Wenn es ein Hamburger Oberligist verdient hat, als "Verein des Jahres 2025" betitelt zu werden, dann ist es Teutonia 05. Und zwar ohne den überflüssigen Zusatz "Ottensen", der zuvor acht Jahre lang das Projekt Profifußball zierte, um überregional bekannt zu werden. In Hamburg weiß sowieso jeder Amateur-Fan, wo das Herz des Traditionsclubs schlägt: mitten in dem dicht besiedelten Stadtteil - und zwar besonders für den Jugendfußball.
In diesem Bereich wurde auch in den vergangenen Jahren weiter gute (Sozial-)Arbeit geleistet und sogar dem Nachbarn Altona 93 der Rang abgelaufen - die Schlagzeilen bestimmte aber die Liga-Mannschaft, die direkt aus der Landesliga in die 3. Liga durchstarten sollte. Der Weg war dann doch steiniger als gedacht, inklusive der traditionellen Trainerwechsel. Insider reden von Investitionen von mindestens zehn Millionen Euro. Dazwischen kamen aber auch Corona und der Krieg in der Ukraine - denn bis dahin zierte eine russische Ölfirma die Trikot-Brust. Zunächst sprudelte die Geldquelle weiter, zuletzt allerdings in abgespecktem Rahmen.
Neustart bei unter Null
Schifffahrtsunternehmer Stefan Thate hätte in der Regionalliga sicher gern noch weitergemacht, freute sich schließlich nach drei Hamburger Pokalsiegen weiterhin über die große Bühne mit Partien gegen Bayer Leverkusen, RB Leipzig oder auch Woche für Woche gegen Meppen, Oldenburg oder die HSV-Nachwuchsprofis.
Doch dagegen hatte der Erste Vorsitzende Siegmar Kuntze etwas. Sein Motto lautete: Zurück zu den Wurzeln! So ließ er die Verhandlungen zur Gründung einer Spielbetriebs-GmbH platzen und ging damit ein großes Risiko ein. Das Image des Klubs war schon unterdurchschnittlich, aber viele Beobachter erwarteten nun den sportlichen Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Denn Kuntze fing bei deutlich weniger als null an: Es gab keinen Trainer, sämtliche Ligaspieler verließen den Verein, die Spielstätte Hoheluft wurde aufgegeben, selbst die Trikotsätze waren unvollständig, und die sonst so treuen (Rentner-)Fans an der Kreuzkirche in Ottensen gab es nach fünf Jahren ohne Spiel in der wahren Heimat auch kaum noch.
Doch der "Heilsbringer" kam und hieß Mehdi Saeedi-Madani. "Teutonia wird die Oberliga halten", versprach der Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz zum Saisonstart, denn er hatte sich ein Team aus Talenten zusammengestellt, aber auch einige Kicker, die schon ein paar Jahre Liga-Fußball in den Beinen hatten, hinzugeholt. Dabei hatte er ein weiteres Handicap zu bewältigen, denn er nahm keinen einzigen Spieler vom Eimsbütteler TV, bei dem er zwölf Jahre lang tätig gewesen war und zum goldenen Abschluss mit der zweiten Mannschaft den Aufstieg in die Landesliga gefeiert hatte. Saeedi-Madani war von seinen Jungs überzeugt, auch wenn er für seine Aussage belächelt wurde.
Der Start war ein Desaster: 1:6 gegen Vorwärts/Wacker Billstedt. Doch die Partie wurde umgewertet, und dies gab einen ungeahnten Schub, auch wenn noch das Pokal-Aus in Runde zwei folgte. Ein halbes Jahr später stehen die Teutonen auf einem sensationellen sechsten Platz - und selbst wenn am Ende die Kraft ausging und vier der letzten fünf Partien verloren gingen: Die Basis für eine stabilere Zukunft des Stadtteilvereins, der immerhin rund 1.000 Fußballer aus mehr als 20 Nationen beherbergt, wurde entgegen aller Widerstände gelegt.