Am 17. Mai 2008 ging es für Paris Saint-Germain um alles oder nichts. Am 37. Spieltag drohte dem Team der Abstieg, man konnte den Kopf aber noch einmal aus der Schlinge ziehen, da die beiden direkten Konkurrenten (Lens und Toulouse) ihre Partien verloren. Doch die Hauptstädter hatten weiterhin nur einen Punkt Vorsprung auf das Duo und gegenüber Toulouse auch die schlechtere Tordifferenz.
Nach der Führung im Bonal-de-Sochaux-Stadion ließ sich Paris zurückfallen und musste prompt den Ausgleich hinnehmen. Während die Fans nervös die Resultate der anderen Spiele verfolgten, fasste sich Amara Diané ein Herz und traf in der 83. Minute zum erlösenden 2:1-Endstand. Die Pariser Fans waren außer sich vor Freude und feierten ihre Helden, allen voran Pedro Pauleta bei seiner Abschiedsvorstellung vor seinem Rücktritt am Ende der Saison.
Das Team von 2008: Landreau - Armand, Yepes, Camara, Ceara - Rothen, Clément, Bourillon, Chantôme - Pauleta, Diané
Bis 2011 erlebte der Klub inkonstante Jahre mit vielen Wechseln in der Führung und bei den Aktionären. So gab es in drei Jahren nicht weniger als sechs verschiedene Präsidenten. Mit einem neuen Team und frischen Kräften wie Claude Makélélé und Ludovic Giuly fasste der Klub wieder Fuß und erreichte in der Saison 2010/11 in der Ligue 1 schließlich Platz vier.
Trotz der Probleme abseits des Spielfelds kam die Mannschaft insbesondere unter Antoine Kombouaré immer besser in Schwung. Seit 2009 spielt Paris jedes Jahr auf europäischer Ebene und erreichte bei der letzten Ausgabe des UEFA-Pokals das Viertelfinale. In der UEFA Europa League, die daraufhin mit neuem Format eingeführt wurde, hielten die Franzosen in der Gruppenphase zwei Mal Borussia Dortmund in Schach (0:0 und 1:1) und schafften es so ins Achtelfinale.
Das Team von 2011: Edel - Tiéné, Sakho, Armand, Jallet - Clément, Makélélé, Nenê, Giuly - Erding, Hoarau
Der Wendepunkt folgte im Juni 2011, als der Klub vom Investmentfonds QSI aus dem Wüstenstaat Katar übernommen wurde, das zuvor den Zuschlag für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ erhalten hatte. Paris verfügte nun über die nötigen finanziellen Mittel, um seine sportlichen Ambitionen zu verfolgen, und verstärkte sich mit arrivierten Spielern (Maxwell, Thiago Motta, Thiago Silva), Stars (Zlatan Ibrahimović, David Beckham, Edinson Cavani) und Nachwuchshoffnungen (Marco Verratti, Lucas Moura, Marquinhos).
Wechsel gab es auch beim Namen (nun ohne "FC") und beim Logo als Sinnbild für die neu gewonnene internationale Dimension. Die Marke PSG gewann zunehmend an Prestige, während der Klub 2013 erstmals seit 1994 wieder französischer Meister wurde. Es war der Auftakt zu einer langen Serie mit elf Titeln in 13 Jahren.
Das Team von 2015: Sirigu - Maxwell, Luiz, Silva, Van der Wiel - Motta, Matuidi, Verratti - Pastore, Ibrahimović, Cavani
Trotz der fast unangefochtenen Dominanz in Frankreich blieb der Erfolg auf europäischer Bühne lange Zeit aus. Zwischen 2013 und 2016 war gleich vier Mal im Viertelfinale Schluss. In der darauffolgenden Saison folgte das Achtelfinaltrauma gegen den FC Barcelona, als die Pariser nach einem 4:0 im Hinspiel im Rückspiel mit 1:6 untergingen. Nach diesem Rückschlag nahm sich der Klub sein Motto "größer träumen" noch mehr zu Herzen und verpflichtete Neymar, damals auf dem Zenit seiner Karriere, sowie den Senkrechtstarter Kylian Mbappé.
Vier Jahre später, als Präsident Nasser al-Khelaïfi auf der Suche nach dem neuen Messi war, folgte mit der Verpflichtung des argentinischen Originals der nächste Coup. Neymar, Mbappé und Messi bildeten als "MNM" zusammen ein gefürchtetes und spektakuläres Angriffstrio. Dennoch ging die europäische Tragödie weiter. Zu oft bedeutete das Achtelfinale Endstation – trotz des Lichtblicks 2020, als die Franzosen das Finale erreichten, vor leeren Rängen mitten in der Corona-Pandemie gegen die Bayern aber mit 0:1 verloren. Torschütze war ausgerechnet Kingsley Coman, der bei PSG ausgebildet worden war. Nach dem Halbfinale 2021, das gegen Manchester City nach Hin- und Rückspiel mit 1:4 verloren ging, musste Paris 2023 einmal mehr im Achtelfinale die Segel streichen – schon wieder gegen Bayern München (0:1, 0:2).
Das Team von 2023: Donnarumma - Nuno Mendes, Kimpembé, Marquinhos, Ramos, Hakimi - Verratti, Vitinha - Mbappé, Neymar, Messi
Die Weichen für den großen Erfolg wurden im Jahr zuvor gestellt, als Luís Campos nach so prominenten Namen wie Leonardo, Patrick Kluivert oder Antero Henrique die sportliche Leitung übernahm sowie Vitinha und Fabián Ruiz zum Klub wechselten. Im Sommer 2023 kam es im Kader zudem zum großen Umbruch, als Neymar, Messi, Sergio Ramos und Marco Verratti den Verein verließen und junge Kräfte wie Bradley Barcola (20 Jahre), Kang-in Lee (22) und Gonçalo Ramos (22) neu ins Team stießen. Hinzu kam mit Luis Enrique ein neuer Trainer mit einer anspruchsvollen, aber erfolgreichen Spielphilosophie. Der Spanier, der PSG mit dem FC Barcelona einst ins Elend gestürzt hatte, brachte seine Vorstellungen zum Fliegen und erreichte in seiner ersten Saison gleich das Double aus Pokal und Meisterschaft sowie das Halbfinale in der Champions League (0:2 gegen Borussia Dortmund nach Hin- und Rückspiel).
Im Sommer 2024 zog mit Mbappé auch noch der letzte aus dem MNM-Trio von dannen und wechselte zu Real Madrid. Der spanische Trainer testete verschiedene Formationen und Taktiken, bis er das richtige Rezept gefunden hatte, mit dem Paris Saint-Germain seinen Traum endlich wahrmachen und sich das Triple aus Pokal, Meisterschaft und Champions League sichern konnte.
Nach den Feiern auf der Champs-Élysées wollen die Pariser nun auch bei der Klub-WM nach den Sternen greifen, wie der Trainer deutlich machte: "Wir fahren zur WM, um zu gewinnen." Nach der Machtdemonstration gegen Atlético Madrid (4:0) und dem souveränen Achtelfinalsieg gegen den Inter Miami mit demselben Ergebnis ist das Team bereit für das Viertelfinalduell gegen die Münchner.
Das Team von 2025: Donnarumma - Nuno Mendes, Pacho, Marquinhos, Hakimi - Vitinha, Ruiz, Neves - Kvaratskhelia, Dembélé, Doué