Auf der traditionellen Weihnachtsfeier am vierten Adventswochenende war der neue Trainer schon dabei. Denn obwohl erst wenige Tage zuvor zum neuen Chefcoach des FC Verden 04 ernannt, ist er bereits seit zweieinhalb Jahren im Verein. Der künftige Übungsleiter an der Seitenlinie oder besser gesagt inmitten des Geschehens ist mit Bastian Reiners kein Geringerer als Verdens Mittelstürmer. Noch dazu mit bisher acht Treffern bester Torschütze des Teams. Reiners wird künftig als Spielertrainer fungieren.
Bezüglich der Nachfolge von Tim Ebersbach haben sich die Verantwortlichen in Verden bewusst auf eine interne Lösung verständigt. "Bastian genießt unser volles Vertrauen. Er kennt die Strukturen, Spieler und Abläufe im Verein. Daher haben wir uns mit ihm auch auf eine Zusammenarbeit über die Saison hinaus verständigt", erklärt Nicolas Brunken, der Sportliche Leiter des Klub. Schon bevor Reiners vor zwei Jahren als Spieler in Verden anheuerte, hatte Brunken versucht, ihn als Jugendtrainer zu verpflichten. "Damals hat es nicht geklappt." Nun übernimmt der 35-Jährige gleich seinen ersten Trainerposten im Herrenbereich.
Der Sportliche Leiter schwärmt
"Er hat ein Superstanding bei den Jungs. Die hören darauf, was er sagt. Er geht immer mit Leistung voran. Er ist ein Kämpfer, einer, der in jedem Spiel Vollgas gibt. So hat er auch den Respekt der jungen Leute." Brunken schwärmt geradezu von Reiners, der sich ob der ihm anvertrauten Aufgabe "geehrt" gezeigt habe. "Nach der Anfrage des Vereins musste ich nicht lange überlegen und habe schon jetzt richtig Bock auf die kommende neue Aufgabe", äußert sich Reiners gegenüber der regionalen Kreiszeitung. Dass ihm dabei ein ordentlicher Balanceakt bevorsteht, da er sich nach wie vor noch fit genug als Spieler fühlt, dessen ist er sich bewusst. "Das wird mitunter schon eine knifflige Aufgabe, die ich bisher nicht hatte."
Verdens Vereinsverantwortliche halten das Risiko für überschaubar. "Bastian schaut selbst, ob er den Spagat hinbekommt. Sollte das nicht der Fall sein, dann müssen das auf dem Feld andere richten. Dann würde er sich auf die Rolle an der Seitenlinie konzentrieren", meint Manager Brunken und verweist darauf, dass "wir gute Jungs haben, die auf der Position spielen können", sollte sich die "Spieler-Trainer-Doppelfunktion" als nicht glücklich herausstellen.
Da mit Tim Ebersbach auch die Co-Trainer Christoph Drewes und Stefan Denker von ihren Aufgaben entbunden wurden, muss das gesamte Trainerteam neu aufgestellt werden. "Wir wollen zwischen Weihnachten und Neujahr die Karten legen und sehen, ob wir das aus Eigenmitteln stemmen können, oder ob wir noch jemand dazu holen", antwortet Brunken auf die Co-Trainer-Frage.
"Unheimlich schwere" Entscheidung
Für externe Betrachter kam der Rauswurf von Ebersbach wie aus heiterem Himmel. Hatte das Team im abschließenden Heimspiel des Jahres noch den starken VfV Hildesheim mit 3:0 besiegt und sich damit ein komfortables Polster auf die Abstiegsränge verschafft. "Wir wussten, dass es überraschend sein wird und bei vielen so ankommt. Aber die Bindung zu den jüngeren Spielern war nicht so, wie wir uns das gewünscht haben. Dass viele junge Spieler unzufrieden waren. Die Basis soll sein, in Zukunft auf jüngere Spieler Wert zu legen", argumentiert Brunken. Dabei verschweigt er nicht, dass man sich zudem ein paar Punkte mehr und auch eine größere Stabilität des Teams erhofft hatte.
Oberste Priorität für den A-Lizenzinhaber Reiners ist es zunächst, das Binnenklima zu verbessern. "Gerade, weil wir eine junge Truppe haben. Wir sind im Amateurbereich, da ist das Wichtigste, dass die Jungs gerne zum Training kommen und Spaß an der Sache haben. Unter Ebersbach war das offenbar zuletzt nicht mehr der Fall. Wobei Brunken menschlich nichts auf den Ex-Trainer, der nur einen Sommer und Herbst lang in Verden agierte, kommen lässt. "Er ist ein Supertyp, auch Christoph Drewes und Stefan Denker. Das sind zwei Pfundstypen. Deshalb war es auch unheimlich schwer und tut mir auch leid."
Der Blick in Verden richtet sich nun auf das neue Jahr. Zwar bittet Reiners seine Mannschaft erst 12. Januar zur ersten Trainingseinheit, "doch bis dahin sind noch viele organisatorische Dinge zu erledigen. Aber das gehört zu meinen neuen Aufgaben dazu und auch darauf freue ich mich".