Zwölf Minuten Nachspielzeit gab's am Samstagabend beim Zweitliga-Topspiel zwischen Kaiserslautern und Schalke (1:0). Die höheren Zuschläge nach Ablauf der 90 Minuten sind eine von vielen Neuerungen 2025/26 rund um die Schiedsrichter, die nicht jedem gefällt und bei Zuschauern wie Protagonisten schon für einige Diskussionen gesorgt hat.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sich ein Gewöhnungseffekt einstellt in Bezug auf die Maßnahme, die der DFB - nicht ganz glücklich - erst im Anschluss an den ersten Spieltag in der 2. und 3. Liga Anfang August öffentlich erklärt hat.
1:43 Minuten mehr Nachspielzeit als in 2024/25
"Das Ziel ist es, die verlorene Zeit während des Spiels klar, einheitlich und konsistent nachspielen zu lassen", bekräftigte Ansgar Schwenken (Direktor Spielbetrieb und Fans bei der DFL) am Dienstag am DFB-Campus im Rahmen einer Medienschulung rund um aktuelle Schiedsrichterthemen und Regelauslegungen. Und präsentierte zusammen mit DFB-Schiri-Verantwortlichen erste Zahlen zur neuen Handhabung der Extra-Zeit.
An den ersten beiden Zweitliga-Spieltagen lag die durchschnittliche Nachspielzeit beider Hälften zusammengerechnet bei 10:35 Minuten, wobei 7:42 im Schnitt auf den zweiten Spielabschnitt entfielen. Zum Vergleich: In der Saison 2024/25 lag die durchschnittliche Nachspielzeit bei 8:52 Minuten (5:27 nach der zweiten Halbzeit). Es ist also bisher ein Anstieg von 1:43 Minuten festzustellen.
„Es geht um Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Berechenbarkeit.“ (Schiri-Chef Knut Kircher)
Die Netto-Spielzeit von bisher etwa 60 Minuten in der vergangenen Bundesliga-Saison werde sich dadurch erhöhen. Das sei allerdings nur ein positiver Nebeneffekt und nicht die Hauptmotivation für die auch international forcierte und bei der WM 2022 bereits umgesetzte Maßnahme, erklärte Schiedsrichter-Chef Knut Kircher.
Mit Blick auf grundsätzlich 30 Sekunden Nachspielzeit pro Torjubel und Auswechselfenster (mehrere Spielerwechsel direkt hintereinander möglich) und ansonsten in Echtzeit vom VAR-Assistenten dokumentierte Unterbrechungen (Verletzungen, VAR-Eingriffe usw.) betonte Kircher: "Es geht um Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Berechenbarkeit."
Während der VAR-Assistent per Funk die Summe der verlorenen Zeit ohnehin nur als Empfehlung mitteilt und die Entscheidung über die Nachspielzeit beim Schiedsrichter liegt, haben die Referees laut Kircher auch darüber hinaus weiterhin einen Ermessenspielraum.
Grundsätzlich könne am Ende einer Saison jedes einzelne Tor entscheidend sein, weshalb die Nachspielzeit auch bei vermeintlich klaren Spielständen nicht beliebig verkürzt werden sollte, selbst wenn ein solcher Wunsch von beiden Mannschaften ausgehe. Ausnahmefälle könnte es trotzdem geben. Etwa, "wenn eine Mannschaft total dominiert und die andere personell dezimiert und kräftemäßig am Ende ist", so Kircher. Dann könne es mal eine Absprache mit beiden Kapitänen geben.
VAR-Durchsagen schon im Supercup möglich
Während die Nachspielzeiten ein großes Thema in der noch jungen Zweitligasaison sind, war im Unterhaus bisher noch keine Stadion-Durchsage eines Schiedsrichters nach einem VAR-Eingriff zu hören. Das wird, unabhängig von relevanten Situationen, auch bis in den Oktober hinein nicht der Fall sein - obwohl DFL und DFB eine flächendeckende Einführung der in der vergangenen Rückrunde an neun Standorten getesteten "Public Announcements" für beide Ligen beschlossen haben.
"Nach den umfangreichen Auswertungen der Pilotphase war das technisch nicht mehr rechtzeitig in allen Zweitliga-Stadien umsetzbar", erklärte Schwenken: "Deshalb wird es die Durchsagen in der 2. Liga erst ab dem 9. Spieltag nach der zweiten Länderspielphase geben. Die Bundesliga-Standorte hatten Priorität."
Dort werden zum Start in gut eineinhalb Wochen alle Spielstätten bereit sein. Auch schon beim Supercup zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München am kommenden Samstag könnte die Stimme des Schiedsrichters über die Lautsprecher zu hören sein.