Mit der ersten Trainingseinheit am Mittwochvormittag begann eine neue Zeitrechnung. Die erfolgreiche Ära von Aufstiegstrainer Thorsten Nehrbauer ist endgültig vorbei, Nachfolger Boris Schommers soll die Sportfreunde Siegen wieder auf Kurs bringen. Der südwestfälische Regionalligist hatte den Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz am Abend zuvor in einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt und dabei in Person von Geschäftsführer Matthias Georg die Gründe für die zunächst überraschende Trennung von Nehrbauer noch einmal konkretisiert.
"Letztendlich ist die entscheidende Frage: Welchen Fußball wollen wir hier in Siegen zeigen und ist das zuletzt der Fußball gewesen, mit dem sich die Leute identifizieren", sagte Georg mit Blick auf die jüngsten sechs Punktspiele ohne Sieg. Nach dem frühzeitigen Aus im Westfalenpokal gegen Lokalrivale TuS Erndtebrück hatten die Sportfreunde zunächst viermal in Serie unentschieden gespielt, ehe gegen Rot-Weiß Oberhausen (0:1) und beim FC Gütersloh (2:3) die ersten beiden Niederlagen folgten.
„Zuletzt hat die Entwicklung leider ganz klar nach unten gezeigt, das ist ja kein Geheimnis.“ (Geschäftsführer Matthias Georg)
"Zuletzt hat die Entwicklung leider ganz klar nach unten gezeigt, das ist ja kein Geheimnis. Wir haben das letzte Spiel Anfang September in Bocholt gewonnen und seitdem von 18 möglichen Punkten vier geholt", betonte Georg, dass die Nehrbauer-Entlassung ausschließlich sportliche Gründe hatte.
Fehlende spielerische Fortschritte
Konkret wurden dem Ex-Coach intern wohl fehlende spielerische Fortschritte vorgeworfen. Kaschierte der Aufsteiger in der Anfangsphase seine Defizite im Herausspielen von Torchancen noch durch eine hervorragende Effizienz im Abschluss und kam so zu schmeichelhaften Siegen beim 1. FC Köln II (4:2), SC Paderborn II (2:0) oder in Bocholt (2:0), ging der zunehmend verunsicherten Mannschaft auch diese Qualität zuletzt ab.
"In den herausgespielten Torchancen sind wir auf Platz 14, in den herausgespielten Ecken auf Platz 17 der Liga. Wir hatten eine sehr, sehr effektive Phase, aber das musste eben nicht zwangsläufig so weitergehen - und das erleben wir gerade", ging Geschäftsführer Georg in seiner Situationsanalyse weiter ins Detail.
„Ich bin ein Trainer, der gerne spielerische Lösungen und spielerische Wege ins letzte Drittel findet.“ (Boris Schommers)
Wenig überraschend soll Neu-Coach Schommers also genau dort für Verbesserungen sorgen. "Ich bin ein Trainer, der gerne spielerische Lösungen und spielerische Wege ins letzte Drittel findet. Ein Punkt, an dem wir ansetzen wollen, ist, wie wir mehr Torchancen herausspielen", erklärte der ehemalige Trainer des MSV Duisburg, der Georg ebenso wie die Spieler Dennis Brock und Kevin Goden noch aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Düren kennt.
Der 46-jährige Schommers, der in Gummersbach lebt und deshalb nur eine kurze Anreise ins Siegerland hat, saß beim finalen Spiel unter Nehrbauer in Gütersloh bereits auf der Tribüne und hat weitere Auftritte der Sportfreunde gesehen.
Schommers' Feuerprobe gegen Düsseldorf II
"Wir haben auf jeden Fall eine spannende Mischung mit Spielern, die für das spielerische Element stehen", unterstrich Schommers, dem nur wenige Tage bleiben, um seine neue Mannschaft auf das wichtige Heimspiel am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf II vorzubereiten.
Das Duell mit dem 13. der Tabelle taugt ebenso wie die folgenden Partien beim Bonner SC (14.), gegen Fortuna Köln (2.) und bei der SSVg Velbert (18.) auf dem Papier sehr gut für die angestrebte Trendwende.
„Uns geht es nicht darum, jetzt mit diesem Wechsel einen Aufstieg zu propagieren.“ (Matthias Georg)
"Wir wollen ergebnistechnisch wieder etwas gutmachen", sagte Schommers - zu hohe Erwartungen sollen an den Trainerwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings nicht geknüpft werden. "Uns geht es nicht darum, jetzt mit diesem Wechsel einen Aufstieg zu propagieren, sondern darum, uns als Mannschaft, als Verein weiterzuentwickeln und natürlich diese Negativserie umzukehren", betonte Georg, der aber anfügte: "Wenn wir wieder regelmäßig drei Punkte holen wie am Anfang, dann würden wir gerne noch mal ins Aufstiegsrennen eingreifen."