Nach dem nächsten Nackenschlag in seiner erst kurzen Amtszeit beim Wuppertaler SV wirkte Trainer Mike Wunderlich (39) tief getroffen. "Wenn wir unsere Probleme nicht in den Griff bekommen, dann wird es sehr, sehr schwer", sagte der Ex-Profi nach der bitteren 1:3-Heimniederlage gegen die U 21 des SC Paderborn 07. Nach sechs Partien unter seiner Regie stehen für den gebürtigen Kölner schon vier Niederlagen sowie ein Remis und nur ein Sieg zu Buche. Mit einer solchen Bilanz wird es in der Tat schwierig, den Tabellenkeller in der Regionalliga West zu verlassen und den Klassenverbleib zu sichern.
In einem sehr ruhigen Ton sprach Wunderlich die erneut gezeigten Defizite schonungslos an. "Wir haben erneut zwei Gegentreffer nach Standards bekommen. Da fehlt mir die Gier, das eigene Tor zu verteidigen", so der WSV-Trainer, der aber auch an den Offensivbemühungen seines Teams keinerlei Gefallen finden konnte: "Wir waren nach vorne nicht zwingend genug. Unser Anschlusstreffer war eher ein Zufallsprodukt. Sonst konnten wir den Gegner vor keine Herausforderungen stellen."
Kein Wunder, dass im Bergischen Land mehr denn je die Alarmglocken schrillen. Die Wuppertaler, die von ihren zurückliegenden 13 Ligaspielen nur eines gewinnen konnten (1:0 gegen die U 21 des 1. FC Köln) und in dieser Phase auch noch im Viertelfinale des Niederrheinpokals am Oberligisten FC Büderich (0:1) scheiterten, müssen jetzt auch noch bei den Sportfreunden Siegen (Freitag, 13. März, 19.30 Uhr) und vier Tage später beim ebenfalls kriselnden Mitkonkurrenten SV Rödinghausen zweimal in Folge auswärts antreten.
Außenverteidiger fallen aus
Es ehrt Wunderlich, dass er die stark angespannte Personallage nicht als Ursache für die enttäuschende Leistung gegen Paderborn anführte. Allerdings fielen mit den beiden gelbgesperrten Levin Müller (22) und Toshiaki Miyamoto (26) sowie Marko Stojanovic (31/Zerrung) gleich drei etatmäßige Außenverteidiger aus. Da sonst nur noch Subaru Nishimura (22) zur Verfügung stand, musste Angreifer Vincent Schaub (27) auf der ungewohnten Position in der Abwehr aushelfen. Außerdem fehlten Innenverteidiger Hans-Juraj Hartmann (24/Fingerbruch) und Angreifer Noah Heim (22/Muskelfaserriss).
Da zumindest Müller und Miyamoto, aller Voraussicht nach auch Stojanovic zum Siegen-Spiel in den Kader zurückkehren werden, ist hier Besserung in Sicht. Zudem wurden gegen Paderborn mit Semir Saric (28/nach Entzündung im Knie) und Jeff-Denis Fehr (31/Wadenverletzung) zwei eigentlich fest eingeplante Routiniers erstmals nach langen Verletzungspausen wieder eingewechselt. Für Saric war es gar der erste Einsatz seit dem 1. Spieltag. Auch Torschütze Dildar Atmaca (23), der fast die komplette Hinserie verpasst hatte, wird gerade erst wieder durch Kurzeinsätze an die Mannschaft herangeführt.
Rettendes Ufer Platz 15?
Weitere positive Nachricht für den WSV: Nach Lage der Dinge in der 3. Liga (Alemannia Aachen und FC Viktoria Köln inzwischen 14 Punkte vor den Abstiegsplätzen) spricht sehr viel dafür, dass der 15. Tabellenplatz in der West-Staffel zum Klassenverbleib reichen wird. Dennoch verschließt auch der Sportliche Gaetano Manno (43), der trotz seines großen Engagements und seiner langen Vergangenheit beim Traditionsklub bei der Fanszene stark in der Kritik steht, die Augen nicht vor der Realität. "Die Lage ist ernst", betont Manno, der beim WSV auch schon Spieler, Co-Trainer, Scout, Mitarbeiter der Geschäftsstelle und Interimstrainer war. "Wir haben noch 10 Spiele, in denen wir alle Hebel in Bewegung setzen werden, um am Ende über dem Strich zu stehen."
Die größere Personalauswahl soll dabei helfen. "Wir müssen jetzt die Spieler identifizieren, die willens und in der Lage sind, das Ruder herumzureißen", so Manno. "Dass unser Kader das Potenzial besitzt, um den Klassenverbleib zu erreichen, steht für mich nach wie vor außer Frage. Wir müssen aber so schnell wie möglich die Blockade in den Köpfen lösen, um die Wende einzuleiten." Am besten schon Siegen.