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Syllas Fernziel: Über Schalke nach Afrika

kicker

Moussa Sylla strahlt als Gesprächspartner enorm viel Ruhe aus, immer. Der Stürmer des FC Schalke 04 reagiert niemals emotional, selbst bei besonders kritischen Fragen umschmeichelt zumeist sogar ein Lächeln seine Lippen. Das wirkt geerdet und sympathisch. Auch nach dem 0:1 gegen Holstein Kiel blieb der Angreifer cool in seinem Auftreten - was nicht selbstverständlich war. Schließlich sollte Sylla seine Situation erklären, die sich seit Wochen kompliziert darstellt.

Erst Erfolge, dann das Tief

Sylla hat Monate voller persönlicher Erfolgserlebnisse hinter sich. Der im Sommer 2024 zu Schalke gewechselte Strafraumstürmer hatte 2024/25 trotz rund achtwöchiger Ausfallzeit mit 16 Treffern erheblichen Anteil am spät besiegelten Zweitliga-Klassenerhalt des FC Schalke 04, seine Quote ließ seinen Marktwert (die Königsblauen zahlten seinerzeit 2,5 Millionen Euro Ablöse an den Pau FC) in die Höhe schnellen. Der Torjäger weckte auch bei höherklassigen Klubs Begehrlichkeiten.

Doch für Sylla entwickelten sich die Dinge zuletzt in eine deprimierende Richtung. Ein Abschied in diesem Sommer zu einem Topklub zerschlug sich, auch weil dem FC Schalke die Angebote nicht lukrativ genug erschienen. Zudem spürt Sylla, dass ihm der Spielstil des neuen Trainers Miron Muslic nicht gerade entgegenkommt.

Obendrein verlief die jüngste Länderspielreise mit Mali ernüchternd: Die WM-Qualifikation ist fast futsch, Sylla kam kaum zum Zug. In der Zwischenzeit verpflichtete Schalke mit Christian Gomis auch noch einen Konkurrenten für die Stürmerposition.

Professionelle Haltung bewahren

Sylla versucht das alles mit Fassung zu tragen. Muslic berichtete bereits von einem Gespräch im Trainerbüro im Vorfeld des Spiels gegen Kiel, Sylla habe sich darin "sehr professionell" gezeigt. Nach dem 0:1 gegen Kiel - Sylla erhielt vom Trainer sogar eine Startelf-Garantie - sprach nun der Angreifer selbst, der in der ersten Hälfte zwei guten Torchancen vergab.

"Manchmal ist man der Held und manchmal nicht", sagte Sylla ohne Groll in der Stimme. Enttäuscht sei er wegen des geplatzten Wechsels nicht. "Jetzt bin ich hier, um alles zu geben - für den Klub, für den Coach, für die Leute hier", sagte Sylla und schob hinterher: "Im Fußball ist es doch so: An einem Tag bist du hier, an einem anderen dort."

"Transfer ist nicht in meinem Kopf"

Dass sich sein Abschied möglicherweise nur um ein paar Monate verzögert und er dann eben im Winter den Abflug macht, darüber denke er aktuell nicht nach, versicherte Sylla. "Ein Transfer ist nicht in meinem Kopf. Ich bin im Kopf zu 100 Prozent bei Schalke."

Wenn er an die Winterzeit denkt, denkt er lieber an Afrika. Im Norden des Kontinents, in Marokko, findet nämlich im Dezember und Januar der Afrika-Cup statt, bei dem Sylla liebend gern mitmischen würde. Mali trifft in der Gruppenphase auf Marokko, Sambia und die Komoren.

"Ich hoffe auf eine Nominierung", sagt Sylla, der weiß, was für die Erfüllung seines Traums elementar wäre: Seine Chancen für eine Berufung wären ungleich höher, wenn er in den nächsten Wochen im Verein zu alter Stärke zurückfinden würde. Sein anvisiertes Fernziel ist also klar: Über Schalke nach Afrika.

Kleiner, aber nicht unerheblicher Haken: Sylla muss erst noch weiter hart daran arbeiten, dass er und Muslics Spielsystem kompatibler zueinander werden. Syllas nachgewiesene Fähigkeiten als Strafraumstürmer bleiben bei der bisherigen Herangehensweise des Teams eher auf der Strecke.

Sylla hofft darauf, dass auch er von dem bereits angestoßenen offensiven Reifeprozess der Mannschaft profitiert. Seine Darbietung sei "auch abhängig von den Spielern um mich herum". Muslic wird in den nächsten Wochen versuchen, aus Sylla und Neuzugang Christian Gomis ein harmonisches Angriffsduo zu formen.

Reichlich Zuspruch aus dem Team

Was Sylla in Zeiten wie diesen augenscheinlich guttut, ist der Zuspruch aus der Mannschaft. "Moussa ist ein super Junge", sagt Vize-Kapitän Timo Becker. "Er hat unsere volle Unterstützung. Er hat noch einiges vor sich. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, ihm die Chancen zu geben, dass er sein Selbstbewusstsein wiederfindet und dann wird er auch wieder ganz viele Tore für uns schießen."

Auch Muslic ist überzeugt: "Moussa hat die Qualität, dass er für uns 15 Tore schießt." Nach fünf Spieltagen steht der 25-Jährige weiter bei einem Treffer: Ihm war beim 2:1-Sieg gegen Hertha BSC das erste Tor der Zweitligasaison 2025/26 vorbehalten.