Mit einem 3:0-Auswärtssieg hat der 1. FC Kaiserslautern seinen saisonübergreifend mehrere Spiele andauernden Auswärtsfluch gebrochen. Dass der FCK dabei von einer 90-minütigen Überzahl profitierte, steht außer Frage, wenngleich Lieberknecht auch auf gewisse Herausforderungen hinwies, die sich seinem Team nach dem frühesten Platzverweis der Zweitliga-Geschichte für die Fürther gestellt hatten: "Weil sofort natürlich bei vielen im Kopf rumgeht, dass zum einen genügend Zeit da ist und es zum anderen quasi selbstverständlich ist, dass man das Spiel jetzt gewinnt."
Ein Treffer von Naatan Skyttä sorgte nach mehr als einer halben Stunde schließlich für die ersehnte Führung der Roten Teufel - und etwas freiere Köpfe. Die Spielvereinigung hatte sich zwar auch nach der Pause keineswegs aufgegeben, Ivan Prtajin aber schließlich mit zwei Toren alle Zweifel beseitigt. Tore, die man sich in Kaiserslautern mit der Verpflichtung des Kroaten versprochen hatte, vor allem, um die von Ragnar Ache (zum 1. FC Köln) hinterlassene Lücke zu schließen.
In dieser Mission war auch Mahir Emreli auf den Betzenberg gelotst worden. Der aserbaidschanische Nationalspieler sollte ein Unterschiedspieler sein, lieferte in seinen bisherigen drei Spielen bislang aber eher schwache Leistungen ab (kicker-Note 4,83). Einzig im Pokal beim 7:0 gegen Stahnsdorf erzielte er ein Tor. Beim 3:1-Sieg gegen Darmstadt fehlte er angeschlagen - und nun in Fürth erneut, obwohl der 28-Jährige vorab nicht unter den Verletzten genannt worden, also spielbereit war.
Wie also ist Emrelis Fehlen zu erklären? Lieberknecht gab nach dem Spiel bemerkenswert offen Auskunft: "Es war keine einfache Entscheidung, ihn gar nicht mitzunehmen." Er habe aber das Team, das gegen Darmstadt den wichtigen 3:1-Heimsieg geholt hatte, nicht komplett auseinandernehmen wollen - das sei der Hauptgrund gewesen: "Es wäre schwierig, wen davon lässt du jetzt wirklich komplett draußen?"
Neue Chance gegen Münster?
Ganz alleine war dieser Ansatz aber eben nicht ausschlaggebend für Emrelis Nicht-Berufung, schließlich hatte das Trainerteam ja auch Prtajin nach dessen Wadenproblemen zurück ins Team geholt. Und so ließ Lieberknecht dann doch durchblicken, dass man sich von Emreli eben mehr erhofft hat und ihm mit einer Art schöpferischen Pause motivieren wolle: "Es ist so, dass wir Mahir auch ein Stück weit mit solchen Momenten in die Verantwortung bringen möchten, dass er sein ganzes Können auch mit ein bisschen Ärger im Bauch zeigt."
Abgeschrieben ist Emreli also ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Gut möglich, dass der Offensivmann, der bei seiner vorherigen Station in Nürnberg öfter mal aneckte und als nicht ganz einfacher Spieler galt, schon am Freitag wieder im Kader steht - und dann gegen Münster sein ganzes Potenzial abrufen kann - vielleicht sogar an der Seite von Prtajin.