Einstiegsfragen können bei manchen Fußballspielern schon mal nach hinten losgehen, wenn die Laune gerade entsprechend ausfällt. Harry Kane lächelte den zweiten Teil am Mittwochabend stattdessen einfach weg. "Danke dafür", antwortete der Engländer auf die Frage nach seinem Spielfazit - und zu seinem zweiten Elfmeter, der an die Latte und nicht ins Tor gegangen war.
Kane sagte dann die üblichen Sachen ("tough game") und erklärte, warum sich die Bayern gerade in Hälfte eins so schwergetan hatten gegen den belgischen Tabellenführer Union Saint-Gilloise: "Wir hatten nicht genug Energie im Pressing", führte er zum Beispiel auf. "Mit dem Ball waren wir ein bisschen nachlässig, vor allem im letzten Drittel."
Und so kam es, dass es zur Pause nur oder zum Glück noch 0:0 stand, das hängt ganz von der Betrachtungsweise ab. Erst hatte Manuel Neuer in der 29. Minute herausragend auf den Kopfball von Union-Stürmer Promise David reagiert, dann hätte Kane auf der Gegenseite selbst gerne eine Chance gehabt, nur war ihm nach der Ecke von Joshua Kimmich in der 40. Minute Raphael Guerreiro zuvorgekommen.
Was beim Engländer sichtbar für Ärger sorgte, sofort schaute er seinen portugiesischen Teamkollegen rätselnd und durchaus böse an. "Die Ecke in der ersten Halbzeit war für mich bestimmt", klärte Kane auf. Ausnahmsweise hatte sogar Kimmich und nicht Michael Olise den Ball von rechts hereingebracht. Extra so scharf auf den ersten Pfosten, was am Morgen des Spiels noch einstudiert worden war. "Wir hatten da eine spezielle Variante, um mich freizubekommen. Deswegen war ich ein bisschen wütend, dass Rapha den genommen hat. Aber kein Problem."
Es dauerte dann eben bis nach der Pause, ehe Kane aus fast identischer Position - und wieder recht freistehend - einköpfte, dieses Mal nach einer Flanke von Olise, der Kimmich auf rechts wieder abgelöst hatte. "Das war eine normale Ecke", meinte Kane, der sich aus der Raumverteidigung des Gegners einen Vorteil kreierte.
„Die Leute erwarten von mir, dass ich jeden treffe, aber ich werde daraus lernen.“ (Kane über seine Elfmeter)
Und nur zwei Minuten und 52 Sekunden später klingelte es erneut im Tor der Belgier, nachdem Kane den von ihm selbst herausgeholten Elfmeter verwandelt hatte. In typischer Manier, mit sieben Schritten Anlauf, einem leichten Verzögern und genug Power. Nachdem er in den vergangenen drei Champions-League-Spielen gänzlich ohne Torbeteiligung geblieben war, erhöhte Kane sein Trefferkonto blitzschnell von fünf auf sieben und von 32 auf 34 in allen Wettbewerben.
Da konnte es der Toptorjäger der Bundesliga sogar mal verschmerzen, den zweiten Elfmeter des Abends zu verschießen - wie übrigens schon in der ersten Pokalrunde in Wiesbaden. Auch beim Drittligisten hatte Kane den ersten Versuch noch versenkt, um später im Spiel am Schlussmann Florian Stritzel zu scheitern.
"Die Leute erwarten von mir, dass ich jeden treffe, aber ich werde daraus lernen", verspricht Kane. "Es war nah an einem perfekten Elfmeter." Doch der Ball ging eben nur an die Latte und nicht ins Tor. "Das ist Teil des Spiels. Man kann Elfmeter verschießen, wir sind nicht perfekt. Ich bin deswegen nicht beunruhigt."
Am Freitag wird sich der 32-Jährige die Bälle im Abschlusstraining wieder zurechtlegen und für das Spiel gegen Finn Dahmen und den FC Augsburg üben, am Donnerstag darf er dagegen im Homeoffice bleiben und über Zoom mit der Mannschaft zusammen etwas Regeneration betreiben. "Das war ein schwieriger Start ins neue Jahr mit vielen Spielen", weiß Kane, es folgt direkt die nächste englische Woche mit Spielen gegen den FCA, in Eindhoven und in Hamburg. Deshalb "ist es gut, dass wir einen größeren Kader haben". Die Elfmeter schießt trotzdem weiterhin Kane.