Eine ruhige Winterpause sieht anders aus als die, die die SpVgg Bayreuth erlebt hat: Beim traditionsreichen oberfränkischen Klub hat man dabei die hohen Ambitionen der Realität geopfert. Ein Paradigmenwechsel, der zumindest an der Mannschaft scheinbar spurlos vorbeigeht.
Zwei Dinge sind beim Regionalligisten inzwischen klar: Die im Umfeld hoch angesehene und beliebte Geschäftsführerin Nicole Kalemba stellt ihren Posten zum 15. April zur Verfügung, die restlichen Saisonwochen wird ein Interimsgeschäftsführer - gemunkelt wird, dass mit Oliver Paulick einer der jüngsten Gesellschafter diesen Posten übernimmt. Ebenfalls festgezurrt ist die künftige Marschroute beim einstigen Zweitligisten: Der offizielle Profi-Status des Vereins, zu Corona-Zeiten auch aus sportpolitischen Erwägungen heraus beschlossen, wird dem Amateur-Status weichen. "Wir wollen aber weiterhin ambitionierten Regionalliga-Fußball präsentieren", so der allgemeine Tenor der Verantwortlichen.
Wie das aussehen kann, zeigte sich bei den beiden Auftaktspielen im neuen Kalenderjahr. Sowohl beim 1:1-Unentschieden in Eichstätt als auch beim 2:1-Sieg über die Zweitvertretung des deutschen Rekordmeisters Bayern München präsentierte sich die Elf von Trainer Lukas Kling als äußerst gallig und sequenziell auch fußballerisch überzeugend. Was deutlich wird: Die Winterneuzugänge untermauern ihre Vorschusslorbeeren und zündeten sofort. Der ehemalige Würzburger Maximilian Fesser etwa, dort mit nur 67 Spielminuten, ist mit seiner Schnelligkeit eine enorme Verstärkung im Offensivbereich, traf gegen die kleinen Bayern. Selbiges gilt auch für den nach seinem Wadenbeinbruch zurückgekehrten Felix Heim, der von der Bank kommend in Eichstätt direkt wieder knipste.
Schäffner avanciert zum Hoffnungsträger
Dass der Ausfall des eigentlichen Torjägers Thomas Winklbauer nicht ins Gewicht fällt, ist Eigengewächs Patrick Scheder und dem spielenden Athletiktrainer Jann George zu verdanken, die beide einen starken Eindruck hinterlassen. Auf der defensiven Seite zeigt sich einer, der für die Zukunft des Vereins stehen könnte: Manndecker Felix Schäffner. Das 19-jährige Eigengewächs bediente für den als Ersatz des verletzten Kapitäns Nico Andermatt auf die Sechserposition gerückten Co-Trainer Edwin Schwarz den zweiten Innenverteidiger-Slot. Und wie. Vor über 6500 Zuschauern agierte Schäffner wie ein alter Hase, performte nahezu fehlerfrei und überraschte viele. "Er hat einfach die nötige Ruhe", lobte ihn auch sein Coach - der dahingehend auch den Blick über den Tellerrand und das Saisonende hinaus hat.
Schon jetzt geht es in die Planungen für die kommende Serie. Bei sieben Zählern Vorsprung auf Relegationsplatz 15 kann man diese allmählich in Richtung der Regionalliga lenken, zumal in den nächsten Wochen nach dem traditionell schweren Auswärtsspiel beim TSV Buchbach einige Konkurrenten auf Augenhöhe die Gegner sind. Im Optimalfall steht schon Anfang April fest, wohin der Weg gehen wird.
Und vor allem, wie. Die Gedankenspiele der "neuen" Regionalliga mit seiner Kompass-Form dürften in der Wagnerstadt eine entscheidende Rolle spielen. Aufgrund dieser könnten die Altstädter zusammen mit dem TSV Aubstadt nach dem aktuellen Stand bei einer tatsächlichen Regionalliga-Reform in der Zuschauer-trächtigen bisherigen Nordost-Staffel landen. Das wäre in Oberfranken ein Gedankengang mit hohem Reiz.