Auch in Deutschland wird schon über ein Kopfball-Verbot im Jugendbereich diskutiert, ein Fall aus dem Vereinigten Königreich heizt nun die Debatte an. Laut eines am Montag veröffentlichten Untersuchungsergebnisses war wiederholtes Kopfballspiel "wahrscheinlich" ein Faktor für den Tod des ehemaligen schottischen Nationalspielers Gordon McQueen.
Der Abwehrspieler war 2023 im Alter von 70 Jahren gestorben, bereits Anfang 2021 hatte seine Familie eine Demenzerkrankung öffentlich gemacht. Nach seinem Tod war McQueens Gehirn am Queen Elizabeth University Hospital in Glasgow untersucht worden. Der leitende Gerichtsmediziner John Heath erklärte nun, er sei "überzeugt", dass die vielen Kopfbälle in McQueens Karriere zur chronisch-traumatischen Enzephalopathie (CTE) geführt haben.
CTE ist eine degenerative Gehirnerkrankung, die durch wiederholte Schädel-Hirn-Traumata verursacht wird und sich nur posthum durch eine Untersuchung des Gehirns diagnostizieren lässt. Besonders häufig tritt sie bei American-Football-Spielern oder Boxern auf. Auch im Fußball wurde CTE bereits vereinzelt bei ehemaligen Profis diagnostiziert, unter anderem bei Hilderaldo Bellini, dem Kapitän der brasilianischen Weltmeister-Mannschaft von 1958.
Im Fall von McQueen erklärte Gerichtsmediziner Heath: "Die Kombination aus CTE und vaskulärer Demenz führte zu einer Lungenentzündung. Ich stelle als Todesursache eine Lungenentzündung, vaskuläre Demenz und CTE fest." Der ebenfalls an der Untersuchung beteiligte Neuropathologe Willie Stewart erklärte, die Symptome von CTE seien kognitiver Verfall und Veränderungen im Nervenverhalten, die "nicht durch eine andere Erkrankung erklärt werden können". Die Symptome seien "typisch für professionelle Fußball- und Rugbyspieler nach einer langen Karriere".
Debatte auch in Deutschland
McQueen spielte von 1970 bis 1985 professionell Fußball, unter anderem für Leeds United und Manchester United, gewann mit den Red Devils 1983 den FA Cup. 1974 und 1978 nahm er mit der schottischen Nationalmannschaft jeweils an der WM teil, kam aber bei beiden Turnieren nicht zum Einsatz. Insgesamt absolvierte McQueen 30 Länderspiele.
„Der Fußball hat ihn am Ende dahingerafft.“ (Gordon McQueens Tochter Hayley)
"Papa liebte alles am Fußball, aber letztendlich hat ihn der Fußball am Ende dahingerafft", sagte McQueens Tochter Hayley der BBC. "Ich kenne viele Fußballer, deren Familien sich gemeldet haben, die Symptome aufweisen, die denen meines Vaters sehr ähnlich sind, und ich denke, wir werden immer mehr solcher Fälle sehen."
Bereits Ende 2019 hatte eine erste Untersuchung in Schottland aufgezeigt, dass Profifußballer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, an einer Demenzerkrankung zu sterben. Damals wurde ein Zusammenhang mit Gehirnerschütterungen sowie Kopfbällen vermutet. In England, Nordirland und Schottland herrscht mittlerweile ein Kopfballverbot für Kinder unter zwölf Jahren. Der DFB hat zwar kein Verbot ausgesprochen, setzt allerdings auf "Empfehlungen für ein gezieltes Training", da durch falsche Technik eine gesundheitliche Schädigung riskiert werden kann. So soll etwa bei nasskaltem Wetter kein Kopfball-Training stattfinden.