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Thiago Silva im Interview: "Man will immer mehr"

FIFA
  • Thiago Silva sieht Fluminense vor Viertelfinale gegen Al Hilal gut aufgestellt
  • Brasilianischer Routinier über taktische Kniffe im Achtelfinale
  • Lob für Fabio, Jhon Arias, Marcos Leonardo und die Flu-Fans

Thiago Silva lag monatelang in einem Moskauer Krankenhausbett und weinte sich die Augen aus. Dem damals 19-Jährigen war gesagt worden, dass ein Teil seiner Lunge entfernt werden müsse – und dass er nie wieder Fußball spielen würde.

Die Tuberkulose und ihre Folgen stürzten Thiago in eine Depression, doch irgendwann schüttelte er das Selbstmitleid ab. Er setzte sich ein neues Ziel im Leben: Wenn er nicht mehr als Spieler weitermachen könnte, würde er Trainer werden.

Thiago verbrachte die einsamen Tage im Krankenhaus damit, sich auszumalen, wie er als Mittvierziger bei einem großen Turnier taktische Anpassungen vornimmt. Genau das tat er – allerdings schon am Montag beim Achtelfinale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025™. Nur eben nicht als Trainer, sondern als Spieler.

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Fluminense FC führte mit 1:0, stand gegen den FC Internazionale Milano aber schwer unter Druck. Während einer Trinkpause in der zweiten Halbzeit schlug der Innenverteidiger überraschend einen Systemwechsel auf ein 5-4-1 vor – eine Szene, die es so noch nicht gegeben hatte. Zudem empfahl er, Stürmer Everaldo auf die Außenbahn und Spielmacher Jhon Arias in die Sturmspitze zu stellen. Renato Gaúcho, der eigentliche Chef an der Seitenlinie, stimmte zu.

Die Maßnahmen halfen: Fluminense brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und erzielte in der Schlussphase sogar noch den zweiten Treffer – einer der größten Erfolge in der 123-jährigen Vereinsgeschichte.

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Vor dem Viertelfinale gegen Al Hilal im Camping-World-Stadion in Orlando sprach Thiago Silva mit FIFA über seine ungewöhnliche Rolle im Team von Fluminense, über Marcos Leonardo und Al Hilal, über die aktuelle Form von Jhon Arias und über die Fans der Tricolor.

FIFA: Wie fühlt es sich an, Inter Mailand ausgeschaltet und das Viertelfinale erreicht zu haben?

Thiago Silva: Es macht uns ohne Zweifel sehr stolz. Denn es ist alles andere als einfach, gegen europäische Mannschaften zu spielen – vor allem gegen den Vizemeister der Champions League. Das zeigt, was für eine großartige Saison sie hatten. Dieses Ergebnis erfüllt uns mit Stolz. Wir haben sie nicht nur herausgefordert, sondern auch gut gespielt. Ein 2:0 ist ein starkes Resultat. Das gibt uns das Gefühl, dass wir noch mehr wollen – wir sind nicht hier, um jetzt schon aufzuhören.

Was halten Sie von Al Hilal?

Ich finde, sie sind eine hervorragende Mannschaft. Sie spielen schon seit geraumer Zeit zusammen. Jetzt haben sie unter [Simone] Inzaghi ein neues System, aber die technische Qualität ihrer Spieler ist geblieben. Wir werden ihnen die maximale Aufmerksamkeit schenken, denn sie haben großartige Einzelspieler. Und jeder von ihnen ist aktuell in sehr guter Form.

Hatten Sie in den letzten Tagen Kontakt zu Kalidou Koulibaly?

Nein, ich hoffe, dass wir nach dem Spiel sprechen können. Koulibaly ist ein Typ, den ich sehr schätze. Als er zu Chelsea kam, wurde ich damals gefragt, was ich von einer Verpflichtung halte. Ich kannte ihn sofort – ich habe die italienische Liga viel verfolgt. Ich habe mein Okay gegeben und gesagt, dass er ein herausragender Transfer wäre. Und das hat er in all den Jahren seiner Karriere bewiesen. Aber jetzt gilt es erstmal, gegen ihn zu spielen! (lacht) Danach unterhalten wir uns in Ruhe.

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Wie bewerten Sie die Auftritte von Marcos Leonardo?

Er ist ein herausragender Stürmer. Er ist aktuell in Topform. Wenn ich mich nicht irre, hat er in dieser Saison 27 oder 28 Tore erzielt. Das zeigt, welches Potenzial er hat. Wir müssen ihm höchste Aufmerksamkeit schenken – aber auch den Spielern, die ihn mit Bällen füttern. Al Hilal besteht nicht nur aus einem Schlüsselspieler für das taktische und technische System. Sie sind insgesamt sehr eingespielt. Wir müssen uns auf jeden Einzelnen von ihnen einstellen.

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Mit 44 Jahren hat Fabio bei diesem Turnier in vier Spielen drei Mal eine weiße Weste behalten...

Wahnsinn, ich habe riesigen Respekt vor Fabio. Es ist nicht einfach, mit 44 Jahren das zu leisten, was er hier zeigt. Er gehört zu den Spielern, die am härtesten im Team arbeiten. Kaum ein paar Tage nach einem Spiel steht er schon wieder auf dem Platz. Er ist der Einzige, der zuletzt durchgespielt hat und trotzdem direkt wieder trainiert. Seine Motivation, sein Arbeitsethos – einfach beeindruckend. Er ist ein echter Profi. Ich bin da vielleicht etwas voreingenommen, weil ich direkt neben ihm auf dem Feld stehe. Ich sehe genau, wie viel Detailarbeit und Hingabe er jeden Tag mitbringt. Ich bin stolz, dass ich einen Teil seiner Karriere miterleben darf – und ihn auf seine letzten Stationen begleiten kann.

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Jhon Arias wurde schon drei Mal zum Michelob Ultra Spieler des Spiels gewählt. Was ist er für ein Fußballer?

Für mich gehört Jhon Arias aktuell zu den besten Spielern unseres Landes. Wenn er nicht sogar der Beste war, dann auf jeden Fall einer der herausragenden Akteure bei dieser Klub-Weltmeisterschaft. Und das sage ich nicht nur, weil er für Fluminense spielt, sondern wegen seiner Leistung, seinen Zahlen, seiner Bedeutung fürs Team. Ich hoffe, er wird erneut zum Spieler des Spiels gewählt. Wenn wir weiterkommen, wäre das das Sahnehäubchen.

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Können Sie uns etwas über die Freiheit erzählen, die Sie von Renato erhalten, um taktische Anpassungen vorzuschlagen?

Renato ist ein sehr offener Typ. Ein offenes Buch, könnte man sagen. Ich habe seit Langem ein gutes Verhältnis zu ihm, schon damals bei Fluminense 2007, 2008. Er war der Trainer, unter dem ich erstmals in die brasilianische Nationalmannschaft berufen wurde. Er hat mir über die Jahre hinweg viele Ratschläge gegeben – auch jetzt, seit ich wieder bei Fluminense bin. Das hilft einem als Spieler enorm. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Unser Austausch ist wichtig. Ich finde, es gehört zum Fußball dazu, dass ein Trainer offen mit seinem Kapitän spricht – oder auch mit anderen Spielern, unabhängig von der Kapitänsbinde. Renato ist da sehr zugänglich. Ich versuche, so gut wie möglich zu helfen, meine Sichtweise einzubringen. So gehe ich an die Sache ran. Dass Renato diese Bescheidenheit mitbringt, macht das möglich. Nicht alle Trainer haben die Größe, auf die Spieler zu hören.

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Die Fluminense-Fans sorgen hier in den USA für ordentlich Stimmung …

Unsere Fans sind absolut entscheidend. Ein Klub ohne Fans wäre eine sehr traurige Angelegenheit. Wir haben fantastische Anhänger – egal ob in Rio, in anderen Teilen Brasiliens oder hier in den Vereinigten Staaten. Einige hatten die Möglichkeit, mit uns hierherzureisen. Die anderen fiebern von zu Hause aus mit, senden uns positive Energie. Wenn wir Videos aus den überfüllten Laranjeiras sehen, alle liegen sich nach dem Sieg weinend in den Armen – das geht unter die Haut. Das gibt uns die Motivation, hier weiterzumachen und unsere Fans würdig zu vertreten.