So bitter der K.-o. in letzter Sekunde beim 2:3 gegen den FC Bayern am vergangenen Samstag auch gewesen ist, so erfolgreich haben Freiburgs Trainer und seine Profis das überzeugende Auftreten genutzt, um daraus weiteres Selbstvertrauen zu ziehen. Jedenfalls nach ihrem eigenen Empfinden.
"Die Leistung der Mannschaft macht es relativ einfach, die Niederlage zu verarbeiten", erklärte Julian Schuster am Mittwoch, gut 24 Stunden vor dem Viertelfinalhinspiel in der Europa League gegen Celta Vigo (Donnerstag, 21 Uhr, LIVE! bei kicker). "Es war so viel Gutes dabei, woran wir uns auch morgen orientieren können." Ebenso bestätigte Angreifer Lucas Höler (31): "Das wird für uns ein Highlight-Spiel - und wir haben gezeigt, dass wir zu Hause gegen jeden Gegner bestehen können." Beste Voraussetzungen also vor dem in der Klubgeschichte erstmaligen Auftritt in der Runde der letzten Acht.
Die Zielsetzung, die makellose Serie von bislang fünf Siegen in fünf Europa-League-Heimspielen (11:2 Tore) in dieser Saison auszubauen, liegt auf der Hand. Gleichwohl beschwört Schuster: "Das Bewusstsein, dass es Hin- und Rückspiel gibt, ist total wichtig. Nach 90 Minuten wird nichts entschieden sein. Da bedarf es dann vielleicht schon der Disziplin, am Ende nicht zu viel zu wollen, sondern auch das zu akzeptieren, was der Spielverlauf hergibt." Folgerichtig wird es deutlich stärker um Kontrolle gehen als bei der 5:1-Achtelfinalgala gegen Genk, da es ohnehin alternativlos war, den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel umzubiegen.
Osterhages Knie-Operation bedeutet wohl das Saisonende
Gleichwohl spricht das Bestreben, mit einem Vorsprung nach Spanien zu reisen, für eine entsprechend offensive Ausrichtung. Und im Vergleich zum Bayern-Spiel für eine Rückkehr der beiden Freiburger Top-Torjäger. Igor Matanovic (23), der wettbewerbsübergreifend auf elf Treffer kommt, würde dann im Sturmzentrum wieder Höler ablösen. Und links offensiv verfügt Vincenzo Grifo (33, zwölf Pflichtspieltore) zwar nicht über die Dynamik des Positionsrivalen Derry Scherhant (23). Doch bietet der ballsichere Routinier eben nach wie vor eine größere Perspektive auf erfolgreiche Abschlüsse sowie Assists.
Im zentralen Mittelfeld hat sich neben der "Holding Six" Maxi Eggestein (29) in Johan Manzambi (22) ohnehin die denkbar spielstärkste und angriffsfreudigste Variante etabliert. Für Konkurrent Patrick Osterhage (26), 2024/25 auf dieser Position gesetzt, dürfte die Saison unterdessen bereits beendet sein. Wegen anhaltender Knieprobleme muss sich der schnelle Allrounder einem arthroskopischen Eingriff unterziehen. Wie gut sich der Ausfall Osterhages speziell mit Blick auf dessen taktische Disziplin wirklich nachhaltig kompensieren lässt? Auch darüber werden nun die anstehenden "großen" Spiele beim Freiburger Tanz auf drei Hochzeiten Aufschluss geben.
„Wir genießen jetzt nicht, dass wir etwas Historisches erreicht haben.“ (Julian Schuster)
"Ihre große Qualität ist, dass sie sehr flexibel sind und von der Herangehensweise her eben alles können", sagt Schuster voll hörbarem Respekt über den spanischen Tabellensechsten. Zugleich lässt der Fußballlehrer keinen Zweifel daran: "Wir genießen jetzt nicht, dass wir etwas Historisches erreicht haben. Sondern wir haben die Motivation und das klare Ziel, auch gegen Celta Vigo weiterzukommen."