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Sportfreunde Düren: Mit Japan-Power aus der Abstiegszone?

kicker

Die Sportfreunde Düren starteten als Aufsteiger mit einem 4:3-Sieg im Stadtduell gegen den 1. FC Düren in die neue Saison. Nach einer Hinrunde mit nur sieben Punkten aus 15 Spielen und einem Torverhältnis von 21:50 steht das Team jedoch auf dem vorletzten Tabellenplatz.

"Wir haben nach dem Aufstieg darauf vertraut, dass die Qualität auch für die Oberliga reicht. Der Schuss dieses Gutmenschseins ist nach hinten losgegangen", bilanziert Sportchef Matthias Erdorf. Mehrere Spieler aus der Landesliga hätten dem höheren Niveau nicht standgehalten. "Ein bisschen blauäugig" sei die Mannschaft in die Saison gestartet.

Die Mittelrheinliga sei "eine gute Ecke professioneller" als die Landesliga, vor allem in Einsatz und Einstellung. Fünf Sommerzugänge, die sich sportlich nicht durchsetzen konnten, wurden nach Einzelgesprächen abgegeben. Im Gegenzug verpflichtete der Klub fünf jüngere Spieler - gezielt für jene Positionen, auf denen es in der Hinrunde am deutlichsten hakte: "Wir wollen nicht immer nur als Punktelieferant fungieren."

Neuzugänge vom Nachbarn

Raiju Obuchi (22) kommt vom 1. FC Düren und soll dem Offensivspiel mit Tempo und Eins-gegen-eins-Stärke mehr Tiefe geben, nachdem er beim Nachbarn nicht optimal ins System passte. Ebenfalls für das offensive Zentrum wurde Tomoya Kitazawa (25) von Fortuna Bonn verpflichtet - ein torgefährlicher Mittelfeldspieler mit solider Landesliga-Bilanz (34 Spiele, 10 Treffer), der in Düren als Kreativ- und Abschlussspieler eingeplant ist.

Im Angriff vergrößert zudem Emirhan Duvahan (23) von Viktoria Arnoldsweiler die Optionen. Der körperlich präsente Stürmer soll Zielspieler Marc Wollersheim entlasten und im Strafraum für mehr Durchschlagskraft sorgen.

Die Defensive verstärken Ricky Edun (19), zuletzt beim 1. FC Düren, und Paul Filatov (21) vom SV Eintracht Verlautenheide. Edun, ausgebildet bei Alemannia Aachen, Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen, bringt vor allem Tempo und Technik mit. Filatov ist trotz seines jungen Alters bereits erfahren, sammelte zahlreiche Einsätze in der Landesliga und soll mit offensiven Akzenten und Mentalität helfen.

Netzwerk von Ex-Profi Engels

Dass gleich zwei japanische Offensivspieler im Abstiegskampf eine zentrale Rolle einnehmen, wirkt von außen wie eine gezielte Strategie - tatsächlich war es eher Zufall. "Kontakte nach Japan haben wir schon, aber in diesem Fall ist es wirklich zufällig zustande gekommen", erklärt Erdorf.

Möglich wurde das auch durch das über Jahre gewachsene Netzwerk von Gert Engels. Der Dürener Ex-Profi, frühere U-19-Nationalspieler und langjährige Spieler im Profikader von Borussia Mönchengladbach, verbrachte einen Großteil seiner Trainerlaufbahn in Japan und gilt dort als wichtiger Wegbereiter des deutschen Fußballs. Mit seiner 2009 gegründeten Fußballschule "SoccerLife" holt er bis heute regelmäßig japanische Talente nach Düren: Rund 40 bis 60 junge Spieler leben und trainieren dauerhaft in der Region und empfehlen sich von dort aus für Vereine in Deutschland.

Obuchi wurde direkt von Trainer Marcel Demircan angesprochen, weil seine Position im System dringend besetzt werden musste. "Wir wussten zunächst gar nicht, dass er über Gert Engels’ Fußballschule nach Düren gekommen ist", sagt Erdorf. Kitazawa kam nach einem Wohnortwechsel selbst auf den Verein zu und überzeugte im Probetraining. Hinter dem Japan-Faktor steht somit kein exotischer Masterplan, sondern ein pragmatischer Mix aus bestehendem Netzwerk, klarer Bedarfsanalyse und der Bereitschaft, jungen Spielern mit ungewöhnlichem Werdegang Verantwortung zu übertragen.

Der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt sieben Punkte, doch Erdorf blickt nicht nur auf den ersten Nichtabstiegsrang. Ein Rückzug eines anderen Teams lasse sich nie völlig ausschließen - auch wenn man das niemandem wünsche: "Den drittletzten Platz würden wir aktuell dankend annehmen. Wir sind wie eine große Familie und packen es jetzt an. Wenn es nicht klappt, sind wir selbst schuld."