Nach drei Derby-Heimsiegen in Folge hat sich der SK Rapid der Austria am Sonntag mit 1:3 geschlagen geben müssen. Während Rapid viel davon vermissen ließ, was es bisher ausgezeichnet hatte, brachte die Austria wieder jene Tugenden auf den Platz, die sie in der Vorsaison so stark gemacht hatten. Die Gäste aus Favoriten waren giftiger, konsequenter und vor allem effizienter als die grün-weißen Hausherren.
Für Spitzenreiter Rapid war es die erste Saisonpleite in der Liga. "Dass die erste Niederlage im achten Spiel passiert, damit kann ich grundsätzlich leben. Dass es ausgerechnet im Derby passiert, ist natürlich bitter", meinte Trainer Peter Stöger, der von einer Minikrise - Rapid musste sich in der Vorwoche bei Schlusslicht GAK mit einem Remis begnügen - nichts wissen möchte: "Ich sehe es nicht als Negativtrend."
Vielmehr hadert der 59-Jährige zum Beispiel mit dem Defensivverhalten beim ersten Tor. Nach einem Corner lief Rapid in einen Konter, Taeseok Lee wurde auf die Reise geschickt und behielt vor Niklas Hedl kühlen Kopf. "Das darf dir nicht passieren, dass bei einer eigenen Ecke jemand alles aufs Tor läuft. Wir hatten besprochen, dass sie im Umschalten gefährlich werden können. Das ist ganz einfach zu billig."
Noch mehr ärgerte Stöger Gegentreffer Nummer zwei. Rapid kam gut aus der Pause und kombinierte sich in den 16er der Austria. Nikolaus Wurmbrand wurde von Abubakr Barry zu Fall gebracht, Claudy Mbuyi verwandelte trocken zum Ausgleich. Doch keine 60 Sekunden später klingelte es auch im Rapid-Kasten. "Depperter geht's nicht", so Stöger ironisch. "Dann musst du einen riesigen Aufwand betreiben, dass du ins Spiel zurückkommst."
Keine Auswärtsfans? "Fakt ist, dass sie fehlen"
Und der erhoffte Turnaround gelang nicht mehr. Im Gegenteil: Die Austria setzte noch einen drauf und ließ die 26.000 Rapid-Fans im Allianz Stadion endgültig verstummen. Apropos Fans. Das vierte und letzte Derby ohne Auswärtsfans verlief ohne grobe Zwischenfälle. Abgesehen der kleineren Gegenstände, die zu Spielbeginn Richtung Austria-Keeper Samuel Sahin-Radlinger flogen, war es ein stimmungsgeladenes Spiel. Die Gäste-Fans wurden - wie schon in den vorangegangenen Derbys - aber von beiden Lagern vermisst. "Fakt ist, dass etwas fehlt", meinte Stöger. Hedl sprach von einer "überragenden Atmosphäre", war aber "froh, dass es das letzte Mal war".
Für Rapid geht es nun in der Conference League weiter. Am Donnerstag (18.45 Uhr, LIVE! bei kicker) ist man bei Lech Posen zu Gast. "Wir haben das Glück, dass wir international spielen dürfen und ich bin mir sicher, dass wir am Donnerstag ein anderes Gesicht zeigen werden", sagte Hedl. Stöger freut sich auf den Auftakt in der Ligaphase und meint: "Es ist unser Anspruch, dass wir da etwas mitnehmen, aber es werden keine einfachen Aufgaben."
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