Auch wenn der deutsche Fußball-Sommer mit dem vierten und damit letzten Rang beim Final-Four-Turnier der Nations League enttäuschend verlief: Die Wiedersehensfreude bei den Nationalspielern war groß, als sie sich am Montag zur Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele in der Slowakei (Donnerstag) und gegen Nordirland (Sonntag) in Herzogenaurach trafen.
Julian Nagelsmann hat den öffentlichen Ton zwar verschärft, intern aber ist die Stimmung weiter positiv - und die Zuversicht groß, dass das ausgegebene Primärziel, eine dominante Qualifikation zu spielen, erreicht werden kann.
Tah: "Es geht um kleine Dinge, die angepasst werden müssen"
"Es geht am Ende um kleine Dinge, die angepasst werden müssen. Das hört sich immer größer an als es eigentlich ist", sagt Innenverteidiger Jonathan Tah, der eine große Ruhe ausstrahlt. "Wir haben natürlich nicht viel Zeit, das auf dem Trainingsplatz umzusetzen, aber die Trainer werden versuchen, uns das in vielen Video-Sitzungen nahezubringen. Dann wird es darum gehen, das auch direkt umzusetzen. Deshalb ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass nicht so viel Zeit ist, sondern wir direkt abliefern müssen."
Zu den vermeintlichen Kleinigkeiten gehört, dass Joshua Kimmich künftig auch im DFB-Team wieder auf der Sechser-Position agieren wird - und nicht wie zuletzt als Rechtsverteidiger. Auch eine Anpassung der Grundordnung ist gut vorstellbar, um eine größere Stabilität zu erzielen und über die volle Spielzeit eine größere Dominanz auszustrahlen als zuletzt in der Nations League. Dass etliche potenzielle Stammkräfte fehlen - darunter Jamal Musiala, Kai Havertz, Nico Schlotterbeck oder Keeper Marc-André ter Stegen - erschwert allerdings die Aufgabe. "Es wird darum gehen, die Basics reinzubringen und unabhängig von einzelnen Spielern ein Fundament zu legen", sagt Tah.
Adeyemi: "Ich weiß, was ich kann. Das möchte ich zeigen"
Die Abwesenheit von Musiala und Co. eröffnet neue Möglichkeiten für Nachrücker. Etwa für die erstmals nominierten Paul Nebel oder Nnamdi Collins, aber auch für Spieler wie Karim Adeyemi, die zwar regelmäßig dabei waren, sich bislang aber noch keinen Stammplatz erkämpfen konnten.
"Wir sind alle sehr motiviert, aber ich verspüre keinen besonderen Druck", sagt Adeyemi, der auch einer der DFB-Spieler ist, die in ihrem Verein viel Spielzeit sammeln müssen, um sich Chancen auf die WM-Teilnahme ausrechnen zu dürfen. "Ich weiß, was ich auf dem Platz kann. Das möchte ich in den nächsten Monaten zeigen - und natürlich auch jetzt hier bei der Nationalmannschaft. Ich werde im Training Gas geben und fühle mich bereit."
Zum Auftakt wartet der nominell stärkste Gegner
Töne, die der Bundestrainer erfreut zur Kenntnis nehmen dürfte, ist ein verstärkter Konkurrenzkampf doch ausdrücklich gewünscht - und von ihm gewissermaßen auch öffentlich eingefordert. Dass zum Re-Start nach der Nations-League-Enttäuschung gleich der nominell stärkste Gegner der Qualifikations-Gruppe A, zu der auch Nordirland und Luxemburg gehören, auf das DFB-Team wartet, schärft gleich zum Auftakt die Sinne.
"Das wird ein sehr intensives, vielleicht auch emotionales Spiel", sagt Tah, der am Donnerstag in Bratislava mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Startelf zählen wird. "Da müssen wir es schaffen, gleich unser Tempo und unsere Intensität auf den Platz zu bekommen, und dann glaube ich, dass das Spiel sehr positiv für uns ausgehen wird."