Eigentlich wollte Türkspor Dortmund endlich Ruhe finden. Nach einer chaotischen Regionalliga-Saison, in der der Klub mangels genehmigter Heimspielstätte mehrfach nach Hagen ausweichen musste, schien die leidige Heimfrage gelöst. Mit dem Rückzug in die Oberliga sollte ein Neuanfang her - sportlich und organisatorisch. Am Mendesportplatz sollte dieser Neustart beginnen.
Doch nun sorgt erneut die Frage nach der eigenen Spielstätte für Schlagzeilen. Türkspor hatte öffentlich erklärt, die Stadt Dortmund habe dem Verein den Mendesportplatz "fristlos entzogen". In den Ruhr Nachrichten war daraufhin von einer Platzsperre die Rede. Der Klub sprach anfangs gar von einem Entzug sämtlicher Nutzungsrechte - inklusive der Abschaltung des Flutlichts.
Stadt Dortmund widerspricht
Die Stadt widersprach der Darstellung. "Der Mendesportplatz steht dem Verein weiterhin zur Verfügung", sagt Stadtsprecherin Anke Widow auf kicker-Nachfrage. Eine Kündigung der Platznutzung habe es nicht gegeben, was auch Sportvorstand Ömer Kaya später bestätigte. Tatsächlich fanden am Wochenende Jugendspiele statt, auch die Oberliga-Mannschaft trainierte dort. Richtig ist allerdings: Türkspor darf das Vereinsheim aktuell nicht nutzen. Die Stadt ließ die Schlösser austauschen - wegen offener Pacht und Stromkosten. "Da kommen wir aktuell nicht rein", so Kaya.
Die Forderungen beliefen sich laut Stadt zuletzt auf rund 12.200 Euro. Türkspor überwies davon 11.000 Euro, ein Restbetrag und eine Kaution stehen noch aus. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um ausstehende Pacht, Stromkosten und einen Anteil an Eintrittseinnahmen aus der Saison 2023/24. Präsident Dr. Akin Kara kritisierte gegenüber den Ruhr Nachrichten, die Stadt habe ein Ratenmodell abgelehnt. Dort heißt es hingegen, Ratenzahlungen seien nur in Ausnahmefällen möglich. Zudem verweist die Verwaltung auf Rückbuchungen und ein zwischenzeitlich geschlossenes Vereinskonto.
"Da ist intern etwas schiefgelaufen"
Ein weiterer Knackpunkt: die Eintrittseinnahmen. Laut Satzung müssen Vereine zehn Prozent ihrer Ticketeinnahmen abführen, sobald sie pro Spieltag mehr als 50 Euro einnehmen. Diese Beträge seien nicht oder nur teilweise gezahlt worden, so die Stadt. Türkspor sieht das anders, bemüht sich aber um eine Lösung. Nach Zahlungseingang der 11.000 Euro verzichtete die Stadt auf die geplante Abschaltung des Flutlichts.
Der Spiel- und Trainingsbetrieb läuft weiter - wenn auch ohne Zugang zum Vereinsheim. "Wir sind zuversichtlich, dass sich die Lage bald klärt", sagt Kaya. Man sei im Gespräch, um Missverständnisse auszuräumen. Auch die Stadt betont, an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert zu sein. Kaya räumt ein: "Da ist intern etwas schiefgelaufen. Jemand hat nicht rechtzeitig reagiert - das war ein Fehler." Der Restbetrag solle nun zeitnah beglichen werden.
Vier Siege aus den letzten fünf Spielen
Während abseits des Rasens noch über Finanzen verhandelt wird, bleibt Trainer Maximilian Borchmann beim Sportlichen: "Für uns zählt, dass wir trainieren und spielen können - und das ist gegeben." Mit vier Siegen aus den letzten fünf Spielen hat Türkspor den Anschluss in der Oberliga gefunden. Nach einem tiefgreifenden personellen Umbruch mit rund 20 Zu- und Abgängen, darunter viele junge Spieler aus der Region und aus dem Juniorenbereich, hat sich die Mannschaft 2025 spürbar stabilisiert. Nach einem schwierigen Saisonstart agiert vor allem die Defensive deutlich verbessert.
"Wir haben zu Beginn in der Fünferkette unsicher agiert und auf eine Viererkette umgestellt. Das hat wesentlich zur defensiven Sicherheit beigetragen", sagt Borchmann. Klar ist aber auch, dass in dieser Saison kein Aufstieg angestrebt wird, sondern der Fokus auf der Konsolidierung liegt.
Junge Spieler wie David Belenzada (18) werden gezielt aufgebaut und sammeln systematisch Spielpraxis in der Oberliga an der Seite erfahrener Spieler wie Ex-Profi Oguzhan Kefkir und Kapitän Ömer Akman. Hinter den Kulissen arbeitet Türkspor intensiv daran, den Klub strukturell breiter aufzustellen und professioneller zu organisieren. Kaya formuliert es so: "Wir wollen den Verein in Bereichen wie Marketing, Sponsoring und Vereinsmanagement stabilisieren und zukunftsfähig machen, dabei auch das Ehrenamt stärken."