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Sechziger Déjà-vu: Nächster Neustart in Giesing

kicker

Eine katastrophale Saison 2016/17 beendete der TSV 1860 München auf Platz 16 der 2. Bundesliga. Konnten sich die Sechziger zwei Jahre zuvor noch über den Umweg der Relegation gegen Holstein Kiel durchsetzen (0:0, 2:1), zogen die Münchner dieses Mal gegen Jahn Regensburg den Kürzeren.

Vollkommen überraschend gewann der erst zuvor aus der Regionalliga aufgestiegene Jahn nach einem 1:1 im Hinspiel mit 2:0 in der Allianz-Arena. Der Abstieg war besiegelt. Dabei waren die Löwen - wie so häufig - mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gestartet. Doch wie kam es zum Absturz bis in die Regionalliga?

Mit Beginn der Rückrunde verpflichtete der 2011 als Investor eingestiegene Hasan Ismaik den heutigen Nottingham-Trainer Vitor Pereira. Die Giesinger hatten sich auf Platz 14 stehend schon damals in akuter Abstiegsgefahr befunden, doch der erfahrene Portugiese, der zuvor Olympiakos Piräus und Fenerbahce coachte, hatte andere Ambitionen.

Großspurig verkündete er direkt nach seiner Ankunft, den Klub "nach oben" führen zu wollen. In der Winterpause gaben die Münchner 2,75 Millionen Euro für Neuzugänge aus, doch am Ende stand der sportliche Absturz in die Drittklassigkeit. Nach dem Abstieg verließen sowohl Pereira als auch Präsident Peter Cassalette und Geschäftsführer Ian Ayre fluchtartig den Verein. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Dem ehemaligen deutschen Meister fehlten für die Drittliga-Lizenz rund elf Millionen Euro. Ismaik soll sich zunächst zahlungsbereit gezeigt, das Investment aber an "eine Reihe unerfüllbarer Forderungen" geknüpft haben, wie der Verein später selbst mitteilte. Am 2. Juni 2017 machten die Münchner den unfreiwilligen Gang in die Regionalliga offiziell. Der Tag der Verkündung ging als "schwarzer Freitag" in die Vereinshistorie ein.

Aus Enttäuschung wurde Euphorie

Nach den Schreckensmeldungen begannen die Planungen für die Regionalliga. Als Trainer präsentierten die Sechziger mit Daniel Bierofka eine echte Vereinsikone und Identifikationsfigur. Der ersten Trainingseinheit wohnten hunderte Zuschauer bei, obwohl der Kader zu Beginn vorwiegend aus U-19- und U-21-Spielern bestand. Zudem verkündete der Verein die Rückkehr ins traditionelle Grünwalder Stadion. Die Fans unterstützten ihr Team bedingungslos, und im gesamten Vereinsumfeld entstand eine Euphorie, die sich auch auf die Mannschaft übertragen sollte.

Souverän sicherten sich die Münchner Löwen die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern und zogen in die Aufstiegsspiele gegen den 1. FC Saarbrücken ein. Dort machte es die Elf von Trainer Bierofka nach einem 3:2-Hinspielerfolg im Saarland vor heimischem Publikum noch einmal spannend, konnte einen 0:2-Rückstand aber noch zum 2:2 ausgleichen. Am Ende stand die Rückkehr in den Profifußball und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Die Fans der Sechziger dürften aktuell ein Déjà-vu erleben. Erneut startete der Klub in der abgelaufenen Saison mit hohen Ambitionen in die Spielzeit, verpflichtete mit Kevin Volland und Florian Niederlechner große Namen. Der Sprung in die Zweitklassigkeit misslang, nun steht der Verein in der Regionalliga wieder vor einem Neuanfang. Seinerzeit konnten die Sechziger einen namhaften Kader um Sascha Mölders, Jan Mauersberger oder Timo Gebhart zusammenstellen.

Ob es dem TSV erneut gelingt, eine ähnlich schlagkräftige Mannschaft für die Regionalliga zusammenzustellen, ist noch unklar. Ebenso, ob der Verein eine Aufbruchstimmung erzeugen kann. Zuletzt machte bereits der bisherige Hauptsponsor von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Vor den Verantwortlichen liegt einiges an Arbeit.