Fehlercode: %{errorCode}

Wattenscheids Anan ist zurück von der Kleinfeld-WM: "War sportlich für mich die Hölle"

kicker

Ilias Anan ist bei der SG Wattenscheid 09 der Spieler für die entscheidenden Momente - mit Toren, Vorlagen und viel Tempo. In den vergangenen Wochen kamen für den 29-jährigen Offensivmann jedoch zusätzliche Herausforderungen hinzu: die Kleinfeld-WM in Mexiko, gesundheitliche Rückschläge und ein denkwürdiges Oberliga-Topspiel beim SV Lippstadt 08.

Beim 2:2 erzielte Anan in der 32. Minute die Führung für die Wattenscheider, ehe ein über einstündiger Flutlichtausfall das Spiel unterbrach. Rund 400 mitgereiste Wattenscheider Fans sorgten für eine ausgelassene Stimmung, die selbst während der langen Unterbrechung anhielt. In der sechsten Minute der Nachspielzeit fiel dann der späte Ausgleich.

"Vom Zeitpunkt her war das katastrophal, aber insgesamt ein faires Unentschieden", ordnet Anan die Partie ein. Trotz einer Mittelfußzerrung spielte er durch, blieb auf dem Feld und wurde erst in der Schlussphase ausgewechselt. Für ihn zeigte die Begegnung einmal mehr, dass in der Oberliga Westfalen jeder Gegner alles gibt - besonders gegen Wattenscheid. "In der Rückrunde wird es schwerer als in der Hinrunde, weil die Gegner uns natürlich auch analysieren", prognostiziert der frühere Spieler von Türkspor Dortmund.

Nur 50 Prozent möglich

Zuvor hatte Anan Deutschland bei der Kleinfeld-WM in Cancun vertreten. Das Turnier verlief unter extremen Bedingungen: Hitzschlag, ein Umknicken auf rutschigem Kunstrasen und zwei Tage lang starke Migräne zwangen ihn zu Pausen. "Der Platz fühlte sich an wie ein glatter Teppich - bei schnellen Bewegungen wurde es jedes Mal rutschig, egal ob mit Hallenschuhen, Multinoppen oder Stollen", beschreibt Anan. Nach dem ersten Spiel lag er zwei Tage mit heftigen Kopfschmerzen im Bett und verpasste sogar ein gemeinsames Abendessen - eine Erfahrung, die seinen Blick auf Verletzungen und Belastungen nachhaltig veränderte. "Ich hatte das Gefühl, nur mit 50 Prozent spielen zu können", sagt er.

Besonders schnelle Richtungswechsel und Start-Stopp-Bewegungen setzten seinen Körper zusätzlich stark unter Druck. Deutschland startete mit einem enttäuschenden 0:3 gegen die Ukraine, verlor knapp gegen Spanien (2:3), ehe ein deutlicher 7:1-Erfolg gegen Kolumbien für eine Wende sorgte. Im Viertelfinale gegen die Niederlande war dann Endstation (1:3). "Sportlich war das für mich persönlich die Hölle, weil ich der Mannschaft nicht geben konnte, was ich wollte", ordnet Anan die Niederlage ein.

Trotzdem zieht Anan ein positives Fazit: "Mexiko, das enge Mannschaftsgefüge und die intensive gemeinsame Zeit waren prägend. Ich sehe das Team wie eine Familie - genau wie bei Wattenscheid." Während der WM verfolgte er aus der Ferne die Spiele seines Vereins. Wattenscheid holte vier Punkte aus zwei Ligaspielen (4:2 beim ASC Dortmund, 0:0 gegen die SpVgg Erkenschwick) und schied im Westfalenpokal unglücklich 3:4 im Elfmeterschießen gegen den FC Gütersloh aus. "Das war nervenaufreibend, aber wir haben uns gut geschlagen", erklärt Anan, der das Spiel im Internet verfolgte - und betont, dass niemand wisse, ob seine Anwesenheit den Ausgang verändert hätte.

Nächste WM im Blick

Über die Baller League gelang Anan der Sprung in die Kleinfeld-Nationalmannschaft, in der er mit seinen Leistungen sofort auffiel und ohne vorherigen Lehrgang direkt nominiert wurde. In der Baller League ist er inzwischen nicht nur Spieler, sondern auch als Botschafter aktiv: Er knüpft Kontakte zu Talenten, begleitet eine "Bolzplatz-Tour" mit Tagesturnieren in Städten wie Essen oder Frankfurt und unterstützt neue Spieler beim Einstieg in das Format. "Ich bin ein extremer Fußballfan, das ist ein spannendes Projekt", sagt er über seine Arbeit. Auch eine Teilnahme an der Kleinfeld-WM 2026 ist ein Ziel - allerdings nur in Abstimmung mit Wattenscheid und je nach Ligazugehörigkeit.

Über den Aufstieg mit der SGW in die Regionalliga spricht er vorsichtig, weil er weiß, wie hart die Rückrunde wird. "Wir müssen eine gute Vorbereitung absolvieren und noch mehr Einsatz zeigen als in der Hinrunde", bekräftigt Anan. Am Ende soll Wattenscheid im Mai "oben auf dem Aufstiegsplatz" stehen - vorausgesetzt, Zusammenhalt im Team und die Einstellung der Spieler stimmen. "Du kannst die besten Spieler haben, aber wenn es charakterlich nicht stimmt, wird es schwierig", betont er und nennt sowohl die Nationalmannschaft als auch Wattenscheid "Familie".

Nach Wochen voller Hitze, Verletzungen und schwieriger Bedingungen ist Anan nun zurück in Wattenscheid und bereit, im Team eine Führungsrolle zu übernehmen. "Ich versuche, das Kleinfeld und Wattenscheid bewusst zu trennen, weil es zwei völlig unterschiedliche Aufgabenbereiche sind. Jetzt liegt mein Fokus wieder ganz auf Wattenscheid, dem Team und der Rückrunde."