voll im Mannschaftstraining, habe alles mitgemacht, war auch schon im Kader. Leider hat es nicht für mehr Einsatzzeiten als für eine Einwechslung im Pokal gereicht." Beim 2:0 gegen Nürnberg gab er sein Debüt im Lilientrikot als Einwechselspieler. Er sei aber auf jeden Fall bereit, auch von Anfang an zu spielen, sagt er.
Mit dem Zweitliga-Zweiten will er den maximalen Erfolg. "Natürlich mach es mehr Spaß, wenn man oben steht", sagt er. "Aber der Druck kommt auch irgendwann, wenn es Richtung Mai geht." Schmidt weiß auch, wie Bundesliga-Aufstieg geht. Das gelang ihm 2022 mit Bremen. Das sei eine sehr starke Mannschaft gewesen, vor allem mit den Stürmern Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch.
"Immer an den Sieg glauben"
Bei den Lilien heißen die Angreifer derzeit Isac Lidberg und Fraser Hornby - für Zweitliga-Verhältnisse ebenfalls oberste Qualität. Und auch sonst sieht Schmidt den Kader stark besetzt. Sein Rezept für einen möglichen Aufstieg: Von Spiel zu Spiel sehen, möglichst viele Punkte holen und auch wenn es mal schlechtere Spiele gebe: Immer an den Sieg glauben.