Es war eine Niederlage mit historischem Ausmaß, die der FC Bayern München gestern im erbarmungslos heißen Charlotte kassierte: Erstmals in der Klubgeschichte verlor der Deutsche Rekordmeister ein Pflichtspiel gegen den europäischen Konkurrenten SL Benfica, das seinen Triumph sichtlich erlöst und emotional feierte. Benfica gewann eine weitere Hitzeschlacht im Rahmen der FIFA Klub-WM 2025, die vor allem im ersten Durchgang bemerkenswerte Bilder lieferte.
So hatte etwa Benficas 19-jähriges Mittelfeldtalent Gianluca Prestianni nach nicht mal 40 Minuten mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, weitere Modellathleten wie Renato Sanches folgten. Und die Bayern spielten ohne Schwung, ohne Energie und ohne Geschwindigkeit. Daraus resultierte ein Spiel, in dem es an Spieltempo, Niveau und Unterhaltungswert erheblich mangelte. Einzige Ausnahme blieb Benficas Treffer zum 1:0, der am Ende zum Sieg reichte.
Denn auch eine deutliche Leistungssteigerung im zweiten Durchgang und die Einwechslungen von Harry Kane, Michael Olise und Joshua Kimmich konnte Bayerns erste Turnierniederlage nicht verhindern, weil unter anderem Leroy Sane beste Torchancen liegen ließ und Benfica-Keeper Trubin mit tollen Paraden zum Spieler des Spiels avancierte.
Das meistdiskutierte Thema im Anschluss war aber die brütende Hitze im Bank of America Stadium in Charlotte, North Carolina. In der ungedeckten Sonne heizte sich die Luft auf bis zu 40 Grad Celsius auf, der Hitze speichernde Kunstrasen tat sein Übriges und verlangsamte das Spiel zusätzlich. Der einzige schattige Platz im riesigen NFL-Stadion war auf der Auswechselbank, trotzdem verfolgten die meisten Ersatzspieler die erste Halbzeit in der klimatisierten Kabine.
"Wir hatten Probleme mit der Hitze, es lief nicht so flüssig wie normal", sagte dann auch FCB-Cheftrainer Vincent Kompany nach der Niederlage. Er hofft, dass eine solche Hitzeschlacht im weiteren Verlauf des Turniers nicht mehr auf dem Programm steht: "Wenn es etwas Positives gibt am weiteren Weg, dann, dass wir jetzt nicht mehr in Charlotte spielen werden."
Neben der schwierigen Bedingungen lag es auch an der großen Rotation, dass der Bayern-Motor im ersten Durchgang nicht startete. Dass die Schlüsselspieler Kane, Kimmich und Olise alle erst nach der Halbzeitpause kamen, war dabei aber abgesprochen: "Wir wollten ein starkes Finish haben, und das haben wir auch gehabt." Zum Sieg nur hat es nicht gereicht: "Mehr können wir aus der zweiten Hälfte nicht mitnehmen, weil am Ende das Resultat nicht da war. So ist Fußball, wenn man die Chancen nicht nutzt und der Torwart gut ist."
Im Achtelfinale geht es nun gegen Flamengo aus Rio de Janeiro, der Gruppensieger der Gruppe D. Wozu sich Kompany inhaltlich nicht groß äußern wollte. Er sagte lediglich: "Es war klar, dass es Flamengo oder Chelsea, also ein schweres Spiel wird. Was wir da mit reinnehmen können, ist, dass wir wissen, dass wir kreieren können."