Beim 0:3 gegen Hertha BSC eine Woche zuvor hatte er noch nicht im Kader gestanden, gut eine Woche später in Dresden dann schlug seine Stunde, und das gleich in der Startelf. Links im Hannoveraner 3-4-3 hatte William Kokolo seinen Platz erhalten. "Die Idee war, ihn mit Ball hoch auf die letzte Linie zu ziehen, weil er dann mit seiner Geschwindigkeit im Rücken des Gegners wegkommt", schilderte Christian Titz die Idee des Trainerteams, die er sogleich mit einem Lob für den Spieler verband. "Er hat so eine extreme Geschwindigkeit, Wenn man dann mit Jannik Rochelt reingerückt spielt, bekommt man noch einen weiteren schnellen Spieler aus der Halbspur mit rein. In der ersten Halbzeit hatten wir dadurch gute Möglichkeiten."
Ein Spieler wie Kokolo mit einer derartigen Grundschnelligkeit und einem so explosiven Antritt im Dribbling habe Hannover noch als Element im Kader gefehlt, hatte Titz bereits bei der Vorstellung des vom französischen Zweitligisten Stade Laval erklärt. Mit diesen Vorzügen kann Kokolo wie ein Express über die linke Schiene kommen. Beim 2:2 in Dresden gelang dies zweimal erfolgversprechend, einmal stoppte ihn lediglich der Abseitspfiff von Schiedsrichter Dr. Max Burda.
Neubauer glänzt dafür rechts
Doch die Variante mit Kokolo über links ist nur eine von mehreren tauglichen Varianten. Als Freund inverser Außenspieler kündigte Titz bereits an, den mit seinem Einsatz nunmehr schon 14. 96-Debütanten im Laufe der Saison auch über rechts zu bringen, um ihn von dort aus mit viel Wucht ins Zentrum und zum Tor ziehen zu lassen. Hayate Matsuda, ein weiterer Linksfuß, der in diesem Jahr bei den Niedersachsen aufblüht, verkörperte diese Rolle in den ersten Partien bereits erfolgreich. Diesmal saß der Japaner zunächst auf der Bank. Und Titz ließ Maurice Neubauer von dessen angestammter linken Seite gegen Dynamo über rechts kommen. Womöglich auch, um Kokolo seinen Einstieg in der deutschen 2. Liga auf einer vertrauten Position zu ermöglichen. Jedenfalls gelang der Schachzug. Neubauer glänzte auf der "fremden" Seite, war immer auf Achse, sorgte auf seiner Seite für Belebung, war bei seiner Vorarbeit zum 2:2 von keinem Gegenspieler aufzuhalten und avancierte zum "Spieler des Spiels" an diesem Tag.
Für Kokolo unterdessen war bereits nach 45 Minuten Schluss. Was nicht seiner ordentlichen Leistung, sondern eher der Hitze im Rudolf-Harbig-Stadion geschuldet war. "Bei uns ist es ja nicht ungewöhnlich, dass wir auch einmal in der Halbzeit wechseln", erklärte Christian Titz die Maßnahme, es im zweiten Durchgang mit frischen, dribbelstarken Spielern wie Matsuda und Husseyn Chakroun anzugehen.